Bulgarien: Der (nicht unumstrittene) Euro ist da!
Veröffentlicht 23. Dezember 2025Zuletzt aktualisiert 1. Januar 2026
Bulgariens Beitritt zum Währungsclub am 1. Januar 2026 ist ein wichtiger Meilenstein für das südosteuropäische Land, das 2007 in die Europäische Union aufgenommen wurde. Mit Bulgariens Euro-Einführung sind nur noch sechs der 27 EU-Staaten nicht Teil der Währungsunion: Schweden, Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Dänemark.
Der Euro sei "nicht nur eine Währung, sondern eine strategische Entscheidung." Sie stärke Bulgariens Position in Europa, sagte der bulgarische Ministerpräsident Rosen Scheljaskow im November auf einer hochrangigen Konferenz in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Bei derselben Veranstaltung erklärte Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, die Euro-Einführung "stärkt Bulgariens wirtschaftliche Grundlagen, erhöht seine Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Schocks und verleiht seiner Stimme in der Eurozone mehr Gewicht".
"Befürworter eines Beitritts Bulgariens zur Eurozone betonen, dass das Land durch den Beitritt zum 'Club der Reichen' profitieren und bedeutende Fortschritte erzielen werde", erklärte Rossitsa Rangelova, Professorin am Wirtschaftsforschungsinstitut der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften (BAS), gegenüber der DW. "Es wird so dargestellt, als würde Bulgarien seinen Lebensstandard und seinen Wohlstand automatisch steigern. Doch es ist nicht nachvollziehbar, wie dies angesichts der notwendigen und verschobenen Reformen geschehen soll, ohne die unser Land kein gleichberechtigtes Mitglied sein wird", fügte sie hinzu.
Wie geht es Bulgariens Wirtschaft?
Die bisherige bulgarische Landeswährung, der Lew, war seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 an diesen gekoppelt. Sofia leitete 2018 offiziell den Beitrittsprozess zur Währungsunion ein, und der Lew wurde im Juli 2020 in den Europäischen Wechselkursmechanismus aufgenommen. Die Europäische Kommission und die Finanzminister der Eurozone gaben Anfang 2025 grünes Licht für Bulgariens Beitrittsantrag zur Eurozone.
Der Beitritt zur Eurozone belegt die positive Entwicklung der bulgarischen Wirtschaft im letzten Jahrzehnt. Die makroökonomischen Indikatoren sind stabil; die Inflation liegt aktuell bei rund 2,8 Prozent, verglichen mit etwa 13 Prozent im Jahr 2022. Das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung sind mit rund drei Prozent beziehungsweise 24 Prozent niedrig. Sie entsprechen damit den EU-Vorschriften, die die Mitgliedstaaten verpflichten, ihre Defizite auf maximal drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und ihre Gesamtverschuldung auf maximal 60 Prozent des BIP zu begrenzen.
Auch die Wachstumsaussichten sind positiv. Die EU schätzt, dass das reale BIP des Landes 2025 um rund drei Prozent, 2026 um 2,7 Prozent und 2027 um 2,1 Prozent wachsen wird.
Noch viel aufzuholen
"Die bulgarische Wirtschaftslage war in den letzten Jahrzehnten stabil, auch wenn das Wirtschaftswachstum und die Aufholprozesse nicht optimal verlaufen sind", sagte Guntram Wolff, Experte für die Fiskalpolitik der Eurozone beim europäischen Wirtschaftsforschungsinstitut Bruegel, gegenüber der DW.
Norbert Beckmann, Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Bulgarien, teilt diese Ansicht. Bulgarien habe alle Konvergenzkriterien für einen Beitritt zur Eurozone erfüllt, sagte er zur DW und verwies insbesondere auf die niedrige Verschuldungsquote des Landes in Europa. "Allerdings hat die bulgarische Wirtschaft in Bezug auf Struktur und Leistungsfähigkeit noch viel aufzuholen."
Experten warnen die bulgarische Regierung jedoch davor, nach der Euro-Einführung nun die Zügel zu lockern und zu viel auszugeben. "Das Hauptrisiko besteht darin, dass die Haushaltsdisziplin nach dem Euro-Beitritt als weniger verbindlich angesehen werden könnte und die Defizite steigen könnten", sagte Wolff. "Angesichts der niedrigen Verschuldung halte ich dieses Risiko jedoch für gering."
Auch Beckmann betonte die Notwendigkeit, Marktverzerrungen zu vermeiden: "Es ist wichtig, dass die Einkommen stets die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft widerspiegeln und die Menschen nicht über ihre Verhältnisse leben. Wenn sich die Einkommen entkoppeln und durch Kreditaufnahme künstlich aufgebläht werden, kann dies zu Verzerrungen führen, wie wir in Griechenland gesehen haben."
Politische Unruhen bergen Risiken
Gleichzeitig ist die politische Instabilität eine große Herausforderung. Die Wut und Frustration der Bevölkerung wegen wirtschaftlichen Missmanagements und grassierender Korruption sind groß.
Bulgarien - eines der ärmsten Länder der EU - zählt laut dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International zu den korruptesten Ländern des Staatenbundes. Das Balkanland mit 6,4 Millionen Einwohnern hat seit 2021 bereits sieben Parlamentswahlen abgehalten - und könnte in den kommenden Monaten weitere erleben.
Die Regierung von Ministerpräsident Rosen Scheljaskow trat am 11. Dezember inmitten von Massenprotesten gegen Korruption und die Haushaltspläne der Regierung zurück, die unter anderem höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge vorsahen. Obwohl der Haushalt zurückgezogen wurde, ist die Wut der Bevölkerung nicht verraucht.
Gespaltene öffentliche Meinung
Umfragen zeigten, dass die Bulgaren in der Frage der Euro-Einführung gespalten sind. Befürworter der Gemeinschaftswährung argumentieren unter anderem mit steigenden ausländischen Investitionen, dem Wegfall von Devisenkosten und einer stärkeren Integration in den EU-Binnenmarkt.
Skeptiker hingegen befürchten einen Inflationsanstieg, da die Preise für Waren und Dienstleistungen nach der Währungsumstellung vom Lew auf den Euro umgerechnet werden. Manche sorgen sich auch um den Verlust der Kontrolle über die Geldpolitik an die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main.
"Der Beitrittsprozess zur Eurozone wird der bulgarischen Wirtschaft nicht zugutekommen. Bulgarien würde zu einem Randstaat der Eurozone werden, weniger flexibel und nicht in der Lage, Krisen selbstständig abzufedern oder zu bewältigen", sagte Rangelova.
Sie kritisierte die bulgarischen Behörden zudem dafür, kein Referendum über den Euro-Beitritt abgehalten zu haben. "Bei solch grundlegenden Projekten berücksichtigt die Regierung jedes demokratischen Landes die Meinung der Öffentlichkeit", sagte Rangelova und merkte an, dass "die bulgarischen Behörden Referenden über die Jahre hinweg kategorisch als Ausdruck der öffentlichen Meinung abgelehnt haben und immer noch Wege finden, sie zu ignorieren."
Störfeuer aus Moskau
Während es berechtigte Bedenken gebe, sagte Wolff, hätten auch Desinformationskampagnen und Verschwörungstheorien die Euro-Skepsis im Vorfeld des Beitritts verschärft. "Bulgarien wird regelmäßig von russischen Desinformationskampagnen angegriffen, und Russland versucht ganz klar, das Land zum Wiedereintritt in seinen Einflussbereich zu bewegen", bemerkte er.
Trotz der häufigen Regierungswechsel der letzten Jahre, so Beckmann, "hatten die Parteien und Politiker in Bulgarien, die den Euro einführen und die Integration des Landes in den Westen vorantreiben wollen, stets die Mehrheit im Parlament." Er betonte, dass euroskeptische Positionen "in Bulgarien immer in der Minderheit waren. Ich glaube nicht, dass sich das in Zukunft ändern wird."
Rangelova hingegen erklärte, ein Beitritt zur Eurozone um jeden Preis sei kein Weg zu Wohlstand. Bulgarien hätte sich stattdessen "auf die Stabilisierung der politischen Lage, eine vernünftige makroökonomische Politik, gestützt auf starke inländische Institutionen, und gute Regierungsführung" konzentrieren sollen.