1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen
Politik

Erdogan denkt im Fall Khashoggi "positiv"

7. Oktober 2018

Der türkische Präsident äußert sich zu dem saudischen Journalisten, der in Istanbul verschwand. Die Angelegenheit ist politisch brisant - für beide Seiten. Denn Ankara hat mit den Saudis ohnehin schon Differenzen.

https://p.dw.com/p/366ba
Deutschland Türkischer Präsident Erdogan in Köln
Bild: Reuters/W. Rattay

Saudischer Journalist in Konsulat ermordet? Julia Hahn aus Istanbul

Seine Erwartungen seien noch immer "positiv", sagte Recep Tayyip Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu vor Journalisten. Er hoffe nicht, dass man mit einer "unerwünschten" Situation konfrontiert werde.

Die Videoaufnahmen der Ein- und Ausgänge des saudischen Konsulats würden untersucht. "Wir wollen ein schnelles Resultat erzielen", erklärte der türkische Präsident. Er verfolge die Entwicklungen in dem Fall aus nächster Nähe.

Yasin Aktay, der als Berater Erdogans tätig ist, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Behörden gingen inzwischen davon aus, dass der Vermisste aus dem Konsulat gebracht worden sei. Ob tot oder lebendig, das wisse er nicht. Aufnahmen der Straßenkamera zeigten, dass Autos mit verdunkelten Scheiben herausgefahren seien.

Er wollte nur Papiere holen

Nach Angaben von Freunden und Kollegen war der Journalist und Regimekritiker Jamal Khashoggi am Dienstag in das saudische Konsulat im Istanbuler Stadtteil Besiktas gegangen, um Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen, aber nicht wieder herausgekommen. Saudi-Arabien wies inzwischen Berichte über einen möglichen Mord an dem prominenten Journalisten zurück. Solche Vorwürfe seien "gegenstandslos", erklärte ein Vertreter des saudischen Konsulats.

Verlobte von Chaschukdschi vor dem türkischen Konsulat (Foto: Getty Images)
Die Verlobte Jamal Khashoggis wartet am Mittwoch mit Freunden vor dem saudischen KonsulatBild: Getty Images/AFP/O. Kose

Mehrere Nachrichtenagenturen und die "Washington Post" hatten unter Berufung auf ungenannte Quellen gemeldet, türkische Ermittler gingen einem Mordverdacht nach. Anadolu zufolge steht dabei eine Gruppe von 15 Saudis im Fokus, die sich am Tag von Khashoggis Verschwinden im Konsulat aufgehalten habe und noch am gleichen Tag wieder abgereist sei.

Mann hält Plakat mit "Free Khashoggi" hoch (Foto: picture-alliance)
Demonstranten in der Türkei fordern seit Tagen die Freilassung von Chaschukdschi Bild: picture-alliance/AP Photo/E. Gurel

Der Chef der Türkisch-Arabischen Medienvereinigung, Turan Kislakci, zeigte sich überzeugt, dass Khashoggi ermordet wurde, weil er der saudischen Führung ein Dorn im Auge war. Er gehe davon aus, dass der Journalist im Konsulat getötet wurde. Anschließend sei seine Leiche vermutlich zerstückelt worden, sagte Kislakci der Deutschen Welle. Belege hierfür benannte er jedoch nicht.

Saudi-Arabien weist Vorwürfe zurück

Jamal Khashoggi, der unter anderem für die "Washington Post" arbeitet, lebte im vergangenen Jahr im Exil in Washington. Er fürchtete Vergeltungsaktionen für seine kritischen Artikel, die etwa in der "Washington Post" und im britischen "Guardian" erschienen. Immer wieder hatte der 59-jährige die Politik des Kronprinzen Mohammed bin Salman, die saudische Militärintervention im Jemen und die Blockade gegen das Golfemirat Katar kritisiert.

Bevor er Saudi-Arabien verließ, hatte Khashoggi seine Arbeit bei der Zeitung "Al-Hajat" verloren. Als Autor war er unter anderem für die Muslimbruderschaft eingetreten. Die islamistische Bewegung wird von dem wahabitischen Königshaus als Terrororganisation eingestuft, von der Türkei hingegen unterstützt. Auch in anderen Konflikten stehen Ankara und Riad auf verschiedenen Seiten.

Trotz der Differenzen ist die Türkei bisher um ein gutes Verhältnis zu Saudi-Arabien bemüht. Sollten sich tatsächlich gravierende Indizien ergeben, dass Jamal Khashoggi ermordet wurde, könnte Ankara nach Ansicht von Beobachtern allerdings die diplomatischen Beziehungen zu Riad abbrechen.

jj/jmw/hf (rtr, afp, dpa, Washington Post)