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KonflikteUkraine

Verhandlungen in Abu Dhabi: Kontakt ja, Vereinbarungen nein

25. Januar 2026

Die Ukraine reagiert zurückhaltend auf die trilateralen Gespräche in Abu Dhabi unter Beteiligung Russlands und den USA. Das Ergebnis des Treffens ist der direkte Kontakt zwischen den Seiten. Wird er zum Erfolg führen?

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Die Teilnehmer der trilateralen Gespräche zwischen USA, Russland und Ukraine in Abu Dhabi am 24. Januar sitzen an einem langen rechteckigen Tisch
Trilaterale Gespräche zwischen USA, Russland und Ukraine in Abu Dhabi am 24. JanuarBild: SNA/IMAGO

In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind die von den USA vermittelten Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland in einem trilateralen Format zu Ende gegangen. Die Delegationen sind abgereist, um die in Abu Dhabi erarbeiteten Positionen abzustimmen. Möglicherweise kehren die Delegationen nächste Woche an den Verhandlungstisch zurück. Das teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Anschluss an das Treffen mit, das am Freitag und Samstag (23. und 24. Januar) stattfand.

"Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass es so ein Format gibt - zweitägige trilaterale Gespräche. Wir haben es geschafft, viel zu besprechen, und es ist wichtig, dass die Gespräche konstruktiv waren", schrieb Selenskyj in den sozialen Netzwerken. Ihm zufolge lag der Schwerpunkt der Gespräche auf "den möglichen Parametern für eine Beendigung des Krieges".

"Ich schätze es sehr, dass man sich der Notwendigkeit einer amerikanischen Überwachung und Kontrolle einer Beendigung des Krieges und der Einhaltung einer realen Sicherheit bewusst ist. Die amerikanische Seite hat die Frage nach möglichen Formaten für die Festlegung der Parameter für eine Beendigung des Krieges und die dafür erforderlichen Sicherheitsbedingungen aufgeworfen", erklärte Selenskyj.

Treffen vor dem Hintergrund russischer Angriffe

Während der Verhandlungen, in der Nacht des 24. Januar, gab es jedoch weitere massive russische Raketen- und Drohnenangriffe auf die Ukraine. Moskau griff erneut die Energieinfrastruktur in Kyjiw, Charkiw und Tschernihiw an, was zu Stromausfällen führte.

Ukraine Kyjiw 2026 | Feuer und Rauch in der nächtlichen Stadt nach russischem Raketen- und Drohnenangriff (24.01.2026)
Auch während der Verhandlungen griff Russland weiter die ukrainische Hauptstadt und weitere Regionen anBild: Vladyslav Sodel/REUTERS

"Putin hat zynischerweise genau in dem Moment den Befehl zu einem brutalen massiven Raketenangriff auf die Ukraine gegeben, als sich die Delegationen in Abu Dhabi versammelten, um den Friedensprozess unter der Schirmherrschaft der USA voranzutreiben. Seine Raketen trafen nicht nur unsere Bürger, sondern auch den Verhandlungstisch", schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha nach dem nächtlichen Angriff im sozialen Netzwerk X über den russischen Staatschef Wladimir Putin.

Auch andere ukrainische Politiker reagierten auf den russischen Beschuss während der Verhandlungen in Abu Dhabi. Die Co-Vorsitzende der oppositionellen Parlamentsfraktion "Europäische Solidarität", Iryna Heraschtschenko, erklärte, Russland begehe Völkermord an der ukrainischen Zivilbevölkerung und müsse bestraft werden. "Heute wurde die ganze Welt erneut Zeuge von Putins 'Friedensplan'. Moskau ist nicht zu Frieden bereit. Wir rufen dazu auf, die Sanktionen gegen den Aggressorstaat zu verschärfen und sprechen darüber mit unseren internationalen Partnern", schrieb sie auf Telegram.

Ukraine: "Tun alles, damit die Menschen wieder Wärme haben"

Oleksij Kopytko, Militärexperte und einstiger Berater im Verteidigungsministerium, findet, dass Russland angesichts des wichtigen Treffens in Abu Dhabi unverhohlen "Verhandlungen" per Terror gegen die Zivilbevölkerung führt und dass nur Putin persönlich dies anordnen konnte. "Das ist seine Art, das Argument zu untermauern, dass es ohne die Lösung der 'territorialen Frage' nach der 'Anchorage-Formel' nicht einmal zu einem Waffenstillstand kommen wird", schrieb Kopytko auf Facebook und fügte hinzu, dass Wladimir Putin bewusst Verantwortung auf US-Präsident Donald Trump schieben und ihn zu einem Mitverursacher der humanitären Katastrophe in der Ukraine machen wolle.

Trump und Putin hatten sich im August 2025 auf einer Militärbasis in Anchorage, Alaska, getroffen. Moskau verlangt, dass für eine langfristige Friedenslösung die Gebietsfrage nach einer dort vereinbarten Formel entschieden werde müsse, wonach sich die Ukraine aus dem Donbass komplett zurückziehen solle.

"Kein diplomatisches Theater wie zuvor"

Hanna Schelest vom Thinktank "Ukrainian Prism", findet, dass das Treffen zwischen der Ukraine, den USA und Russland in Abu Dhabi keine konkreten Beschlüsse gebracht, aber durchaus gezeigt hat, dass die Verhandlungen eine neue Dynamik haben.

Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed al-Nahyan (m.), im Gespräch mit den Delegationsleitern der trilateralen Gespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine, die im Halbkreis nebeneinander sitzen. Im Hintergrund die Flaggen der beteiligten Nationen und der Gastgeber
Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed bin Zayed al-Nahyan (Mitte), im Gespräch mit den Delegationsleitern der trilateralen Gespräche zwischen den USA, Russland und der UkraineBild: UAE PRESIDENTIAL COURT/AFP

Das Besondere ist ihr zufolge die schnelle Organisation des Treffens und das trilaterale Format. "Man hat sich in Davos geeinigt und das Treffen in Abu Dhabi hat praktisch sofort stattgefunden. Das ist das erste Mal, dass die Gespräche in einem trilateralen Format geführt wurden", sagt sie der DW und betont, dass aufgrund der direkten Präsenz der amerikanischen und russischen Delegationen im Verhandlungsprozess die USA die Position der Russischen Föderation sowie deren Bereitschaft oder Unwillen zu Kompromissen direkt beurteilen können.

Die Expertin weist zudem darauf hin, dass die russische Delegation ihre Haltung verändert hat. Ihrer Meinung nach hat Moskau diesmal auf demonstrative oder provokative Aktionen verzichtet, die für frühere Verhandlungsrunden charakteristisch waren. "Das bedeutet noch nicht, dass Russland zu Vereinbarungen bereit ist, aber es ist auch nicht mehr das offenkundige diplomatische Theater, das wir zuvor gesehen haben", sagt sie.

Als wichtiges Signal bezeichnet Schelest die Absicht der Parteien, den Kontakt in naher Zukunft fortzuführen. Ihrer Meinung nach ist dies vor allem für die Ukraine von Bedeutung, weil dies ermöglicht, eine aktive Rolle der USA im Verhandlungsprozess aufrechtzuerhalten.

"Nur eine Imitation von Verhandlungen"

Wolodymyr Horbatsch vom Ukrainian Institute for Northern Eurasia Transformation (INET) ist der Ansicht, dass der jetzige Kontakt zwischen den Parteien für den Verhandlungsprozess wichtig, aber in militärischer Hinsicht noch von größerer Bedeutung ist. Die überwiegende Präsenz von Militärs in den jeweiligen Delegationen ermögliche die Erörterung ausschließlich technischer Aspekte wie Mechanismen zur Verifizierung, zum Truppenabzug oder zur Kontrolle der Einhaltung eines Waffenstillstands.

Allerdings, so der Experte, würden diese Fragen einen Zustand betreffen, der noch nicht eingetreten sei. "Es sind Gespräche darüber, was nach Kriegsende zu tun ist und wie die Einhaltung eines Waffenstillstands technisch sichergestellt werden kann. Aber es gibt noch keinen Waffenstillstand. Was wir derzeit sehen, ist nur eine Imitation von Verhandlungen mit dem einzigen Ziel, Trump nicht zu verärgern und nicht beschuldigt zu werden, keinen Frieden zu wollen", sagt Horbatsch der DW.

Den sogenannten "Trump-Plan", der derzeit unter Beteiligung der USA und Russlands diskutiert wird, hält er für nicht umsetzbar. "Dieser Vorschlag ist für beide Seiten nicht akzeptabel, er ist unangemessen, in der Praxis nicht umsetzbar und auf Dauer nicht einzuhalten", betont Horbatsch. Seiner Meinung nach können die Parteien im Rahmen solcher Verhandlungen nur mit rein technischen Lösungen rechnen, wie mit Vereinbarungen über Pausen bei Angriffen auf den Energiesektor oder zum Austausch von Gefangenen. Doch selbst solche Ergebnisse konnten nicht erzielt werden.

Adaption aus dem Ukrainischen: Markian Ostaptschuk

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