Día de los Muertos: Feier des Lebens
Ende Oktober tanzen die Skelette auf den Straßen Mexikos: Der Tag der Toten, spanisch Día de los Muertos, hat uralte Wurzeln - und ist heute vor allem ein farbenfrohes, fröhliches Spektakel.

Fröhlicher Feiertag
Lachen statt Weinen: Es mag makaber anmuten, doch auch wenn der Tod im Mittelpunkt steht, ist der Día de los Muertos ein fröhlicher Feiertag in Mexiko. Mit farbenprächtigen Paraden, wie hier in Mexiko Stadt, wird an Verstorbene erinnert, die laut Volksglauben an diesem Tag aus ihrem ewigen Schlaf erwachen und ihre Lieben besuchen.
Horror ohne Halloween
Während der Feierlichkeiten fahren schon einmal riesige Skelette durch die Städte - doch auch wenn sich die Symbolik ähnelt, hat der Día de los Muertos mit Halloween nichts zu tun. Bereits die Azteken und Maya glaubten, der Tod sei nur der Anfang eines neuen Lebens; mit Ankunft der spanischen Konquistadoren vermischten sich die Festlichkeiten zu Ehren der Verstorbenen mit katholischen Bräuchen.
Nach Hause radeln
Die Hauptfeierlichkeiten beginnen am Vorabend von Allerheiligen am 31. Oktober und ziehen sich bis zum 2. November. Doch bereits vor dem eigentlichen Tag der Toten finden zahlreiche Paraden statt, unter anderem ein nächtlicher Fahrrad-Umzug durch Mexiko Stadt. Die Teilnehmenden sind verkleidet, Räder und sonstige fahrbare Untersätze geschmückt - hier wird E.T. auf einem Gepäckträger transportiert.
Wegweiser für die Toten
Studentenblumen, auch Tagetes genannt, sind die Blumen-Deko schlechthin beim Día de los Muertos. Ihr leuchtendes Orange und ihr Duft sollen die Seelen der Verstorbenen zurück in die Welt der Lebenden führen. Auch Friedhöfe werden mit Studentenblumen geschmückt; am letzten Tag der Feierlichkeiten treffen sich dort Familien, um auf den Gräbern ihrer Ahnen gemeinsam zu picknicken und zu tanzen.
Die vielleicht schönsten Totenschädel der Welt
Seit rund zehn Jahren ist die Catrina-Parade fester Bestandteil der Vorbereitungen zum Día de los Muertos, 2014 wurde sie von einer Maskenbildnerin ins Leben gerufen. Was als kleiner Kreis von Kreativen begann, ist inzwischen eine der größten Veranstaltungen im Vorfeld des Tages der Toten: Die Parade mit ihren aufwändig geschminkten Teilnehmenden lockt jedes Jahr Zehntausende Zuschauer an.
"Wir sind alle Schädel"
Anfang des 20. Jahrhunderts schuf der Künstler José Guadalupe Posada die Catrina-Figur - ein Skelett in eleganter Kleidung - als Karikatur, um die Besessenheit der mexikanischen Oberschicht mit europäischer Eleganz zu verspotten. Von Posada stammt auch das Zitat "todos somos calaveras", auf deutsch "Wir sind alle Schädel", womit die Gleichheit aller Menschen unterstrichen wird.
Fest der Vielfalt
Gemeinsam mit rund 200 anderen LGBTQ+-Aktivistinnen und -Aktivisten läuft Drag Artist Santiago Mercado bei der diesjährigen Catrina-Parade in Mexiko Stadt mit. Die Parade ist ein seltener Safe Space in einem Land, in dem queere Menschen oft Gewalt ausgesetzt sind. Auch zahlreiche andere Gruppierungen mit sozialen oder politischen Anliegen nehmen an dem Umzug teil.
Farbenfrohes Gedenken
Schon die Kleinsten machen mit: Der Tag der Toten ist ein Fest für alle, der von Mexikanerinnen und Mexikanern unabhängig von ihrer Religion und ethnischen Herkunft gefeiert wird. Und auch wenn sein Ursprung in Mexiko liegt, wird der Día de los Muertos mittlerweile in ganz Lateinamerika gefeiert. 2008 nahm die UNESCO die Feierlichkeiten in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes auf.