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Erfurter Moschee eröffnet - Neubau mit Hindernissen

15. Februar 2026

Thüringen ist Kernland der AfD. Nun wurde dort der erste Moschee-Neubau eröffnet. Andere Religionsvertreter betonen ihre Solidarität. Doch die Baugeschichte der Moschee in Erfurt erzählt auch von Hass.

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Blick auf die Mahmud-Moschee
Bild: Christoph Strack/DW

"Liebe für Alle, Hass für Keinen", steht an der Fassade des Moschee-Gebäudes. Daneben ist das kleine Minarett, acht Meter hoch, zu sehen. Die Worte stehen für den Grundsatz der Ahmadiyya-Muslime, die an diesem kalten Winter-Samstag am Stadtrand von Erfurt ihre Moschee eröffnen. Der Bau ist die erste neuerrichtete Moschee im Bundesland Thüringen, die erste neugebaute Moschee in den neuen Bundesländern außerhalb Berlins.

Die Baugeschichte erzählt auf ihre Art auch von Hass. Seit über zehn Jahren plante die Gemeinde den Bau eines eigenen Gotteshauses mit Gebetsraum, Minarett und einer kleinen Wohnung für den Imam. Es gab immer wieder Proteste und Demonstrationen gegen das Projekt in einem Gewerbegebiet. Immer wieder zogen sich Baufirmen aus der Umgebung von zugesagten Arbeiten kurzfristig zurück.

Feier unter Polizeischutz

Auch am Abend der Eröffnung steht gegenüber dem Gelände der Ahmadiyya, neben zwei Polizei-Fahrzeugen, ein einsamer Demonstrant mit einem Schild, auf dem er vor einem islamistischen "Eroberungs-Feldzug" warnt. Und bis in die Nacht fahren Polizeiautos fast im Minutentakt durch die benachbarten Straßen.

Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow, der als Thüringer Ministerpräsident (2014-2024) beharrlich das Bauprojekt unterstützte (und unweit davon wohnt), erinnert bei der Eröffnung an Proteste und Zwischenfälle, an Schweinsköpfe, die auf die Baustelle geworfen wurden, an Protestkreuze. "Das waren keine christlichen Kreuze", sagt der Linken-Politiker, der der evangelischen Kirche angehört. "Das waren Kreuze der Identitären Bewegung."

Die Proteste gegen den Moschee-Bau wurden immer wieder von Populisten und Rechtsextremisten geschürt. Bei der Landtagswahl 2024 bekam die "Alternative für Deutschland" (AfD) mit dem Landesvorsitzenden Björn Höcke fast ein Drittel der Stimmen. Der Verfassungsschutz will sie hier als "gesichert rechtsextremistisch" einstufen, wogegen die Partei klagt.

Bodo Ramelow am Rednerpult. Hinter ihm ist der Name der Moschee zu lesen, Mahmud-Moschee.
Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow bei der Eröffnungsfeier der Moschee.Bild: Christoph Strack/DW

Um so stärker wirkt die politische und gesellschaftliche Präsenz bei der Eröffnungsfeier. Neben Ramelow sind der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) und seine beiden Amtsvorgänger seit dem Jahr 1990 dabei, einer von der CDU, einer von der SPD.

"Auch ihre Heimat"

Auch Religionsvertreter sind da: der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, Bischöfe der evangelischen und katholischen Kirche. Und von Ramelows Nachfolger als Ministerpräsident, Mario Voigt (CDU), kommt ein Grußwort per Video. "Thüringen ist auch ihre Heimat", sagt er den Ahmadiyya-Muslimen zu.

Egal ob Ramelow, die evangelische Regionalbischöfin Friederike Spengler oder Oberbürgermeister Horn: Sie alle beschwören die religiöse Miteinander in Erfurt und die Bedeutung von Religionsfreiheit für eine Gesellschaft. Rund 70 Prozent der 220.000-Einwohner in der Stadt gehören keiner Religionsgemeinschaft an. Zugleich ist das Bild der Stadt, in der ab dem Jahr 1501 der junge Mönch Martin Luther studierte, von Kirchen geprägt.

Erfurt, erinnerte Ramelow, sei die einzige Stadt, in der zu DDR-Zeiten eine jüdische Synagoge errichtet worden sei. Und Reinhard Schramm (81) von der Jüdischen Gemeinde Thüringen nennt am Rande der Feier im DW-Gespräch Erfurt ein "kleines Modell für Deutschland". Aus seiner Sicht sei es "vorbildlich", wie die Religionen miteinander umgingen, wie die Kommune die Religionen einbeziehe. Das gelte für die "doch relativ kleine Gemeinde" der Ahmadiyyas, das gelte übrigens auch für Jesiden. "Thüringen ist in dieser Hinsicht viel besser als sein Ruf."

Bei der Eröffnung der Ahmadiyya-Moschee in Erfurt spricht Abdullah Wagishauser, der Bundesvorsitzende, am festlichen Rednerpult. Hinter ihm ist der Name der Moschee zu erkennen, Mahmud Moschee.
Abdullah Wagishauser, der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinschaft.Bild: Christoph Strack/DW

Dabei sind die Ahmadiyya-Muslime eine besondere Gruppe. Sie entstanden vor knapp 140 Jahren im heutigen Pakistan als Reformbewegung des Islam. Von den großen muslimischen Strömungen werden sie kritisch gesehen. Im muslimisch geprägten Pakistan werden sie bekämpft. Übergriffe, die Zerstörung von Moscheen, auch Morde sind nicht ungewöhnlich. 

Der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya in Deutschland, Abdullah Wagishauser, erinnert auch an diese Verfolgungsgeschichte, als er die Aufnahme in Deutschland und in Erfurt lobt. Deutschland habe ein Grundgesetz und "eine Polizei, der man auch vertrauen kann". In Pakistan laufe "alles nur mit Schmiergeldern". Im Saal sitzen auch Repräsentanten der Erfurter Polizei. 

In Wagishausers Rede klingt auch Verbitterung über Äußerungen an, die die Muslime in Deutschland ausgrenzten. Und er erinnert daran, dass jener muslimische Taxifahrer, der sich im März 2025 in Mannheim nach der Amokfahrt mit zwei Toten und elf Verletzten dem Autofahrer in den Weg stellte, ein Ahmadi mit deutschem Pass war.

Tägliches Beten, Woche für Woche Proteste

Nach Angaben Wagishausers leben rund 60.000 Ahmadis in Deutschland. Sie haben über 80 Moscheen. In Thüringen zählt die kleine Gemeinschaft gut 100 Mitglieder. Kamal Ahmad (37), der Imam, sagt im Gespräch, manchmal seien es 30 Beter in der Moschee, manchmal zehn. Und er erwähnt auch, dass sich immer noch jeden Montag einige Demonstranten vor dem Grundstück aufbauten.

Imam Kamal Ahmad
Kamal Ahmad (37), der Imam der neuen MoscheeBild: Paul-Philipp Braun/epd/IMAGO

Ahmad teilt den Lebensweg vieler Mitglieder der Gemeinschaft in Deutschland. Als er neun Jahre alt war, floh die Familie vor der Verfolgung aus Pakistan. Er machte den Schulabschluss, gehörte zum ersten Jahrgang, der an der eigenen Imam-Ausbildung der Gemeinschaft in Darmstadt studierte, in deutscher Sprache.

Künftig wohnt Ahmad in einer kleinen Wohnung in dem neugebauten Komplex. Rund 1,4 Millionen Euro brachte die Gemeinschaft nach eigenen Angaben für den gesamten Neubau auf, der nach langer Planungszeit zwischen 2018 und 2025 erfolgte. Der Gebetsraum ist 120 Quadratmeter groß, das Minarett acht Meter hoch. Schon das großflächige Werbeschild des nahe gelegenen Baumarktes, eines "Konsumtempels", sei deutlich höher, sagt Bodo Ramelow. 

 

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