Faktencheck: Sind Chinas Roboter-Soldaten nur KI-Fakes?
20. Februar 2026
Ein knappes Dutzend humanoider Roboter vor einer schneebedeckten Bergkette. Sie halten Waffen im Anschlag, die Maschinengewehren ähneln. Sie laufen geschmeidig über einen Schießplatz, knien nieder, schießen auf Zielscheiben, wechseln die Magazine und laufen weiter, teils durch einen Hindernisparcours. Dieses 48 Sekunden lange Video kursiert derzeit in sozialen Netzwerken. Angeblich soll dies in China sein, die Staatsflagge weht im Hintergrund.
Doch ist es wirklich echt? DW Faktencheck hat das Video überprüft.
Behauptung: "China hat ein Video von Schießübungen mit Terminator-ähnlichen Robotern veröffentlicht", heißt es in einem Post auf X, der 375.000 Mal gesehen wurde. In einem anderen heißt es: "China hat mehr als 10.000 Robotersoldaten im Einsatz, die die menschlichen Kosten senken werden, wenn zwischen China und Taiwan 2027 Krieg ausbricht." Andere Posts bezeichneten das Video als "Schießtest von Unitree Robotics", darunter ein Beitrag auf X mit mehr als 1,5 Millionen Aufrufen. Auch auf vielen weiteren Sprachen wurde das Video mit ähnlichen Behauptungen verbreitet, darunter Arabisch, Französisch, Russisch, Spanisch, Türkisch, Portugiesisch, Georgisch und Vietnamesisch.
DW Faktencheck: Fake
Die im Video gezeigten Roboter sind an das Modell G1 des chinesischen Unternehmens Unitree Robotics angelehnt. Das Video zeigt aber keine reale Szene, es ist mit Künstlicher Intelligenz erstellt worden. Einige Nutzer äußern zumindest die Vermutung, das Video könnte KI-generiert sein - verbreiten es aber dennoch mit falschen Behauptungen weiter.
Über eine Bilderrückwärtssuche eines Standbilds aus dem Video haben wir eine höheraufgelöste, etwas kürzere Version auf Youtube gefunden, die mehr Details erkennen lässt. Dies hat DW Faktencheck Bild für Bild analysiert. Hilfreich ist dabei, auf Objekte oder Bewegungen zu achten, die am Bildrand oder im Hintergrund sind.
An mehreren Stellen sind KI-typische Unstimmigkeiten zu erkennen, die nicht beim Schneiden des Videos entstehen könnten.
- In der Mitte des Videos lädt ein Roboter ein Magazin nach, zwei Sekunden später ist das Magazin unter dem Gewehrlauf spurlos verschwunden.
- Zu sehen ist ein Mensch, der einen Schießbefehl erteilt. In einer Hand hält er ein Sprechfunkgerät. Wenn er die Hand hebt, verschmilzt sie mit dem Gerät zu einer Masse.
- Zwei im Hintergrund stehende Autos sind ebenfalls deformiert und wirken wie verschmolzen.
- Ein Roboter bewegt sich geisterhaft durch einen Stapel aus Sandsäcken, ohne darüberzusteigen.
- Der Schriftzug auf dem Brustkorb der Roboter verschwindet immer wieder und ähnelt nur teilweise dem echten Firmennamen "Unitree" an derselben Stelle beim realen G1-Modell.
Auch ein Experte für Waffen und Munition weist auf logische Fehler in dem Video hin. "Es gibt an mindestens zwei Stellen keinen Hülsenauswurf und bei Minute 0:23 wird ein leeres Magazin in die Waffe geladen", analysiert Philipp Cachée, Sachverständiger für forensische Ballistik, das Video für die DW. Er spricht "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" von einem KI-generierten Video.
Hinzu kommt: Das Video ist auch auf der in China verbreiteten Videoplattform Bilibili veröffentlicht worden. Hier allerdings mit dem Hinweis, dass es KI-generiert sei.
Roboter, die tanzen und Kampsport betreiben
Unitree Robotics ist spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion von vierbeinigen und humanoiden - also menschenähnlichen - Robotern. Die DW hat das Unternehmen zu dem Video mit den Roboter-Soldaten kontaktiert, die Fragen blieben bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unbeantwortet.
Auf seiner englischen Webseite schreibt das Unternehmen, es sei bekannt für seine zivilen Roboter. Auf seinen offiziellen Social-Media-Profilen zeigt Unitree, welche komplexen Bewegungsabläufe die Roboter inzwischen meistern können, darunter Tanzen, Kampfsport oder wie sie sich durch unwegsames Gelände bewegen.
Gerade erst war das Unternehmen in den Medien, weil seine Roboter bei einer Gala zum chinesischen Neujahrsfest mit einer Choreographie auftraten und dabei Saltos und Kung-Fu-Tricks zeigten.
Von Waffen oder einer militärischen Nutzung ist auf den Profilen des Unternehmens in jüngster Zeit nichts zu sehen. Dies schließt zwar nicht aus, dass solche Tests stattfinden könnten. Das nun verbreitete KI-Video zeigt aber keine reale Übung mit Unitree-Robotern.
Roboter-Soldaten erregen weltweit Aufsehen
Später verbreitete sich in sozialen Netzwerken ein weiteres Video, das wieder humanoide Roboter bei Schießübungen zeigt, dieses Mal zusammen mit vierbeinigen Robotern zwischen Häuserruinen. Auch dieses Video verbreitete sich über viele Sprachen und soziale Netzwerke.
Behauptung: "Es ist real!!! Chinesische Humanoide von Unitree feuern jetzt Gewehre vom Typ 191 ab!", behauptet ein Nutzer auf X, dessen Post in weniger als einem Tag mehr als 680.000 Mal gesehen wurde. "Kung-Fu-Roboter im Umgang mit Waffen trainieren", schreibt ein weiterer. Auf Französisch betont ein Nutzender auf Facebook, der beide Videos gleichzeitig teilt, dies sei nicht KI. Auch auf Spanisch, Arabisch, Türkisch, Koreanisch wird das Video ohne Hinweis auf KI geteilt.
DW Faktencheck: Fake
Das Video trägt ein Wasserzeichen, das wieder zur Plattform Bilibili führt - veröffentlicht wurde es dort von demselben Nutzenden, der auch schon das erste Video im Gebirge verbreitete. Dieser Nutzer teilt es aber mit dem Hinweis: "Taktische Sturmübung eines Unitree-Robotertrupps, KI-erstellt, der Videoinhalt dient nur der Unterhaltung."
Schaut man sich dieses Video genau an, gibt es auch hier Unstimmigkeiten, die auf KI schließen lassen. Ein Ziel, auf das geschossen wird, erscheint bei Minute 0:33 aus dem Nichts, bei Minute 0:38 zieht einer der Roboter beim Sprung über einen Holzzaun ein Bein durch den massiven Zaun durch.
Auffällig ist, dass dieses Video bearbeitet wurde, bevor es in anderen Netzwerken verbreitet wurde. Es wurden ein Logo und Textelemente hinzugefügt, damit es optisch wie ein Fernsehbericht wirkt. Nachgeahmt ist das Layout des staatlichen Kanals CCTV-Militär, jedoch ist das Logo im Video unvollständig. Unter dem Stern fehlen die normalerweise vom Sender verwendeten Schriftzeichen für den Namen des Kanals.
Die unten auf dem Video hinzugefügte Schrift kündigt an: "Expertenanalyse - Militärbericht: Neue Hightech-'Gefährten' im Einsatz! Besuch auf dem taktischen Übungsgelände für Mensch-Maschine-Kooperation." Während das noch Sinn ergeben mag, geht der eingefügte Text auf dem Video weiter mit zusammengewürfelten Schlagworten, was für einen echten Medien-Beitrag unüblich ist.
Keine Roboterarmee, aber Einsatz im Alltag
Diese derzeit kursierenden Videos von schießenden Robotern sind KI-generiert. China ist jedoch auf dem Weg, humanoide Roboter im Alltag einzusetzen, auch um Sicherheitskräfte zu unterstützen.
Vor einem knappen Jahr berichtete der staatliche englischsprachige chinesische Sender CGTN, dass in der Stadt Shenzhen ein humanoider Roboter zusammen mit Polizisten auf Streife ging. In mehreren großen chinesischen Städten wie Wuhan oder Shanghairegeln solche Roboter den Verkehr oder werden dafür trainiert.
Mitarbeit: Daniel Ebertz, Juan Ju, Shitao Li