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Afrika-Cup: Marokkos Titel-Traum versinkt im Chaos

19. Januar 2026

Ein fast abgebrochenes Finale, ein schwacher Elfmeter und ein Traumtor in der Verlängerung: Das Finale im Afrika-Cup geht in die Geschichte des Turniers ein. Senegal bejubelt den Titel, allerdings drohen Konsequenzen.

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Brahim Diaz verzieht nach seinem vergebenen Elfmeter enttäuscht das Gesicht
Ein kläglich vergebener Elfmeter von Stürmer Brahim Diaz kostet Marokko den Titelgewinn beim Afrika-CupBild: Ulrik Pedersen/NurPhoto/picture alliance

Als Marokkos Torjäger Brahim Diaz bei der Siegerehrung als bester Torschütze des Afrika-Cups ausgezeichnet wurde, war er nur noch ein Häufchen Elend. Mit Tränen in den Augen schlich er an den Honoratioren vorbei und ließ sich von FIFA-Präsident Gianni Infantino den Goldenen Schuh in die Hand drücken.

Rund eine Stunde zuvor hätte er das Turnier krönen können. In der letzten Minute der Nachspielzeit des Endspiels zwischen Gastgeber Marokko und dem Senegal hatte der Schiedsrichter nach Videobeweis auf Elfmeter für Marokko entschieden. Diaz war vor einem Eckball von seinem Gegenspieler leicht von hinten an Schulter und Hals gezupft worden und zu Boden gegangen.

Chaos und Tumulte - drohender Spielabbruch

Die Entscheidung war hart und löste wilde Tumulte aus. Die Senegalesen fühlten sich klar benachteiligt, denn nur Sekunden zuvor hatte der kongolesische Referee Jean-Jacques Ndala Ngambo bei einem leichten Kontakt auf der anderen Seite auf Stürmerfoul des Senegal entschieden. Direkt danach schlug der Ball im Tor ein.

Doch da der Schiedsrichter das Ende der Szene nicht abgewartet und sofort gepfiffen hatte, konnte der Videoschiedsrichter nicht mehr korrigierend eingreifen und die Tatsachenentscheidung stand: Foul und kein Tor für den Senegal.

Entsprechend groß war die Wut nach dem Elfmeterpfiff für Gastgeber Marokko. Spieler und Betreuer lieferten sich eine wilde Rangelei. Senegals Trainer Pape Thiaw war schließlich so sauer, dass er seine Spieler vom Platz in die Kabine schickte. Die meisten befolgten seine Anweisung, nur wenige - darunter Mannschaftskapitän Sadio Mané - blieben draußen und wurden von den Marokkanern gedrängt, doch bitte weiterzuspielen, weil anderenfalls ein Spielabbruch drohte.

Schließlich war es Mané, der seine Teamkollegen aus der Kabine holte und damit den nächsten Akt des Dramas und den wohl dunkelsten Moment in der bisherigen Karriere von Brahim Diaz einleitete.

Schwacher Elfmeter kostet Marokko den Sieg

Denn als der Stürmer von Real Madrid nach über zehn Minuten Unterbrechung endlich zum Elfmeter antrat, der ihm und seinem Team nach 50 Jahren wieder den Sieg im Afrika-Cup bescheren sollte, machte er das auf die denkbar schlechteste Art und Weise.

Diaz chippte den Ball nur leicht in die Mitte des Tores, ein sogenannter "Panenka", benannt nach Antonin Panenka, der 1976 mit einem solchen Elfer das EM-Finale zugunsten der CSSR entschied. Senegals Torhüter Edouard Mendy blieb einfach stehen und fing den schwachen Versuch locker aus der Luft. Direkt danach war Schluss und es ging nach 90 Minuten plus 24 Minuten Nachspielzeit in die Verlängerung.

Dort dauerte es nicht lange, bis Pape Gueye nach einem schönen Konter mit einem wuchtigen Schuss in den oberen rechten Winkel die Führung für den Senegal erzielte und die Marokkaner noch mehr in Verzweiflung stürzte (94.).

Denn trotz einiger guter Möglichkeiten, schafften es Marokko nicht mehr, den Ausgleich zu erzielen. Senegal setzte sich mit 1:0 durch und gewann zum zweiten Mal nach 2022 den Afrika-Cup.

Während die Senegalesen ausgelassen feierten, machten die Marokkaner ihrem Ärger Luft. "Das Spiel, das wir hatten, war beschämend für Afrika", sagte Marokkos Nationaltrainer Walid Regragui sichtlich frustriert über das Verhalten des Gegners vor dem Elfmeter. Seinen Schützen schonte er aber auch nicht. "Das ist keine Entschuldigung dafür, wie Brahim geschossen hat", sagte Regragui. "Wir müssen akzeptieren, dass er vergeben hat."

Vorwürfe gegen Marokko schon vor dem Finale

Von Senegals Seite war die Stimmung bereits vor dem Endspiel aufgeheizt gewesen. Der senegalesische Fußballverband (FSF) hatte Vorwürfe gegenüber Gastgeber Marokko erhoben und einer Mitteilung "große Besorgnis hinsichtlich mehrerer Missstände" ausgedrückt.

So sei die Mannschaft bei ihrer Ankunft am Bahnhof einer "gefährlichen Situation" ausgesetzt gewesen durch "mangelnde Sicherheitsvorkehrungen".

Trainerstreit nach umstrittener Elfmeterentscheidung im Afrika-Cup-Finale zwischen Marokko und Senegal
Werden wohl keine Freunde mehr: Senegals Trainer Pape Thiaw (l.) und sein marokkanischer Kollege Walid Regragui (r.)Bild: Youssef Loulidi/AP Photo/dpa/picture alliance

"Was gestern passiert ist, war nicht normal", sagte Nationaltrainer Pape Thiaw. "Angesichts der Anzahl der Menschen hätte alles Mögliche passieren können. Meine Spieler hätten in Gefahr sein können."

Auch die Unterbringung habe nicht den Standards entsprochen. Erst nach einem Protest sei den Senegalesen ein angemessenes Fünf-Sterne-Hotel zugewiesen worden. Zudem rief der den Senegalesen angebotene Trainingsplatz Unmut hervor und auch weil man nur 3000 Karten für das Spiel im 69.500 Zuschauer fassenden Prince Moulay Abdellah Stadium in Rabat erhalten hatte, fühlte man sich "benachteiligt".

FIFA-Präsident Infantino fordert Konsequenzen

Umso größer war die Freude über den Sieg. Im Stadion wurde ausgelassen gefeiert und auch in der senegalischen Hauptstadt Dakar verwandelten sich die Straßen in ein einziges Fest. Feuerwerke erhellten die Nacht, Autokorsos und Hupkonzerte dauerten bis zum Morgen. Der Präsident Senegals erklärte den 19. Januar sogar zum Feiertag - Schulen und Büros bleiben geschlossen.

Trauriger Brahim Diaz erhält Goldenen Schuh von Gianni Infantino
Trost vom FIFA-Boss: Brahim Diaz kann sich über die Auszeichnung als bester Torschütze nicht freuenBild: Themba Hadebe/AP Photo/dpa/picture alliance

Allerdings könnte der Finalsieg noch ein Nachspiel haben. FIFA-Präsident Infantino bezeichnete die Vorfälle im Stadion als "inakzeptabel". "Wir verurteilen das Verhalten einiger 'Fans' sowie einiger senegalesischer Spieler und Mitglieder des Trainerstabs aufs Schärfste. Es ist inakzeptabel, das Spielfeld auf diese Weise zu verlassen, und Gewalt darf in unserem Sport nicht toleriert werden", sagte der Schweizer. 

Wenn man die Entscheidungen der Schiedsrichter auf und neben dem Spielfeld nicht stets respektiere, würde das Wesen des Fußballs gefährdet. "So etwas hat im Fußball nichts zu suchen", meinte Infantino. Er erwarte, dass die zuständigen Disziplinargremien des afrikanischen Fußball-Verbandes CAF die entsprechenden Maßnahmen ergreifen.