Lange Wimpern mit Nebenwirkung
6. Juni 2019
Lange, künstliche Wimpern setzen sich in der Kosmetikbranche immer mehr durch, aber bis zum Klimpern ist es ein langer Prozess. Jede einzelne, künstliche Wimper wird mit einem speziellen Kleber auf den eigenen Wimpern angebracht. So verlängern sie die eigene Pracht, Wimper für Wimper.
Das kann dauern, denn alleine der obere Wimpernkranz besteht aus etwa 150 bis 250 Einzelhärchen. Eine Behandlung kann sich also eineinhalb bis drei Stunden hinziehen. Danach dürfen die Wimpern nicht mit Wasser in Kontakt kommen, Duschen, Solarium und Sauna sind in den ersten 24 Stunden tabu.
Das Durchhaltevermögen lohn sich nicht immer. Es kommt vor, dass das Ergebnis gar nicht so schön ist wie erwartet, dann nämlich, wenn sich das Lid entzündet. "Es nässt, schmerzt und juckt sehr stark. Es ist sehr unangenehm und sieht dann manchmal auch noch merkwürdig aus", erklärt Professorin Christiane Bayerl. Sie leitet die Klinik für Dermatologie und Allergologie in Wiesbaden.
Es kann zu Kontaktallergien kommen, also Unverträglichkeitsreaktionen. Daraus wiederum können sich Ekzeme in der Augenumgebung entwickeln. "Es kann zu Schwellungen am Unter- und Oberlid führen. Das ist allerdings vorübergehend und heilt wieder ab."
Schutz, nicht Schönheit
In erster Linie dienen Wimpern nicht dem Aussehen. Wir brauchen sie, um unsere Augen zu schützen, etwa vor Staubpartikeln und anderen Fremdkörpern, vor Schweiß, vor Wind und Wetter. Wimpern, auch Zilien genannt, stellen eine Art Schutzmauer dar. Sie sehen also nicht nur schön aus, in erster Linie haben sie eine wichtige Funktion.
Der Wachstumszyklus von Wimpern beträgt vier bis sechs Monate, die Lebensdauer 100 bis 150 Tage. Wimpern wachsen ständig nach, aber vielleicht nicht ganz so üppig wie manche Frau es gerne hätte. Da hilft Wimpernverlängerung.
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Tierisch lange Wimpern
Zum Verlängern oder Verdichten von Wimpern stehen Seide, synthetische Fasern oder Haare aus dem Tierreich zur Verfügung. In dem Fall bestehen die Wimpern aus echtem Haar vom Nerz. Sie sind unter der Bezeichnung Silk Lashes oder Mink Lashes auf dem Markt.
Das ruft Tierschützer auf den Plan. Echte Nerzhaare für die Kosmetikindustrie zu nutzen, lehnen die Verbände strikt ab. Für Tierschützer sind künstliche Wimpern aus Nerz ein rotes Tuch.
Das gilt vor allem, wenn die falschen Wimpern von toten Tieren stammen, denen das Fell buchstäblich über die Ohren gezogen wurde. Die Produzenten versichern jedoch, dass sie das Nerzhaar durch das Bürsten der Tiere gewinnen. Das dürfte allerdings bei ungezähmten, beißfreudigen Nerzen schwierig sein.
Import aus Asien
Meistens werden die Wimpern aus Nerzhaar aus China und Südkorea importiert. Tierschutzgesetze existieren dort nicht, und in Deutschland sind die Firmen und Kosmetikstudios nicht dazu verpflichtet, die Herkunft zu kennzeichnen. Um zu erfahren, ob es sich um tierische oder synthetische Wimpern handelt, muss die Kundschaft nachfragen. Das aber tun die wenigsten.
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Und die Prozedur kostet einiges. Mit etwa 150 bis 220 Euro müssen Kunden für die erste Behandlung rechnen. Nach einigen Wochen fallen die Wimpern meist zusammen mit den natürlichen Wimpern aus, dann muss aufgefüllt werden. Das kostet rund 60 Euro. Bei einem Preis von unter 120 Euro für die erste Verlängerung sei Skepsis geboten, so die Warnungen auf etlichen Websites. Hier sollte die Qualität hinterfragt werden und das Können der Anbieter.
Am Anfang war das Medikament
Eine weitere Methode, um zu einem vermeintlich unwiderstehlichen Augenaufschlag zu kommen, sind Seren, die auf dem Lid aufgebracht werden. Sie sollen das Wachstum ankurbeln.
"Es sind Prostaglandin-verwandte Substanzen", erklärt Bayerl. "Die Prostaglandine werden in Augenpräparaten eingesetzt, also bei medizinisch begründeter Indikation, beispielsweise beim Glaukom. Diese Prostaglandin-Analoga sind rezeptpflichtig."
Die Behandlung hat gezeigt, dass bei Menschen, die zu wenig Haare an den Wimpern oder an den Augenbrauen haben, das Wachstum verstärkt wird. Das war der erste Schritt des Präparates in die Kosmetikindustrie.
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Mit den Wimpern klimpern
Lange, dichte Wimpern sind die eine Seite, aber die Seren können die Augen auch reizen. Das Serum muss dann auf jeden Fall abgesetzt werden. Bei solchen Reaktionen setzt der Arzt anti-entzündliche Präparate ein.
Am häufigsten kommt es vor, dass sich das Weiße im Auge rötet und dass vermehrt Gefäße sichtbar werden. Das sei die Folge einer Entzündung erläutert Bayerl. Bei langer Anwendung könne es zu Einzelfällen bestimmter Entzündungsformen kommen. "Das sind Ereignisse, die es selten gibt, die aber dramatische Folgen zeigen."
So könne sich beispielsweise die Farbe der Iris verändern. "Es kann zu asymmetrischen Augenfarben kommen und dazu, dass die Pigmentierung, also der Braunton um die Augen, verstärkt wird. Das heißt, dass sich die Fettzusammensetzung in der Augenumgebung ändert, und das sieht dann nicht gerade schön aus", sagt Bayerl.
Guter Rat ist nicht teuer
Ob die seltenen Ereignisse, wie etwa die Veränderung der Iris, permanent sind, ist noch nicht eindeutig belegt. Es sei ein recht neues Phänomen, sagt Bayerl. "Diese Verfärbung der Iris ist auf unseren dermatologischen Kongressen an einem Fall vorgestellt worden. Die Veränderung der Irisfarbe hält offenbar sehr lange. Sie scheint sogar bleibend zu sein", so die Einschätzung der Dermatologin.
Bei drei bis zehn Prozent der Behandelten kommt es zu Nebenwirkungen. Für diejenigen, die sich dennoch für den unwiderstehlichen Augenaufschlag entscheiden: Es beeinträchtigt nicht das Sehvermögen.
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