1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Fast 800 Millionen Menschen hungern

12. Oktober 2015

Es gibt Fortschritte bei der Bekämpfung des weltweiten Hungers. Doch bewaffnete Konflikte, so der aktuelle Welternährungs-Index, machten viele Erfolge zunichte - die Welternährungslage bleibe kritisch.

https://p.dw.com/p/1GmxA
Symbolbild Hungernot Afrika
Bild: picture-alliance/dpa

Etwa 795 Millionen Menschen weltweit hungern oder leiden an Unterernährung. Das geht aus dem Welthunger-Index 2015 (WHI) vor, der am Montag von der Welthungerhilfe und dem Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungs- und Entwicklungspolitik (IFPRI) in Berlin vorgestellt wurde. Mehr als jedes vierte Kind auf der Welt leidet demnach unter chronischer Unterernährung und neun Prozent aller Kinder sind akut unterernährt.

Positives aus Lateinamerika und dem Fernen Osten

Zugleich macht der WHI aber auch die Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers deutlich. Seit dem Jahr 2000 sei die Zahl der Menschen, die deutlich zu wenig Essen haben, um etwa ein Viertel (27 Prozent) zurückgegangenen. So konnten 17 Länder ihren Hungerwert um mindestens 50 Prozent reduzieren, darunter Brasilien, Kirgistan, Peru und Kroatien.

Infografik Welthunger-Index 2015 nach Schweregrad

Auch in früheren Bürgerkriegsländern wie Angola, Äthiopien und Ruanda hat sich die Ernährungslage verbessert, wie der Bericht zeigt. Sie bleibe aber weiter kritisch. Am problematischsten ist die Situation demnach immer noch in Afrika südlich der Sahara und in Südasien.

Laut Index konnten 17 Länder ihren WHI-Wert um 50 Prozent oder mehr senken, in 68 Ländern fiel er um 25 bis 49 Prozent und in 28 Ländern ging er um 25 oder mehr Prozent zurück. So wird die Situation des Hungers inzwischen in 23 Ländern als "mäßig" und in 29 Ländern als "wenig" bewertet. Positive Entwicklungen verzeichnen vor allem Lateinamerika und asiatische Staaten wie Thailand oder China.

Konflikte als "Hungertreiber"

Der Welternährungs-Index wird jedes Jahr vom Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungs- und Entwicklungspolitik vorgelegt. Er berechnet Fortschritte oder Rückschritte beim Kampf gegen den Hunger. Der Index erscheint jetzt zum zehnten Mal und erfasst die Hungersituation in 117 Ländern. In diesem Jahr befasst er sich besonders mit Konflikten als wesentlichem "Hungertreiber".

Aufgrund fehlender Daten zur Unterernährung konnten die WHI-Werte für einige Länder mit notorisch hohen Hungerwerten nicht errechnet werden, darunter Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, die Komoren, Somalia, der Sudan und der Südsudan.

Vor allem in Afrika ist Lage oft ernst

Das IFPRI legt vier Indikatoren zugrunde: Den Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung sowie die Verbreitung von Auszehrung, von Wachstumsverzögerungen und die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren. Die Industrieländer, in denen Ernährungssicherheit gilt, wurden nicht einbezogen. Zudem fehlen Nationen wie Syrien und Libyen, weil hier keine Daten vorliegen. Diese Krisen- und Bürgerkriegsstaaten standen vergangenes Jahr teilweise am Ende der Skala.

Auf der Skala von 0 bis 100 (als schlechtestem Wert) wird die Lage von 44 Ländern vor allem in Afrika südlich der Sahara und Südasien mit Werten zwischen 20,1 bis 34,5 als "ernst" eingestuft. Als "sehr ernst" gilt die Situation in der Zentralafrikanischen Republik, Tschad, Sambia, Osttimor, Sierra Leone, Haiti, Madagaskar und Afghanistan.

"Hunger ist ein komplexes Problem"

"Konflikte wie in Syrien, dem Irak oder dem Südsudan sind die größten Hungertreiber", sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann. Derzeit seien schätzungsweise 172 Millionen Menschen von bewaffneten Konflikten betroffen. Nur wenn es gelinge, die Ursachen für Konflikte und Kriege zu beseitigen, könne der Hunger langfristig besiegt werden.

Der enge Zusammenhang zwischen bewaffneten Konflikten und Hunger wird dem Bericht zufolge besonders bei aktuellen Kriegen deutlich, in denen neben nationalen Armeen und Rebellen auch ethnische Milizen, paramilitärische Verbände, Söldner sowie internationale Streitkräfte beteiligt sind.

Langfristige, nachhaltige Lösungen seien wegen der vielen Akteure schwierig und Hilfsorganisationen hätten kaum Zugang zu den Bedürftigen. Beispiele dafür seien Syrien und Afghanistan. Für solche Konflikte müsse die Staatengemeinschaft Lösungen finden - auch um weitere Hungersnöte zu vermeiden, betonte Dieckmann.

IFPRI-Sprecher Klaus von Grebner sagte, Hunger sei ein "komplexes Problem". Neben landwirtschaftlichen müssten auch soziale Lösungen und Ernährungsstrategien gefunden werden. "Wenn diese drei Maßnahmen zusammen kommen, dann ist der Erfolg am größten." Beispielhaft hierfür sind Grebner zufolge Brasilien, Vietnam und Thailand.

dk/Bru (kna/epd)