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China bei Investoren beliebter als die USA

Nicolas Martin mit Agenturen
25. Januar 2021

Die Investitionen im Ausland sind im Corona-Jahr 2020 massiv gefallen. Nur China konnte etwas mehr Geld anlocken. Damit liegt die Volksrepublik bei den Direktinvestitionen erstmals vor den USA.

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China Shanghai Skyline Jin Mao Tower
Bild: Imago/Arnulf Hettrich

Bei den ausländischen Direktinvestitionen befinden wir uns wieder auf dem Stand der 90er-Jahre.So hat es die UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf berechnet. Insgesamt haben Privatpersonen, Staaten und Unternehmen im abgelaufenen Jahr 859 Milliarden in anderen Ländern investiert. Das sind mehr als 40 Prozent weniger als in 2019. Die Coronakrise schlägt also hier voll durch. Die Direktinvestitionen liegen nach vorläufigen Schätzungen in 2020 demnach auch deutlich unterhalb des Niveaus nach der globalen Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009.

Die großen Verlierer sind unter den Industrieländern zu finden. Neben Nordamerika zog auch Europa deutlich weniger Investitionen an. Nach Deutschland floss im abgelaufenen Corona-Jahr mehr als 60 Prozent weniger Geld. Italien und in das Vereinigten Königreich erreichte keinerlei ausländische Direktinvestitionen. In Schweden hingegen wurde doppelt so viel investiert wie noch in 2019. So auch in Spanien.

China neuer Spitzenreiter

In die USA floss knapp die Hälfte weniger. So kommt es auch, dass China rückblickend in 2020 am beliebtesten bei Direktinvestitionen war. Denn die Volksrepublik konnte trotz der Pandemie die Investitionen in ihr Land um vier Prozent steigern. Unter dem Strich war China damit mit 163 Milliarden Dollar Direktinvestitionen neuer Spitzenreiter. Damit löst die Volksrepublik die USA ab. Diese standen Jahrzehnte auf Platz eins der Statistik. Experten deuten diese Entwicklung als Chinas weiteren Anstieg zur ökonomischen Weltmacht. So konnte die Volksrepublik im abgelaufenen Jahr ein Wirtschaftswachstum von zwei Prozent vorweisen.

Infografik Veränderung von Direktinvestitionen 2019/2020 DE

Mit 163 Milliarden Direktinvestitionen ist China aber noch weit vom Volumen der USA zu Spitzenzeiten entfernt. Das erreicht seinen Höhepunkt mit 472 Milliarden Dollar im Jahr 2016. Seitdem sind die Direktinvestitionen in den USA immer deutlicher zurückgegangen, während sie in China immer weiter stiegen. Der ehemalige US-Präsident Donald Trumphatte eigentlich US-Unternehmen dazu aufgerufen, ihre Produktion von China in die USA zurückzuverlagern. Gleichzeitig hatte er auch chinesische Unternehmen vor Investitionen in den USA gewarnt.

Keine rosigen Aussichten für 2021 

Unter den weniger entwickelten Regionen hat vor allem Lateinamerika weniger Kapital angezogen. Insgesamt wurde dort 37 Prozent weniger Geld investiert, während die Direktinvestitionen beispielsweise in Afrika um 18 Prozent einbrachen. Dennoch beim Thema Direktinvestitionen hat die Corona-Krise vor allem die Industrieländer getroffen. Dort wurde knapp 70 Prozent weniger investiert, während in den Entwicklungs- und Schwellenländern die Zahl nur um 12 Prozent zurückging. Dennoch warnt die UN-Handelsorganisation auch: Durch die Konjunkturpakte in den Industrieländern, könnte schon schnell wieder mehr ausländisches Kapital angezogen werden. Die Erholung könnte bei Entwicklungs- und Schwellenländern schwieriger sein.

Infografik Direktinvestitionen im Vergleich 2019/2020 DE

Insgesamt ist die UNCTAD für das laufende Jahr eher pessimistisch. So geht der Finanzdirektor der UN-Organisation, James Zhan, davon aus, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie nachwirken werden. ″Investoren werden weiter vorsichtig damit sein, neues Kapital in produktives Vermögen im Ausland zu stecken.″ Auf eine Zahl will man sich nicht festlegen. Bei den Investitionen von Unternehmen in ihre Tochterfirmen im Ausland geht UNCTAD von 35 Prozent weniger aus. Mehr Investitionen erwartet die Organisation hingegen vor allem durch Übernahmen und Fusionen - besonders im Bereich von Technologie und Gesundheit. Beide Branchen haben besonders von der Corona-Pandemie profitiert.