1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Deutschland erleichtert den Abschuss von Wölfen

Ben Knight
7. März 2026

Der deutsche Bundestag hat eine Gesetzesänderung verabschiedet, die den Abschuss von Wölfen unter bestimmten Umständen wieder gestattet. Während Landwirte die Novelle begrüßen, lehnen Naturschutzorganisationen sie ab.

https://p.dw.com/p/59wwr
Eurasischer Wolf im Wald
Weniger Schutz: Wölfe können in Deutschland wieder bejagt werdenBild: David & Micha Sheldon/imageBROKER/picture alliance

Am Donnerstag stimmte der Bundestag einer Gesetzesänderung zu, die den Wolf wieder als "jagbare Tierart" einstuft. In den vergangenen Jahrzehnten ist das Raubtier, das in Europa einst fast ausgerottet war, wieder auf den Kontinent zurückgekehrt.

Die Änderung des Bundesjagdgesetzes erlaubt es Jägern in Deutschland, vom 1. Juli bis zum 31. Oktober wieder Jagd auf Wölfe zu machen. Die Regierungen der einzelnen Bundesländer sind jedoch verpflichtet, eigene Bestandsmanagementpläne umzusetzen und für ihre jeweilige Region zu entscheiden, in welchem Umfang die Bejagung von Wölfen erlaubt wird.

Die Regierung begründete die Gesetzesänderung, über die das Parlament debattierte, mit den 4300 Nutztieren, die bei rund 1100 Wolfsangriffen getötet oder verletzt worden seien. Die Kosten für den Schutz der Herden beliefen sich mittlerweile auf 23,4 Millionen Euro (27,2 Millionen US-Dollar).

Möglich gemacht wurde die Gesetzesänderung, weil der Schutzstatus von Wölfen im Berner Übereinkommen zur Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere 2025 von "streng geschützt" auf "geschützt" heruntergestuft worden war und daraufhin auch die EU ihren Schutzstatus anpasste.

Einige deutsche Landwirte fordern schon seit Langem eine stärkere Kontrolle der Wolfspopulation. In einem Interview mit der Tageszeitung "Münchner Merkur" sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV) Joachim Rukwied im vergangenen Jahr: "Wir haben pro Jahr einige tausend Wolfsrisse an Weidetieren." Das bedeute einen qualvollen Tod. "Wer Weidetierhaltung erhalten will, muss den Bestand nach unten regulieren."

Doch es kam auch zu zahlreichen Protesten gegen das neue Gesetz. Insbesondere im Schwarzwald, im Südwesten Deutschlands, wo die Wolfspopulation sich bei weitem noch nicht so stark erholt hat wie im Norden des Landes. Ein vom baden-württembergischen Umweltministerium veröffentlichter Bericht stellte vergangenen Dezember fest, dass in dem flächenmäßig drittgrößten Bundesland lediglich vier Wölfe sesshaft sind.

So gering ist die Zahl der Wölfe in Baden-Württemberg, dass die Menschen vor Ort einen von ihnen "Grindi" tauften und gegen Pläne der Regierung protestierten, ihn abzuschießen, weil er sich Wanderern genähert haben soll. Ein solches Verhalten ist sehr ungewöhnlich. In der Regel halten sich Wölfe von Menschen fern.

Der Jagdverband von Niedersachsen, dem flächenmäßig zweitgrößten Bundesland, zählte Anfang 2025 dagegen 54 Wolfsrudel. Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) ist die Zahl der Wolfsangriffe auf Weidetiere stetig gestiegen. Während 2006 nur wenige Tiere gerissen wurden, waren es 2023 schon 5500. 2024 fiel die Zahl jedoch wieder auf unter 4500.

Hat sich die Wolfspopulation wirklich erholt?

Sybille Klenzendorf ist Programmleiterin für Wildtiere beim WWF Deutschland. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass die wahllose Bejagung Angriffe auf Nutztiere nicht verhindern könne, argumentiert sie. Sie könnte sogar kontraproduktiv sein, denn wenn die Eltern getötet werden, streiften die Jungtiere auf der Suche nach Beute häufig noch weiter herum. "Das Problem mit Schäden durch Wildtiere wird durch die Jagd nicht gelöst, es sei denn, der Wolf wird erneut ausgerottet. Und das soll angeblich nicht geschehen", erläutert sie gegenüber der DW.

Obwohl die Zahl der Wölfe in manchen Regionen Europas zunimmt, stufen Wissenschaftler den Wolfsbestand noch immer nicht als erholt ein. "Wenn Sie sich die Karte der verfügbaren Habitate ansehen, stellen Sie fest, dass es in Süddeutschland haufenweise für Wölfe geeignete Habitate gibt, in denen keine Wölfe leben", hebt Klenzendorf hervor. "Gemäß EU-Recht muss die Population grenzübergreifend betrachtet werden, um festzustellen, ob sich der Wolf erholt hat oder nicht. Das geschieht nicht."

Klenzendorf ist überzeugt, dass die deutsche Regierungskoalition aus CDU, CSU und SPD sich schlicht dafür entschieden habe, die Wolfspopulation als wiederhergestellt zu erklären, ohne wissenschaftliche Beweise abzuwarten.

Sie weist darauf hin, dass andere europäische Länder wie Österreich und die Schweiz ihre Weidetiere erfolgreich mit Elektrozäunen und Hunden schützen. "Oder durch aktive Schäfer, wie in der Vergangenheit", betont sie. "Auch in den Alpenregionen. Es ist also machbar. Ja, es bedeutet mehr Arbeit und es kostet Geld. Aber auf der anderen Seite spart die Wiedereinführung von Wölfen eine Menge Geld bei der Wiederaufforstung. Wenn Wölfe in der Nähe sind, gibt es viel weniger Schäden an jungen Bäumen, denn Rehe und Wildschweine halten sich nicht dort auf, wo Raubtiere in der Nähe sind."

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen