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Wadephul in den USA: Viel Aufwand, wenig Ertrag?

13. Januar 2026

Bundesaußenminister Johann Wadephul versucht in den USA, die Regierung von US-Präsident Donald Trump von ihren Grönland-Plänen abzubringen.

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Das Bild zeigt Bundesaußenminister Johann Wadephul im Flugzeug auf dem Weg in die USA, er steht im Mittelgang und spricht mit Journalisten, die nur unscharf von hinten zu sehen sind
Immer lächeln, auch in angespannten Zeiten: Bundesaußenminister Johann Wadephul spricht auf dem Flug von Island in die USA mit Journalistinnen und JournalistenBild: Michael Kappeler/dpa/picture alliance

Es ist eine diplomatische Reise, bei der Aufwand und Ertrag etwas auseinander liegen dürften: Am Montag ist  Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) in Washington eingetroffen, nach einem langen Flug von Berlin mit Zwischenstopp auf Island. Es folgte ein Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio, dann eine dreistündige Zugfahrt von Washington nach New York, um den Vereinten Nationen in diesen für sie schwierigen Zeiten die deutsche Unterstützung zu signalisieren. 

Später fuhr der deutsche Außenminister zurück in die US-Hauptstadt, um amerikanische Kongressmitglieder zu treffen. Viel Warterei auf Gesprächstermine, viele Absagen. Wenn deutsche Politiker in diesen Zeiten das transatlantische Verhältnis am Leben halten wollen, brauchen sie viel Geduld.

Ein schwieriges Gespräch mit Marco Rubio

Auch Nervenstärke brauchen Europäer wie Wadephul, vor allem beim Thema Grönland. Am vergangenen Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump seinen Anspruch auf die zu Dänemark gehörende weltweit größte Insel erneuert: "Wir bekommen Grönland , auf die eine oder die andere Weise", hatte Trump an Bord seiner "Air Force One" gesagt.

Ein Eingreifen der USA auf Grönland wäre eine Attacke eines NATO-Partners auf einen anderen. Das muss auf jeden Fall verhindert werden, so sieht es Dänemark, so sehen es auch die Deutschen. Deshalb war die Krise um Grönland das wichtigste Thema des Treffens Wadephuls mit US-Außenminister Marco Rubio .

Das Bild zeigt Außenminister Johann Wadephul mit US-Außenminister Marco Rubio, sie stehen vor zwei US-Flaggen und zwei deutschen Flaggen, sie blicken sich an und schütteln die Hände
Freundliches Händeschütteln, aber viele Differenzen, vor allem um Grönland: der deutsche Außenminister Johann Wadephul mit US-Außenminister Marco Rubio in WashingtonBild: Michael Kappeler/dpa/picture alliance

Pressekonferenz ohne den US-Außenminister 

Nach dem Gespräch sagte Wadephul: "Dass unsere Interessen im arktischen Raum bewahrt werden, das ist von entscheidender Bedeutung, das ist eine Aufgabe der NATO, die wir im Bündnis gemeinsam wahrnehmen." Die Sicherheit im arktischen Raum könne aber nur gestärkt werden, wenn alle solidarisch zusammenarbeiten würden, so der CDU-Politiker weiter.

DW-Chef-Korrespondentin Nina Haase begleitet den obersten deutschen Diplomaten in den USA. Sie schildert, wie bezeichnend allein die Umstände um das Treffen mit Rubio waren: "Die Deutschen wollen etwas von den Amerikanern. Eventuell mehr als die Amerikaner von den Deutschen wollen? Nach dem Treffen mit Rubio geht Wadephul allein vor die Presse, beschreibt eine Viertelstunde lang ausgiebig die gemeinsamen Interessen und Verbindungen zwischen den transatlantischen Partnern. Zwei Stunden später verschickt der stellvertretende Sprecher des amerikanischen State Departments 14 Zeilen." Ausgewogen kann man das nicht nennen.

Deutschland will die UN stärken, die USA nicht

Danach ist lange unklar, wie es für Wadephul auf seiner Reise weitergeht. Die Mitarbeitenden des Auswärtigen Amtes müssen ebenso abwarten wie die mitreisenden Journalistinnen und Journalisten. Schließlich nimmt Wadephul den Zug nach New York, er fährt rund 330 Kilometer Richtung Norden, und spricht dort mit UN-Generalsekretär António Guterres: "Die deutsche personelle Vertretung in den Vereinten Nationen ist nicht ausreichend", sagt er danach.

Soll wohl heißen: Deutschland will die Vereinten Nationen stärken, Deutschland will mehr Einfluss, etwa mit noch mehr UN-Institutionen in Bonn. Die USA dagegen setzen offenbar gar nicht mehr auf die internationale Zusammenarbeit und die UN. 

Donald Trump hat angekündigt, sich aus 66 internationalen Verträgen und Organisationen zurückziehen zu wollen, etwa aus dem Klimaabkommen und den damit verbundenen Institutionen. Auch hier liegen Deutschland und die USA weit auseinander.

Das Bild zeigt Außenminister Johann Wadephul mit UN-Generalsekretär António Guterres in New York, sie stehen vor zwei blauen UN-Fahnen, blicken lächelnd in die Kamera und schütteln sich die Hände
Die UN können derzeit jeden Zuspruch gebrauchen: der deutsche Außenminister Johann Wadephul (li.) in New York mit UN-Generalsekretär António GuterresBild: Dominik Butzmann/photothek.de/AA/picture alliance

Viel Stress für die planungsliebenden Deutschen

Schnell kehrt Wadephul wieder nach Washington zurück, um weitere Gesprächspartner aus dem Kongress zu suchen und zu treffen. Seine Strategie: im Kontakt bleiben, sich nicht einigeln, auch wenn die USA derzeit ein schwieriger Gesprächspartner sind.

Nina Haase sagt: "Normalerweise gelten strenge Ablauf- und Protokollregeln auf solchen Reisen. Termine sind durchchoreografiert, ablesbar in vorab gedruckten Reiseplänen, die minutiös An- und Abfahrten auflisten, von denen man im Allgemeinen nur in höchst dynamischen Lagen (- die Eskalation in Nahost war zuletzt ein solches Beispiel -) abweicht." Das sei jetzt alles anders, so Haase. Immer flexibel zu bleiben, sei die Losung der Stunde. Dazu gehöre, jede Gesprächsmöglichkeit wahrzunehmen.

Treffen zu Grönland am Mittwoch in Washington

Immerhin: Im Streit um US-Ansprüche auf Grönland trifft sich der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen am Mittwoch dieser Woche in Washington mit US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio.

An dem Treffen soll auch die für Außenpolitik zuständige grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt teilnehmen, wie die dänische Nachrichtenagentur Ritzau unter Berufung auf Rasmussen meldete.