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Prämien mit Fragezeichen

Brigitte Scholtes
9. August 2017

Bringt die "Umweltprämie" der Autohersteller die Umwelt wirklich voran? Experten haben da Zweifel. Ökonomisch könnte es für manche Verbraucher jedoch sinnvoll sein, die Prämie zum Umtausch alter Diesel zu nutzen.

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BMW - Produktion in Dingolfing
Bild: picture alliance/dpa/A. Weigel

Die Autohersteller wollen die Erneuerung der Fahrzeugflotte vorantreiben - einerseits ist das Marketing, andererseits auch der Versuch, ihren durch den Dieselskandal ramponierten Ruf wieder aufzubessern. Die Hersteller gehen dabei unterschiedlich vor: Volkswagen zahlt die Umtauschprämie nur, wenn ein altes Dieselfahrzeug mit der Abgasnorm Euro 4 oder älter verschrottet wird,  Daimler und BMW nehmen Euro-4-Autos aber auch noch in Zahlung. Die meisten Autos seien wohl von der Qualität her häufig 15 Jahre haltbar, sagt Jürgen Pieper, Analyst des Bankhauses Metzler. Doch nach zehn Jahren hätten viele von ihnen schon stark an Wert verloren und entsprächen auch nicht mehr unbedingt den modernen Abgasvorschriften.

Das gelte allerdings nicht für alle älteren Autos, warnt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Einige Euro-4-Fahrzeuge seien deutlich sauberer als manche Euro-5-Autos, zum Teil mache das 30 Prozent aus. Wenn diese also gut erhalten und mit einem Partikelfilter ausgerüstet seien, könnte man auf eine Nachrüstung mit einem Harnstofftank warten. Der würde dann die Abgaswerte auf Euro-6-Niveau heben. "Das könnte dann von der Energie- und Ressourcenbilanz sinnvoller sein als eine Verschrottung", sagt Resch. Die DUH treibt seit Beginn des Dieselskandals über eigene Abgasmessungen und Klagen die Autoindustrie vor sich her und hat erst vor wenigen Wochen ein Urteil vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart erstritten, nach denen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge möglich sind, um die Luft rein zu halten.

Symbolbild Dieselskandal
Aktion der Deutschen Umwelthilfe in StuttgartBild: picture-alliance/dpa/M. Murat

Wenig aber halten Experten davon, dass die Umtauschprämien der Hersteller keine Vorgaben machen, so dass man auch ein Auto mit höherem Schadstoffausstoß kaufen könnte. "Dann steigen die Emissionen womöglich sogar", kritisiert Lars Mönch, Fachgebietsleiter Fahrzeugtechnik beim Umweltbundesamt. Das sieht auch der ADAC so, der deshalb wie auch andere Fachleute nicht dazu rät, einen Euro-6-Diesel zu kaufen. "Solange die im Schnitt 50mal mehr Stickoxide ausstoßen als ein Benziner, solange kann man den Kauf eines Euro-6-Diesel nicht empfehlen", warnt Resch von der DUH.

Schadstoffarme Fahrzeuge würden jedoch grundsätzlich helfen, die Bilanz aufzubessern: So hat das Umweltbundesamt ausgerechnet, dass während eines Autolebens für Herstellung und Entsorgung zwischen 15 und 20 Prozent an CO2-Emissionen anfallen, die meisten davon bei der Herstellung. Der Rest des Kohlendioxids aber werde während des Betriebs ausgestoßen. 

Prämien als Mittel gegen Produktionsrückgang

Deutschland PK Deutsche Umwelthilfe Jürgen Resch
"Eine Verschrottung ist nicht immer sinnvoll", sagt Jürgen Resch von der Deutschen UmwelthilfeBild: Imago/J. Heinrich

Rein ökonomisch helfen die Hersteller sich mit den Prämien auch selbst: Die Zurückhaltung beim Kauf von Dieselfahrzeugen hat sich in den letzten Monaten deutlich gezeigt. Allerdings wichen noch viele auf Benziner aus, erklärt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die Prämie soll aber auch mithelfen, einen Produktionsrückgang zu vermeiden, glaubt Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, weil ansonsten wegen der hohen Fixkosten Verluste drohen könnten. Die Verbraucher jedoch müssen die ökologischen und ökonomischen Folgen für sich selbst abwägen. Wer einen alten Diesel fährt und ohnehin ein neues Auto kaufen wollte, der kann jetzt von den ohnehin üppigen Rabatten beim Autokauf profitieren und die Umtauschprämie darüber hinaus einstreichen.

Allerdings zweifelt Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland, ob diese Rabatte der Händler in der bisherigen Höhe bestehen bleiben. Da gelte es gut zu verhandeln. Wer sich gar für ein Elektrofahrzeug entscheidet, könnte sogar darüber hinaus noch die Prämie von bis zu 4000 Euro kassieren, die die Bundesregierung als Anreiz für den Kauf eines solchen Autos bietet.