Bondi-Beach-Attentäter: Anklage wegen 15-fachen Mordes
17. Dezember 2025
Drei Tage sind seit dem tödlichen Anschlag auf eine jüdische Feier am Bondi Beach in Sydney vergangen. Noch immer liegen 20 Verletzte im Krankenhaus. Fünf Patienten befinden sich nach Angaben von Australiens Gesundheitsbehörden in kritischem Zustand.
Auch der überlebende mutmaßliche Attentäter liegt streng bewacht in einem Krankenhaus. Am Dienstag erwachte er aus dem Koma. Er soll am kommenden Montag per Videoschalte vor einem Gericht erscheinen. Vorwurf: 15-facher Mord, Terrorismus, Sprengstoffeinsatz. Insgesamt werden dem überlebenden Sydney-Attentäter 59 Tatbestände zur Last gelegt.
Verdächtiger verweigert Aussage
Die Ermittler haben keinen Zweifel daran, dass der 24-jährige Australier am Sonntag gemeinsam mit seinem aus Indien stammenden Vater die Feiern zum Chanukka-Fest auf Sydneys berühmtesten Strand in ein Blutbad verwandelte. Viele Passanten haben die Taten mit dem Handy gefilmt. Auf der Windschutzscheibe des Autos der Attentäter war eine Fahne der Terrororganisation "Islamischer Staat" ausgebreitet. Laut der Zeitung "The Sydney Morning Herald" verweigert der 24-Jährige bislang die Aussage.
Der junge Mann habe getötet und Leben gefährdet, um eine religiöse Sache voranzutreiben und Angst in der Bevölkerung zu verbreiten, heißt es in einer Erklärung der Polizei. "Erste Hinweise deuten auf einen Terroranschlag hin, der vom IS inspiriert wurde, einer in Australien gelisteten Terrororganisation." Australiens Premierminister Anthony Albanese sagte, die Täter seien offenbar von der Ideologie des "Islamischen Staates" angetrieben worden.
Der 24-Jährige wurde bei dem Polizeieinsatz nach dem Schusswaffenangriff am Bondi Beach schwer verletzt. Er hatte den Angriff den Ermittlungen zufolge zusammen mit seinem 50-jährigen Vater verübt, der von der Polizei am Tatort erschossen wurde. Nach Angaben der australischen Behörden handelte es sich um einen antisemitischen Angriff.
Attentäter besuchten philippinische Unruheregion Mindanao
Kurz vor dem Anschlag hielten sich Vater und Sohn den philippinischen Behörden zufolge auf den Philippinen auf. Sie seien am 1. November dort eingereist, um die von islamistischen Unruhen geprägte Region Mindanao zu besuchen. Beide hätten die Provinz Davao als Zielort angegeben und das Land am 28. November wieder verlassen.
Laut der philippinischen Regierung gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass die mutmaßlichen Attentäter in den Philippinen ein terroristisches Training unterlaufen hätten. Präsident Ferdinand Marcos weise "die pauschale Aussage und die irreführende Darstellung der Philippinen als Trainingshochburg des IS entschieden zurück", sagte Regierungssprecherin Claire Castro am Mittwoch. "Es wurden keine Beweise vorgelegt, die die Behauptung stützen, dass das Land für Terroristenausbildungen genutzt wurde." Australischen Medien zufolge untersuchen die Behörden derzeit, ob die Verdächtigen in den Philippinen Islamisten trafen.
In der philippinischen Region Mindanao kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu islamistischen Anschlägen auf Busse, katholische Kirchen und öffentliche Märkte. Von der Regierung unterstützte Sicherheitskräfte kämpfen dort seit langem gegen die mit dem IS in Verbindung stehenden Islamistengruppen Maute und Abu Sayyaf.
Trauer um die Toten von Sydney
Unter den 15 Ermordeten des Anschlags vom Bondi Beach befinden sich auch ein Holocaust-Überlebender und eine Zehnjährige. Eines der Todesopfer, ein 41-jähriger Rabbiner, wurde bereits beerdigt. Die Trauerfeier wurde im jüdischen Gemeindezentrum Chabad of Bondi abgehalten - nur rund einen Kilometer vom populären Bondi Beach entfernt.
Am Mittwochmorgen gedachten dort zahlreiche Schwimmer der Toten mit einer Schweigeminute. Eine geplante Silvesterfeier wurde von den Veranstaltern abgesagt.
AR/se (afp, dpa, rtr)
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