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Buchmann: Unter dem Radar aufs Tour-Podest?

23. Juli 2019

Deutschlands Tour-de-France-Hoffnung Emanuel Buchmann liegt als Sechster der Gesamtwertung vor der Entscheidung in den Alpen in Schlagdistanz. Die Chance auf den großen Tour-Coup hat sich der 26-Jährige erarbeitet.

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TOUR DE FRANCE 2019 - 16. Etappe Nimes - Emanuel Buchmann
Bild: picture-alliance

Eines haben Basketball-Superstar Dirk Nowitzki und Radprofi Manuel Buchmann gemeinsam: Beide wurden in der englisch-sprachigen Presse als "The German Wunderkind" bezeichnet. Doch während der eine, Nowitzki, seine großartige Karriere gerade beendet hat, steht der andere womöglich vor seinem ersten ganz großen Coup: Buchmann liegt in der Tour-de-France-Gesamtwertung auf Rang sechs, nur gut zwei Minuten fehlen zum Gelben Trikot. Der 26-Jährige ist also in Schlagdistanz, ein Podestplatz liegt für "Emu", wie ihn seine Freunde rufen, im Bereich des Möglichen. Vielleicht sogar das oberste Treppchen? "Ich habe auch als Kind nie von Gelb geträumt. Ich bin der rationale Typ, lebe in der Realität", wiegelt Buchmann ab.

Platz drei auf Pyrenäen-Etappe 2015

Als "German Wunderkind" galt der schlaksige, 1,81 Meter große Radprofi, der gerade mal rund 60 Kilogramm auf die Waage bringt, im Jahr 2015. Damals düpierte er zunächst bei den deutschen Meisterschaften die arrivierten nationalen Stars wie André Greipel oder John Degenkolb und holte sich den Titel. Im Meistertrikot mit den schwarz-rot-goldenen Streifen fuhr er dann bei seiner ersten Tour de France auf einer schweren Pyrenäen-Etappe gleich aufs Podest: Nach einer 108 Kilometer langen Flucht über den gefürchteten 2115 Meter hohen Col du Tourmalet und fünf weitere Bergpässe belegte Buchmann den dritten Rang.

Tour de France | 11. Etappe | Emanuel Buchmann
Seine bisher beste Etappenplatzierung bei der Tour 2015: Platz drei nach der Jagd über den TourmaletBild: picture-alliance/dpa/D. Stockman

22 Jahre alt war er damals, der viertjüngste Fahrer im Feld. Am Ende belegte er den 32. Platz der Gesamtwertung. Seitdem ging es langsam aber stetig aufwärts: 21. bei der Tour 2016, 15. bei der Frankreich-Rundfahrt 2017 - in beiden Jahren Dritter in der Wertung der besten Jungprofis. 2018 setzte er bei der Tour aus, führte stattdessen als Kapitän sein Team "Bora-hansgrohe" bei der Spanien-Rundfahrt an und wurde Zwölfter.

Kontinuierlich besser geworden

Tour de France 2017 Emanuel Buchmann
Emanuel Buchmann beim Tour-Start in BrüsselBild: picture-alliance/SvenSimon

Noch besser lässt sich Buchmanns Entwicklung zum Rundfahrt-Spezialisten mit Siegchance an seinem Abschneiden beim "Critérium du Dauphin" ablesen, der "kleinen Tour de France", die viele der Stars als Vorbereitung für die Frankreich-Rundfahrt nutzen: 32. (2015), 20. (2016), 7. (2017), 6. (2018), 3. (2019). In den Bergen war Buchmann schon immer sehr gut, inzwischen hat er sich aber auch im Zeitfahren verbessert. So belegte er bei der diesjährigen "Dauphiné" im Kampf gegen die Uhr den dritten Platz, vor einigen Tour-Favoriten.

"Ich habe jedes Jahr einen Schritt nach vorne gemacht. Und ich konnte meine Vorbereitung problemlos durchziehen, es kam nichts dazwischen. Ich bin reifer geworden", sagte Buchmann im DW-Interview in Brüssel unmittelbar vor dem Start der diesjährigen Tour. "Es ist absolut realistisch, dass ich in der Gesamtwertung in die Top Ten fahren kann. Ich bin motiviert, dieses Ziel zu erreichen."

TOUR DE FRANCE 2019 - 14. Etappe Tarbes - Tourmalet | Emanuel Buchmann
Auch in diesem Jahr lieferte Buchmann (l.) eine starke Vorstellung am TourmaletBild: Reuters/G. Fuentes

Attacke in den Alpen?

Auch nach gut zwei Wochen Tour hält Buchmann an diesem Ziel fest. "Wird es mehr, freue ich mich natürlich", sagte er der "Bild"-Zeitung. Bei den schweren Pyrenäen-Etappen hat der Deutsche mit zwei vierten Plätzen überzeugt. Nun stehen ab Donnerstag die drei schweren Alpen-Etappen vor der Tür, die über den Gesamtsieg bei der diesjährigen Tour de France entscheiden werden. Mit drei Höhen-Trainingslagern im Februar, Mai und Juni hat sich Buchmann besonders auf dieses spektakuläre Tour-Finale vorbereitet. Wenn überhaupt, werde er dort das Gelbe Trikot angreifen, ließ "Emu" verlauten. Weiter lehnt sich der eher introvertierte Profi nicht aus dem Fenster: "Es schadet nicht, wenn man ein bisschen unter dem Radar fährt." Emanuel Buchmann präsentiert sich lieber mit seinen Leistungen auf dem Rad als mit markigen Sprüchen. 

DW Kommentarbild Stefan Nestler
Stefan Nestler Redakteur und Reporter