Flucht in virtuelle Gärten: VR-Therapie für Kinder in Gaza
In Al-Zawayda im Gazastreifen erleben traumatisierte Kinder in einer virtuellen Realität für kurze Zeit Frieden: Grüne Wiesen, Strände und Spiele ersetzen den von Krieg und Zerstörung geprägten Alltag.

Flucht in andere Welten
In Al-Zawayda, im zentralen Gazastreifen, bietet die Hilfsorganisation TechMed Gaza traumatisierten Kindern Virtual-Reality-Erlebnisse zur psychologischen Unterstützung an. Dank VR-Headsets tauchen sie für kurze Zeit in friedliche Welten ein: Grüne Wiesen, Meere und Städte ohne Gefahren, ersetzen den vom Krieg geprägten Alltag.
Ein kurzer Moment der Heiterkeit
Dieses Mädchen lässt seine Gehhilfe los - anscheinend, um in seiner virtuellen Welt nach etwas zu greifen. Die Virtual-Reality-Erfahrungen sind Teil eines psychosozialen Unterstützungsprogramms. Sie sollen den Kindern helfen, Stress abzubauen und emotionale Entlastung zu finden. Angstzustände, Schlafstörungen und emotionaler Rückzug sind laut Psychologen verbreitete Folgen tiefsitzender Traumata.
"Habe Ruhe und Frieden gefühlt"
Dieser 15-jährige Junge mit Kriegsverletzung beschreibt sein Erlebnis: Er sehe nur Bäume, Gras und Blumen. In diesem Moment hab er etwa gespürt, was er lange nicht gefühlt habe: Ruhe und Freude. Während der Sitzungen reagieren viele Kinder sichtbar entspannt. Betreuer berichten von mehr Ruhe, Aufmerksamkeit und gelegentlichem Lachen - Reaktionen, die im Alltag selten geworden sind.
Schnellere Öffnung für Gesprächstherapie
Die Virtual-Reality-Erfahrungen sind Teil eines psychosozialen Unterstützungsprogramms. Therapeuten berichten, dass Kinder nach wenigen Sitzungen deutliche Fortschritte machen. Die VR-Behandlung ermöglichen demnach oft schon nach fünf bis sieben Sitzungen einen therapeutischen Zugang, ansonsten sind es zehn bis zwölf Einheiten. Dadurch werden Gespräche über Ängste und Erlebtes erst möglich.
Eine Million Kinder brauchen psychosoziale Hilfe
Jonathan Crickx, Sprecher des UN-Kinderhilfswerks Unicef, sagt, dass "alle Kinder im Gazastreifen" - geschätzt rund eine Million - nach zwei Jahren eines entsetzlichen Krieges psychologische und psychosoziale Unterstützung benötigen. Die Flucht in eine virtuelle Realität kann Krieg und Leid nicht beenden. Doch für traumatisierte Kinder bietet die Technologie Auszeiten von Leid und Gewalt.