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Politik

Corona-Inzidenz in Deutschland erstmals über 1500

13. März 2022

Die deutsche Sieben-Tage-Inzidenz liegt damit so hoch wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Die Bundesregierung will dessen ungeachtet die meisten Corona-Schutzauflagen am nächsten Wochenende auslaufen lassen.

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Deutschland Corona an Schulen und Kindergärten
Erstklässler mit Mund-Nasen-Schutzmaske gegen Corona, ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören sollBild: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/picture alliance

Die Corona-Inzidenzwerte steigen seit Tagen deutlich an. Die oberste deutsche Seuchenschutzbehörde, das Robert Koch-Institut (RKI), gab die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntag mit 1526,8 an - nach 1496,0 am Samstag.

Angesichts der im europäischen Vergleich aktuell besonders starken Ausbreitung von Corona in Deutschland mahnt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ungeimpfte Menschen erneut eindringlich zur Impfung. "Tendenz steigt, viele Tote", twitterte der Minister.

Deutschland | Coronavirus | Bundespressekonferenz Karl Lauterbach
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnt seit Tagen vor weiter steigenden Todeszahlen durch CoronaBild: Thomas Trutschel/photothek/picture alliance

Die starke Ausbreitung liege an der Tatsache, dass rund 25 Prozent der Bevölkerung nicht gegen COVID-19 geimpft sei, betonte Lauterbach. Ungeimpfte seien dem Virus jetzt schutzlos ausgeliefert. Zudem seien Geimpfte jetzt oft unvorsichtig, weil sie wüssten, dass sie sich infizieren könnten, aber meist nicht schwer erkrankten. Freiheiten wie wieder in England, Spanien oder Italien seien daher in Deutschland nicht möglich.

Die anschwellende Corona-Welle mit der Omikron-Variante des Virus wird nach Einschätzung der Bundesregierung größtenteils durch die noch ansteckendere Omikron-Variante BA.2 getrieben.

Zweifel an Lockerungen wachsen

Zum 20. März sollen die meisten bundesweiten Corona-Auflagen wegfallen. Die bundesweite Rechtsbasis für solche Maßnahmen läuft am 19. März aus. Danach sollen nur noch sogenannte Basisschutzmaßnahmen gelten, wie eine Maskenpflicht im Flug- und Fernverkehr sowie Masken- und Testvorschriften für Altenheime, Krankenhäuser und andere Einrichtungen, in denen besonders verletzliche Personen wohnen oder versorgt werden.

Schärfere Regeln können für Corona-Hotspots - also Regionen mit besonders vielen Infektionen - verhängt werden. Dafür ist dann ein Beschluss des jeweiligen Landesparlaments nötig. Neben anderen Schutzmaßnahmen laufen auch die 3-G-Regel (geimpft, genesen oder negativ getestet) am Arbeitsplatz und die Homeoffice-Pflicht für Beschäftigte aus. Die Unternehmen können das Modell jedoch weiter anbieten.

Graffiti in einer Offenbacher Unterführung: Statt Corona-Lüge steht jetzt "Stay Safe" (bleibe sicher) unter dem Wort Corona
Graffiti in einer Offenbacher Unterführung: Statt Corona-Lüge steht jetzt "Stay Safe" (bleibe sicher) unter dem Wort CoronaBild: Frank Rumpenhorst/dpa/picture alliance

Angesichts steigender Infektionszahlen forderten Ärztevertreter Bund und Länder auf, über den 20. März hinaus an der Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen festzuhalten. "Das Tragen von Masken ist eine erprobte und einfache Schutzmaßnahme. Es wäre ein Fehler, dieses Mittel ohne Not aus der Hand zu geben", sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

DGB warnt vor zu wenig Schutz am Arbeitsplatz

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte davor, den Schutz vor Corona-Infektionen am Arbeitsplatz zu vernachlässigen. "Arbeitsschutz darf ab Ende März keinesfalls zur Privatsache der Beschäftigten werden", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel den Funke-Zeitungen vom Montag. "Die Pandemie ist eben noch nicht vorbei und deshalb bleibt Homeoffice - da wo es möglich ist - auch weiterhin nützliches Instrument, um Kontakte und damit Infektionsgefahren einzuschränken."

Kritik kommt auch von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). "Im Grunde gibt es keine echten Schutzmaßnahmen mehr", sagte er der "Bild am Sonntag". "Damit stehen wir im Herbst neuen Mutationen schutz- und wehrlos gegenüber." Hart ins Gericht ging Söder auch mit Lauterbach. Der Bundesgesundheitsminister rechne mit neuen Corona-Wellen und die Bunderegierung in Berlin schaffe gleichzeitig alle Maßnahmen ab. Logisch sei das nicht mehr.

Zweifel am Corona-Kurs der SPD-geführten Bundesregierung wurden auch innerhalb der Partei laut. Es gebe aktuell "eine Welle mit täglich 200 bis 300 Toten - trotz der noch geltenden Maßnahmen", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) dem "Handelsblatt". "Ich finde es nicht klug, in dieser Lage alle Vorsicht fallen zu lassen."

qu/kle (dpa, afp)