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Lifestyle

200 Jahre Fahrrad

11. Juni 2017

Karl Freiherr von Drais erfand vor 200 Jahren das Laufrad - als praktische und günstige Alternative zum Pferd. Über die Jahrhunderte wurde seine Draisine immer weiterentwickelt, bis zum Fahrrad wie wir es heute kennen.

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Karlsruhe historische Fahrräder International Veterans Bike Rally
Bild: picture-alliance/dpa/Uli Deck

Am 12. Juni 1817 setzte sich der Forstbeamte und Erfinder Karl Freiherr von Drais auf den Sattel seiner hölzernen Laufmaschine und lief los. Die Probefahrt gelang, der Urahne des heutigen Fahrrads war geboren.

Der Zeitpunkt konnte nicht besser sein: Die Region war gebeutelt von einer Klimakatastrophe, ausgelöst durch eine gigantische Aschewolke, die ein Vulkanausbruch in Indonesien um die ganze Welt geschickt hatte. Die Folgen: Kälte, Dürre, Ernteausfälle, Hunger. Der Situation sind auch zahlreiche Pferde zum Opfer gefallen - indem sie schlicht von den hungernden Menschen verspeist wurden.

Laufrad als Alternative zum Pferd

Drais hatte lange über eine sinnvolle Alternative zum Pferd nachgedacht - und so ist das Laufrad, genannt "Draisine", entstanden. Dass er damit die Mobilität der Menschheit für immer verändern würde, soweit hat er wahrscheinlich nicht gedacht, als er seine Erfindung zum ersten Mal ausprobierte. Eigentlich wollte er damit nur Geld verdienen.

Zeichnung von Karl Freiherr von Drais
Ihm haben wir das Fahrrad zu verdanken: Karl Freiherr von DraisBild: Technoseum, Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Die Jungfernfahrt startete im baden-württembergischen Mannheim und führte etwa 14 Kilometer nach Süden Richtung Schwetzingen. Die Presse in ganz Europa berichtete von dieser neuen Erfindung aus Deutschland. Am meisten wurde der finanzielle Aspekt gefeiert: Die Anschaffungskosten einer Draisine lagen bei 20 Pfund, die eines Pferdes bei 1900 Pfund. Unschlagbar war auch die Tatsache, dass dieses Gerät keine Folgekosten verursachte - schließlich musste es nicht fressen.

Begeisterung fürs Rad hielt sich vorerst in Grenzen

Zu Drais' Enttäuschung löste das neue Fortbewegungsmittel nicht überall Begeisterung aus. Denn wer wollte sich damals schon fortbewegen, wenn er es nicht musste? Die meisten einfachen Leute vom Land blieben ihr Leben lang dort, wo sie geboren waren und fanden die Idee, sich freiwillig von ihrem Zuhause wegzubewegen, ziemlich skurril. So war diese neuartige Laufmaschine eher ein Spielzeug für einige wenige betuchte Sportsleute.

Die Drais'sche Erfindung blieb aber auch von anderen Bastlern nicht unbemerkt. So hatte er seine Laufmaschine zwar patentieren lassen - das galt jedoch nur für sein kleines Herzogtum Baden. Jenseits der Landesgrenzen wurde sein Laufrad fröhlich kopiert und weiterentwickelt.

Ausstellung "2 Räder - 200 Jahre" im Technoseum Mannheim
Das Technoseum in Mannheim zeigt Drais' Konstruktionszeichnungen in der Ausstellung "2 Räder - 200 Jahre"Bild: Technoseum, Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Bis das Fahrrad in seiner heutigen Form entstand, sollte es noch viele Jahrzehnte dauern. Tüftler in Frankreich und England verbesserten das Zweirad-Konzept laufend, vom ersten pedalgetriebenen Velociped bis zum lebensgefährlichen Hochrad. Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich dann das klassische Fahrrad durch, mit Elementen, die wir bis heute an ihm kennen: mit zwei gleich großen luftgefüllten Gummireifen und einem Kettenantrieb.

Fahrrad wird zum praktischen Transportmittel

Technik aus dem Fahrradbau wurde übrigens auch im Automobilbau eingesetzt, wie etwa der Luftreifen. Viele Formen sind in den 200 Jahren entstanden - und vieles hat das Fahrrad durchmachen müssen, bis es zum praktischen Transportmittel für jedermann wurde: Es wurde belächelt, von biederen Frauenvereinen als unschicklich bezeichnet, später war es ein exklusives Spielzeug für Wohlhabende. Dann kamen auch noch das motorisierte Zweirad und das Auto als Konkurrenten dazu.

Heute ist das Fahrrad Gebrauchsgegenstand, Kultobjekt, Sport- und Spaßgerät und wird von Milliarden Menschen auf der ganzen Welt gefahren. Es ist der Inbegriff der nachhaltigen Mobilität geworden. Wer für die Fahrt zur Arbeit das Auto stehen lässt und aufs Rad steigt, tut nicht nur Gutes für die Umwelt, sondern auch gleich für sich selbst: Wer viel radelt, bleibt länger gesund.

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Silke Wünsch Redakteurin, Autorin und Reporterin bei Culture Online