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Getreide aus EU-Ländern stark mit Chemikalie belastet

Tim Schauenberg
10. Januar 2026

In 16 EU-Ländern wurde in Getreideproben der Abbaustoff TFA nachgewiesen, der mit Gesundheitsgefahren in Verbindung steht. Die EU plant, künftig einige der sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) zu verbieten.

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Drei Menschen gehen durch ein Getreidefeld, im Hintergrund sieht  man Bäume und ein grünes Feld.
Gift in Getreideproben: Fast überall in der Natur und Landwirtschaft gibt es inzwischen PFAS-Abbaustoffe Bild: BR

Europaweit ist Getreide mit gefährlichen Ewigkeitschemikalien belastet. Zu dem Schluss kommt ein Bericht von PAN-Europe, einem europäischen Netzwerk aus Nichtregierungsorganisationen, die sich für strengere Regulierung von Pestiziden einsetzen.

Dafür wurden 66 Getreideprodukte untersucht, darunter Frühstücksmüslis, Süßigkeiten, Nudeln, Croissants, Brot und Mehl aus 16 europäischen Ländern. Das Ergebnis: 54 der Proben wiesen hohe Werte von Trifluoressigsäure (TFA) auf. Das Abbauprodukt aus Industrie und Pflanzenschutzmitteln steht in Verbindung mit Gesundheitsgefahren, unter anderem für Kinder im Mutterleib. TFA ist besonders wasserlöslich, darum verbreitet es sich durch Regen und Abwasser. Kläranlagen können den Stoff nur mit extrem hohem Aufwand filtern. Die Anzahl der chemischen Stoffe, die sich zu TFA abbauen, steigt laut dem Umweltbundesamt (UBA) stetig an.

Regentropfen fallen auf eine gelbes Material, dass nach einer Plastikfolie oder einem Teil einer Regenjacke aussieht und perlen davon ab.
Auch im Regenmantel: Ewigkeitschemikalien kommen in unzähligen Produkten vor und werden vor allem wegen ihre Wasser-, Fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften eingesetztBild: ZDF

Stoffe beeinflussen Fruchtbarkeit und Immunsystem 

TFA ist eine Ewigkeitschemikalie, die zu den sogenannten PFAS gehört. Das ist eine Gruppe von mehr als 10.000 chemischen Stoffen, die in der Auto-, Papier-, Metall-, Chemie- und Kunststoffindustrie anfallen und sich praktisch in sämtlichen Artikeln des täglichen Lebens befinden - von Kunststoffoberflächen, über Beschichtungen von Pizzakartons bis zu Outdoorkleidung. 

PFAS-Rückstände finden sich inzwischen fast überall in der Natur, können nicht natürlich abgebaut werden und belasten so dauerhaft Wasser, Böden, Luft und Lebensmittel.

Fast jeder hat PFAS im Blut. PFAS können dem Immunsystem schaden, Diabetes verursachen, die Fruchtbarkeit verringern, die Entwicklung von Neugeborenen beeinflussen und stehen auch im Verdacht, Krebs zu begünstigen.

In der aktuellen Untersuchung war Weizen besonders stark mit TFA belastet. Insgesamt war die Konzentration des Stoffes auf Getreide im Schnitt über 100-mal höher als in Leitungswasser. Die Belastung mit TFA wurde besonders bei konventionell angebautem Getreide nachgewiesen, dort war sie mehr als doppelt so hoch als bei Bio-Produkten.

"Menschen werden mit TFA belastet, das hauptsächlich über PFAS-Pestizide in die Nahrung und das Trinkwasser gelangt," so Peter Clausing, Toxikologe beim Pestizid Aktions-Netzwerk, PAN-Germany.

Der Reporter Tim Schauenberg, ein junger Mann mit blauem Hemd und braunen Locken sitzt auf einer Liege einer Arztpraxis und schaut dabei zu, wie ihm eine Arzthelferin Blut aus seinem Arm abnimmt.
Auch im Blut unseres Autors Tim Schauenberg wurde PFAS nachgewiesenBild: Cem Adam Springer

Umweltbundesamt fordert PFAS-Reduktion und höhere Risikostufe

TFA wird seit Jahren auch in deutschen Gewässern nachgewiesen und kommt laut dem Umweltbundesamt nicht nur aus Industrieanlagen, die mit Ewigkeitschemikalien operieren. Es wurde auch als Abbauprodukt verschiedener Pflanzenschutzmittel gefunden. Auch Kühlmittel, die beispielsweise in Klimaanlagen oder Kühlsystemen gebraucht werden, bauen sich zu der giftigen Chemikalie ab.

"In Deutschland sind noch immer 27 PFAS-Wirkstoffe in Pestiziden zugelassen, die TFA freisetzen können. Unsere Untersuchung unterstreicht die Dringlichkeit eines sofortigen Verbots von PFAS-Pestiziden in Deutschland und EU-weit, um diese relevante Belastungsquelle zu stoppen", fordert Clausing.

Das Umweltbundesamt, die höchste deutsche Umweltbehörde, hatte Anfang 2025 eine Verschärfung der Risikostufe für den Stoff vorgeschlagen. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass TFA Kinder im Mutterleib schädigen und vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.

Diese Gefahreneinstufung solle zeigen, was der Stoff bewirken könnte, nicht aber wie hoch das konkrete Risiko wirklich ist, sobald jemand damit in Kontakt kommt, heißt es vom UBA. Dabei sei vor allem die aufgenommene Menge ausschlaggebend.

"Der toxikologische Effekt wurde im Tiermodell erst bei TFA-Konzentrationen nachgewiesen, die deutlich oberhalb der Gehalte in der Umwelt liegen. Derzeit sind gesundheitliche Beeinträchtigungen deshalb nicht zu erwarten, wenn mit TFA belastetes Wasser oder Nahrungsmittel verzehrt werden", so der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung Andreas Hensel auf der Webseite des UBA. Die neue Einstufung sei ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung weiterer Maßnahmen, damit dies auch in Zukunft so bleibe. 

Das Umweltbundesamt treibt zusammen mit den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Norwegen einen Vorschlag voran, PFAS in der EU künftig stärker zu regulieren und die Nutzung zu beschränken.

Ein Feuerwehrmann löscht mit einem dicken gelben Schaum einen ausgebrannten LKW. Der Boden ist komplett mit weißem Schaum bedeckt.
Noch befinden sich PFAS-Stoffe in hohen Konzentrationen in Löschschäumen - ab 2030 ist das in der EU verbotenBild: Oliver Mueller/IMAGO

Grenzwerte überschritten? 

Wird in einer Probe mehr als 0,01 Milligramm TFA pro Kilogramm gefunden, ist damit der Standard-Grenzwert für Pestizidrückstände in der EU überschritten.

Eine höhere TFA-Konzentration in Nahrungsmitteln sollte nicht akzeptiert werden, fordert PAN. Die Organisation hatte bei ihrer Untersuchung in der Mehrzahl der Getreideprodukten deutlich höhere TFA Rückstände gefunden.

Das tut die EU

Im Oktober 2025 hat die EU Grenzwerte für PFAS in Löschschäumen beschlossen, die ab 2030 gelten.

Einzelne der Ewigkeitschemikalien werden schon länger streng überwacht. NGOs sowie einige EU-Mitgliedsländer fordern allerdings eine Regulierung für alle PFAS, nicht nur für einzelne der Risiko-Chemikalien. Die Europäischen Chemikalienagentur und der Ausschuss für Risikobeurteilung arbeiten derzeit an einem Gutachten, auf dessen Grundlage die EU-Kommission ab 2027 einen Gesetzesvorschlag zur Zukunft der Ewigkeitschemikalien erarbeiten will.

Die EU-Kommission plant, PFAS in Konsumprodukten in Zukunft komplett zu verbieten. Das könne ab 2030 der Fall sein. Bis es dazu kommt, muss aber erst ein Gesetzesentwurf vorgelegt werden, dem das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten zustimmen müssen.

Redaktion: Anke Rasper

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