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PolitikDänemark

Die Verteidigung Dänemarks - gegen Freund und Feind

Teri Schultz
7. Februar 2026

Kann Dänemark sich noch auf die USA als Verbündeten verlassen? Die Fixierung von Donald Trump auf Grönland setzt das dänische Militär unter Druck. Eine erweiterte Wehrpflicht soll mehr Dänen wehrfähig machen.

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Dänische Kaserne (Backsteingebäude) über dem Dänemarks Flagge weht (02.02.2026)
Kaserne in HaderslevBild: Adriaan De Loore/DW

Haderslev, eine Stadt nahe der Ostküste in Dänemark. Dort kämpften dänische Streitkräfte zum letzten Mal auf eigenem Territorium. Das war 1940, nach dem Einmarsch Deutschlands im Zweiten Weltkrieg.

Viele Jahrzehnte später ist die dänische Souveränität nun erneut bedroht, und das in einem Szenario, das im Nachkriegseuropa bislang undenkbar schien. Diesmal geht die Bedrohung vom größten Verbündeten Dänemarks aus: den Vereinigten Staaten von Amerika. Und wieder einmal bereiten sich dänische Soldaten in Haderslev auf eine ungewisse Zukunft vor.

Dänemark Haderslev 2026 | 18 neue dänische Wehrpflichtige stehen - noch ohne Uniformen - in Reih und Glied im Hof der Kaserne in Haderslev und werden von einem Soldaten instruiert (02.02.2026)
Frisch einberufene junge Dänen beim Dienstantritt in Haderslev (am Montag)Bild: Teri Schultz/DW

2025 beschloss die dänische Regierung, die Wehrpflicht von vier auf elf Monate zu verlängern, für Männer wie Frauen. Bis dahin hatten Däninnen die Möglichkeit, den Wehrdienst zu verweigern. Doch das hatte mit der aktuellen Gefahr zu tun, die derzeit von Russland ausgeht aufgrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine.

Nun also eine neue Bedrohung für das Königreich, deren Urheber nicht im Kreml in Moskau sondern im Weißen Haus in Washington sitzt: Es geht um US-Präsident Donald Trump und dessen Ankündigung das zu Dänemark gehörende Grönland den USA einzuverleiben - entweder durch einen Kauf oder durch militärische Gewalt.

Immer noch steht dessen Drohung im Raum, die halbautonome Arktisinsel mithilfe der US-Army zum 51. Bundesstaat zu machen. Dazu sorgt die Gleichgültigkeit von Trumps Regierung gegenüber der NATO schon seit Längerem auch in Kopenhagen für Misstrauen.

Dänen stellen sich der Realität

"Wenn wir den Amerikanern nicht mehr vertrauen können und die Russen tatsächlich gewinnen, leben wir in einer völlig neuen Welt", sagt Peter Viggo Jacobsen vom Royal Danish Defence College. Das sei die offizielle Botschaft der Regierung seit einem Jahr. "Und das ist das Umfeld, in das diese jungen Menschen hineinwachsen."

Dänemark: Abschreckung mit historischem Verteidigungsetat

Montagmorgen trat der erste Jahrgang der neuen Wehrpflichtigen zum Dienst an, für die das neue System gilt. "Für die Verteidigung Dänemarks ist heute definitiv ein großer Tag", sagte zum Auftakt der Leiter des Wehrdienstprogramms des dänischen Verteidigungskommandos, Oberst Kenneth Strom. "Das macht es uns möglich, unsere Kampfkraft zu vergrößern und diese Kampfkraft schneller verfügbar zu haben."

Erhöhte Wehrbereitschaft

Auch wenn der Wehrdienst jetzt Pflicht ist: Alle 120 neuen Rekruten und Rekrutinnen haben sich freiwillig gemeldet. Trotz der längeren Dienstzeit befindet sich Dänemark Armee in der privilegierten Position, Bewerber ablehnen zu können.

Eine von denen, die es geschafft hat, ist die 19-jährige Leorah Olsen. Sie hat gerade grundlegende Kommandos in der Formation gelernt und sagt mit einem breiten Lächeln über die Verlängerung der Wehrdienstpflicht: "Ich bin froh, hier zu sein. Ich glaube, es gibt einem die Gelegenheit, mehr zu lernen und mehr Erfahrung zu sammeln."

Dänemark Haderslev 2026 | Leorah Olsen auf dem Kasernenhof in Haderslev (02.02.2026, Nahaufnahme)
Freiwillige Olsen auf dem Kasernenhof in Haderslev (am Montag): "Ich bin froh, hier zu sein"Bild: Adriaan De Loore/DW

Sie sei daran interessiert, zur Militärpolizei zu gehen, berichtet sie über ihre Pläne. Über die erhöhte Bedrohungslage, mit der Dänemark derzeit konfrontiert ist, habe sie jedoch noch nicht länger nachgedacht.

Der 23-jährige Sebastian Hedegaard packt währenddessen neben seinem Stockbett seine Sachen aus. Er wollte schon immer zu den Streitkräften und hat sich Gedanken über die Risiken des Wehrdienstes gemacht. "Ich denke definitiv darüber nach", sagt er. "Natürlich ist in den Krieg ziehen ein großer Teil davon. Vielleicht kommt es dazu nicht. Vielleicht doch."

Dänemark Haderslev 2026 | Der Wehrpflichtige Sebastian Hedegaard hockt mit kurzgeschorenen Haaren in Uniformhose und Sweater zwischen zwei Stockbetten und packt seine Sachen aus (02.02.2026)
Rekrut Hedegaard beim Einzug in die Kaserne von Haderslev (am Montag): "Ich denke definitiv darüber nach"Bild: Adriaan De Loore/DW

Die Frage, ob diese Möglichkeit heute näher sei als vor einem Jahr, beantwortet er mit "Ja", doch er sagt nicht, ob er Russland oder die USA für eine Bedrohung hält. "Die ganze Welt, die Situation, in der wir uns befinden", meint er.

Tobias Roed Jensen vom dänischen Verteidigungskommando erläutert, dass durch das neue System bis zum Jahr 2033 jährlich fast 2000 mehr Rekruten als bislang eine militärische Ausbildung abschließen sollen. 2024, bevor die Änderungen umgesetzt wurden, durchliefen etwa 4600 Wehrpflichte die viermonatige Ausbildung.

Mit dem verlängerten Wehrdienst soll diese Zahl auf 6500 jährlich anwachsen. Die derzeitige Gesamtstärke der dänischen Streitkräfte von mehr als 20.000 Soldaten soll sich dadurch deutlich erhöhen, so öffentlich zugängliche Statistiken.

Mehr Truppen für Grönland

Angesichts der Drohungen Trumps ist es wahrscheinlich, dass diese Truppen in Grönland eingesetzt werden. Dänemark hatte seine Truppenpräsenz und deren Einsatzbefehle verschärft, bevor der US-Präsident nach Verhandlungen in Davos in der Schweiz einen Rückzieher machte. Es ist ein Szenario, das Militäranalyst Jacobsen zwar schwer nachvollziehbar aber dennoch verständlich findet.

Grönland Nuuk 2026 | Das dänische Patrouillenschiff "HDMS Lauge Koch" in einer Bucht bei Nuuk (15.01.2026)
Dänisches Patrouillenschiff "HDMS Lauge Koch" vor Grönlands Küste (Mitte Januar) Bild: Marko Djurica/REUTERS

"Es ist völlig absurd, dass ein dänischer Ministerpräsident im Fernsehen sagt, dass Dänemark den Einsatz von Gewalt nicht ausschließt, weil die USA es nicht tun", unterstreicht er. "In gewissem Sinne war Dänemark also gezwungen, Truppen in Grönland stationieren, die den Befehl hatten, im Falle eines US-amerikanischen Angriffs zu schießen."

In Haderslev bestätigt Regimentskommandeur Kore Jacobsen, dass die neue Lage Teil der Ausbildung sein wird, die die neuen Rekruten erhalten. "Die jungen Menschen, die jetzt zu uns kommen, bewegen sich in den sozialen Medien, sie bewegen sich ständig dort, sie wissen, was in der Welt passiert", sagt er.

"Wir müssen also auf dieses Thema eingehen und ihnen erklären, was tatsächlich geschieht und wie wir sie in diesem Kontext einsetzen wollen." Einige Rekruten sind sehr daran interessiert, wie Dänemark seine Verteidigung angesichts der neue Weltlage ausrichten will.

Beleidigungen und Kränkungen

Kaum lichtete sich die Grönlandkrise, löste Trump eine neue Welle der Empörung aus - in der gesamten NATO, aber insbesondere in Dänemark. Der US-Präsident hatte behauptet, dass sich die Länder, die an der Seite der USA in Afghanistan im Einsatz waren, sich "von der Front ferngehalten" hätten.

Dänemark hatte in diesem Krieg mehr Soldaten pro Kopf verloren als jedes andere Land mit Ausnahme der USA. Angaben der dänischen Streitkräfte zufolge starben 44 dänische Soldaten während ihres Einsatzes im Rahmen der NATO-Mission in Afghanistan.

Am 27. Januar steckten Dänen und Däninnen daraufhin 44 kleine dänische Flaggen in Pflanzkübel vor der US-Botschaft in Dänemarks Hauptstadt. Jedes dieser Fähnchen trug den Namen eines in Afghanistan gefallenen dänischen Soldaten.

Bereits in derselben Nacht wurden sie vom Sicherheitspersonal der Botschaft wieder entfernt. Eine Maßnahme, die der US-Botschafter später als "Missverständnis" bezeichnete.

Dänemark Kopenhagen 2026 | Ein Dämischer Verteran steckt eine kleine Fahnenstange mit einer dänischen Flagge und dem Namen eines Gefallenenen in einen Pflanzenkübel vor der US-Botschaft (31.01.2026)
"Neubeflaggung" der Pflanzenkübel vor der US-Botschaft in KopenhagenBild: Emil Nicolai Helms/REUTERS

Am vergangenen Wochenende starteten Veteranen eine weitere Beflaggungsaktion in Kopenhagen. Im Rahmen eines Schweigemarsches, an dem Tausende teilnahmen, steckten sie neue Flaggen in die Pflanzenkübel - nur viel größere.

Unter den Demonstrierenden war auch der pensionierte Luftwaffengeneral Christian Hvidt. Er sagt, dass er noch nie zuvor an einer Demonstration teilgenommen habe. Er fühlte sich besonders von den Äußerungen Trumps getroffen. Denn Hvidt hatte die damals entsandten dänischen Truppen persönlich verabschiedet - auch die Soldaten, sie dann nicht lebend aus Afghanistan zurückkehrten.

"Es ist wie ein Dolchstoß in den Rücken", sagt Hvidt der DW. "Wir waren vom ersten Tag an dabei." Der 83-Jährige hofft, dass die jungen Menschen, die jetzt ihren Wehrdienst leisten, gegen niemanden in den Kampf ziehen müssen - insbesondere nicht gegen Dänemarks bislang engsten Verbündeten.

Dänemark Kopenhagen 2026 | Christian Hvidt sitzt in einem Sessel in einem Salon (02.02.2026)
Ex-Luftwaffengeneral Hvidt: "Dolchstoß in den Rücken"Bild: Adriaan de Loore/DW

"Ich weiß, dass die Amerikaner an unserer Seite stehen", betont er. "Natürlich hoffe ich, dass ein Mann oder zwei oder drei das nicht auf ewig zerstören können. Wir werden uns eines Tages wieder sehr nahe stehen. Darauf hoffe ich und ich bin sicher, dass es so sein wird."

Doch viele seiner Landsleute sehen das anders. Der neuesten Umfrage der dänischen Rundfunkanstalt DR zufolge sehen weniger als ein Fünftel der Dänen und Däninnen in den USA weiterhin einen Verbündeten.

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

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