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FED tritt auf die Bremse - und die EZB?

Mischa Ehrhardt Frankfurt am Main
4. November 2021

Die US-Notenbank beginnt damit, den Kauf von Anleihen zurückzufahren. Damit könnte diese Form der Krisenhilfe bereits Mitte kommenden Jahres beendet sein. Was aber, wenn die Preise immer weiter steigen?

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Bündel von Dollar-Noten in der US-Notenbank-Druckerei
Bündel von Dollar-Noten in der US-Notenbank-DruckereiBild: DW/Marek/Steinbuch

Die US-Notenbank Fed (Federal Reserve) bewegt sich - noch vor der Europäische Zentralbank. Auf ihrer geldpolitischen Sitzung am Mittwoch hat die US-Notenbank den ersten Schritt in Richtung einer Normalisierung ihrer Geldpolitik vollzogen. Bereits im November will die - nach wie vor wichtigste - Notenbank der Welt ihr Anleihekaufprogramm reduzieren.

Wie andere Notenbanken pumpt auch die Fed über den Ankauf von Anleihen Milliardensummen in den Finanzkreislauf, um die Zinsen niedrig zu halten und damit die Wirtschaft zu unterstützen. Die Summe von 120 Milliarden US-Dollar monatlich wird in diesem Monat bereits um 15 Milliarden Euro sinken. Einen zweiten solchen Schritt hat die Fed für Dezember angekündigt.

Zinsen bleiben (noch) unverändert

Mögliche Zinserhöhungen dagegen sind für die US-Zentralbank noch kein Thema. "Wir glauben nicht, dass es an der Zeit ist, die Zinsen anzuheben", sagte Fed-Chef Jerome Powell nach den geldpolitischen Beschlüssen am Mittwochabend. Trotz verbesserter Lage am Arbeitsmarkt gebe es noch Raum für Verbesserungen.

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank (Federal Reserve)
Jerome Powell, Chef der US-Notenbank (Federal Reserve)Bild: picture-alliance/AP/A. Brandon

Dass die US-Notenbank die Reduzierung ihrer Anleihekäufe damit früher in die Wege leitet als beispielsweise die Europäische Zentralbank (EZB) liegt darin begründet, dass die US-Konjunktur auf dem Weg der Erholung vom Einbruch der Pandemie weiter fortgeschritten ist als die Volkswirtschaften in den Ländern der Eurozone. Zudem liegt die Inflation in den USA deutlich höher als in der Eurozone.

Der Blick auf Inflation und Preisstabilität ist für das Handeln der Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks entscheidend.  Im September hatte die Inflation in den USA 5,4 Prozent erreicht - und damit das höchste Niveau seit 2008. Nach erster Schätzung von Eurostat lag die Preisteuerung im Euroraum im Oktober bei 4,1 Prozent.

Inflation als vorübergehendes Problem

Beide Notenbanken gehen davon aus, dass der mit der Wiedereröffnung der Wirtschaft nach der Corona-Krise zusammenhängende Anstieg der Inflation vorübergehend ist: "Während die Pandemie abklingt, werden Lieferkettenprobleme nachlassen und der Stellenaufbau wird anziehen", unterstrich Powell. Dann werde auch die Inflation von ihrem derzeit hohen Niveau wieder herunterkommen. Der Zeitpunkt allerdings, wann dies geschehen könnte, sei nicht sicher zu bestimmen.

Jerome Powell hat schließlich auch den Kurs für die kommenden Monate umrissen: Monatlich könnten die Käufe um jeweils 15 Milliarden Dollar sinken. Sollte die US-Notenbank diesen Kurs halten, würden die Geldspritzen im Juni nächsten Jahres auslaufen. Allerdings hält sich die Fed die Möglichkeit offen, den Kurs falls nötig zu korrigieren, sprich: Sollte sich die Lage etwa am Arbeitsmarkt oder die Inflation verändern, könnte die US-Notenbank auch stärker oder weniger stark bremsen.

Fahrt mit "heißen Reifen"

"Die Fed weiß, dass sie derzeit einen heißen Reifen fährt. Ein geldpolitischer Strategiewechsel tat Not", sagte Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP BANK. "Einerseits hat das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt sein Ausgangsniveau vor der Krise wieder überschritten, andererseits haben Inflationsrisiken merklich zugenommen. Die US-Währungshüter sind auch ihren Beschäftigungszielen näher gerückt. Für Notmaßnahmen besteht gegenwärtig also keine Notwendigkeit mehr."

Bereits zuvor hatte die US-Notenbank angekündigt, die Leitzinsen von derzeit 0 bis 0,25 Prozent erst dann erhöhen zu wollen, wenn das Anleihekaufprogramm beendet ist. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass eine erste Leitzinserhöhung tatsächlich in der zweiten Jahreshälfte 2022 folgen wird.

Noch kein Ende des Notprogramms in Sicht: EZB-Chefin Christine Lagarde
Noch kein Ende des Notprogramms in Sicht: EZB-Chefin Christine LagardeBild: Boris Roessler/dpa/picture alliance

Die Wende hin zur Normalität - und damit der Beginn vom Ende des Krisenmodus - wurde an den Finanzmärkten gefeiert. Am Aktienmarkt in New York kletterten die wichtigsten Indices wie  der S&P 500, der Dow Jones oder der Technologie-Index Nasdaq auf neue Rekorde.

Die Europäische Zentralbank dagegen lässt sich noch Zeit mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik. Erst kürzlich hatte EZB-Chefin Christine Lagarde erklärt, dass es aller Voraussicht nach nicht zu einer Zinserhöhung im kommenden Jahr kommen werde. "Es ist nicht verwunderlich, dass die Fed lange vor der EZB mit einer Straffung ihrer Geldpolitik beginnt", sagte ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann. Denn die konjunkturelle Erholung der USA sei weiter fortgeschritten. Außerdem sei die Fiskalpolitik der US-Regierung deutlich expansiver als in Europa.