Bestattungen im Wandel: Was nach dem Tod bleibt
Die in Deutschland einst strengen Regeln zu Bestattungen werden derzeit stark aufgelockert. Macht das den klassischen Friedhof zum Relikt der Vergangenheit?

Friedhofspflicht und Reformation
Bis vor wenigen Jahren galt in Deutschland eine besonders strenge Friedhofspflicht. Dadurch gab es keinen Freiraum für modernere Formen des Abschieds. Niemand durfte etwa die Asche einer verstorbenen Person privat aufbewahren. In einigen Bundesländern soll sich das jetzt ändern.
Neue Möglichkeiten
Unter bestimmten Voraussetzungen darf in Rheinland-Pfalz eine Urne nun mit nach Hause genommen werden. Die Asche dürfte auch an einem persönlichen Ort, etwa unter einem Apfelbaum, verstreut werden. Was für viele eine positive Veränderung ist, wird auch als mögliche Verletzung der Menschenwürde kritisiert.
Im Wandel
"So könnte es gehen", sagt Bestatterin Ulrike Grandjean, während sie eine Urne beim Probelauf in die Mosel ablässt. Als erstes deutsches Bundesland lässt Rheinland-Pfalz auch Flussbestattungen gesetzlich zu. Solche Gesetzesänderungen könnten die deutsche Bestattungskultur grundlegend verändern.
Diamant statt Grab
Vielfältige Formen: Eine weitere Alternative zur klassischen Bestattung ist die Verarbeitung der menschlichen Asche zu einem Diamanten. Mit dem Schmuckstück trägt man die verstorbene Person sozusagen immer bei sich. Und nebenbei spart man sich auch die aufwändige Grabpflege.
Verbunden mit dem Haustier
Hier ruhen geliebte Hauskatzen auf einem speziellen Tierfriedhof. In Bremen werden nun auch "Mensch-Tier-Bestattungen" zugelassen. Besitzer können sich zusammen mit der Urne ihres Haustieres bestatten lassen und bleiben so auch nach dem Tod mit ihren Lieblingen verbunden.
Kritik und Vorbehalte
Solche Veränderungen stoßen vor allem bei den Kirchen auf Bedenken. Zwar könnten Friedhöfe durch geringere Nutzung und mangelnde Finanzierung allmählich auch verwahrlosen. Doch die "Privatisierung von Trauer" wird kritisch gesehen.
Zwischen Tradition und Veränderung
Der Trend aber ist klar: Alternative Bestattungsformen werden immer beliebter. Und bei aller Kritik sieht der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch darin eine Möglichkeit, die Friedhofskultur zu erhalten und gleichzeitig "neue Räume für eine individuelle Form der Bestattung" zu schaffen.