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Jan Hempel: "Wurde sexuell missbraucht"

19. August 2022

In einer ARD-Dokumentation beschuldigt der frühere Europameister im Wasserspringen, Jan Hempel, seinen Ex-Trainer, ihn 14 Jahre lang sexuell missbraucht zu haben. Dem Deutschen Schwimmverband wirft er Untätigkeit vor.

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Wasserspringer Jan Hempel nach einem Sprung bei der WM 1994 in Rom
"Alle haben geschwiegen, bis heute" - Ex-Wasserspringer Jan Hempel erhebt Vorwürfe gegen den VerbandBild: Laci Perenyi/IMAGO

Jan Hempel spricht leise. Immer wieder stockt er, sucht nach Worten für das Unfassbare, was er erzählen will, was er erzählen muss. Mehrmals wischt sich der frühere Weltklasse-Wasserspringer mit den Händen über das Gesicht. Man spürt: Er führt gerade einen sehr harten Kampf mit sich. Hempel spricht über eine 14 Jahre anhaltende Leidensgeschichte.

Von 1982 bis 1996 ist er nach eigenen Angaben von seinem damaligen Trainer Werner Langer immer wieder sexuell missbraucht worden. Jetzt, mit fast 51 Jahren, geht er damit an die Öffentlichkeit. In einer Dokumentation der ARD unter dem Titel "Missbraucht - Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport" spricht der Olympia-Zweite von Atlanta 1996 über die Vorwürfe gegen den 2001 gestorbenen Langer. "Ich bin von meinem Trainer missbraucht worden. Er hat keinen Zeitpunkt ausgelassen, um nicht seinen Wünschen und Bedürfnissen freien Lauf zu lassen", sagt Hempel und fügt an: "Ich glaube, man ist es anderen auch für die Zukunft schuldig, dass man darüber spricht."

DSV suspendiert vorläufig Bundestrainer Buschkow

Vor Olympia in Atlanta 1996 wehrt sich Hempel eigenen Angaben zufolge erstmals gegen Langer. Im folgenden Jahr habe er der damaligen Bundestrainerin über die Vorkommnisse berichtet. Langer sei damals suspendiert worden, aber nicht wegen eines Missbrauchs, sondern wegen einer angeblichen Stasi-Vergangenheit, sagt Hempel. "Alle haben geschwiegen, bis heute." Hempel wirft dem amtierenden Bundestrainer der Wasserspringer Lutz Buschkow vor, damals ebenfalls Kenntnis von den Vorwürfen gehabt zu haben. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) stellte Buschkow bei den Europameisterschaften in Rom am Donnerstag bis zur finalen Klärung des Sachverhalts von seiner Tätigkeit frei. 

sn/dvo (dpa)