Deutsche Banken im Visier der US-Ermittler
22. August 2012
Neben der Deutschen Bank ist auch die Commerzbank im Visier der New Yorker Ermittler wegen möglicher Verstöße gegen US-Sanktionen geraten. Nach einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" stellt sich das zweitgrößte deutsche Geldhaus deswegen auf finanzielle Folgen ein, die dafür gebildete Rückstellungen überschreiten und sich "erheblich negativ" auswirken könnten. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich die Bank ähnlich wie andere Institute gegen Zahlung eines "nicht unerheblichen Geldbetrags" vergleichen werde.
Bereits am Montag (20.08.2012) hatte die "New York Times" berichtet, die US-Behörden untersuchten die Iran-Geschäfte der Deutschen Bank. Es gehe um den Vorwurf, die Institute hätten Milliarden Dollar für den Iran, Sudan und andere mit Sanktionen belegte Nationen durch ihre US-Filialen geleitet. Dabei gehe es um den Umgang mit iranischen Geldern bis zur Schließung einer Gesetzeslücke in den USA 2008. Die Deutsche Bank erklärte daraufhin, sie wisse nichts von neuen Ermittlungen. Nach eigenen Angaben macht das Institut seit 2007 keine neuen Geschäfte mehr mit dem Iran.
Schnee von gestern?
Ein Sprecher der Commerzbank bestätigte, dass die Bank 2010 von verschiedenen US-Behörden gebeten worden sei, bestimmte Dollar-Geschäfte zu prüfen mit Ländern, gegen die Sanktionen verhängt worden sind. Diese Untersuchung laufe noch. "Ergebnisse liegen noch nicht vor und für Aussagen, ob und gegebenenfalls welche finanzielle oder andere Belastungen hier entstehen können, ist es zu früh", sagte ein Sprecher. Das Neugeschäft mit dem Iran hat die Commerzbank nach eigenen Angaben 2007 eingestellt, drei Jahre später wurde auch die Vertretung in Teheran geschlossen.
Auch die Royal Bank of Scotland (RBS) ist im Zuge der Ermittlungen wieder in den Schlagzeilen: Nach einem Bericht der "Financial Times" hat ein Risikomanager nach einer internen Untersuchung der Fälle die Bank verlassen. Die britische Bank nahm dazu keine Stellung. Sie hatte bereits 2010 eine halbe Milliarde Dollar gezahlt, um ähnliche Vorwürfe gegen ihre 2007 gekaufte Tochter ABN Amro aus dem Weg zu räumen. Ihr britischer Rivale Standard Chartered hatte für einen Vergleich mit den US-Behörden in Sachen Iran kürzlich 340 Millionen Dollar gezahlt, die niederländische Bank ING im Juli sogar 619 Millionen.
wen/qu (rtr, FT)