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DFB-Spitze lehnt Debatte über Boykott der Fußball-WM ab

27. Januar 2026

DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Ligachef Hans-Joachim Watzke wollen nicht über einen möglichen Boykott der WM 2026 als Reaktion auf Donald Trumps Politik diskutieren.

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DFB-Präsident Bernd Neuendorf (r.) und DFL-Ligapräsident Hans-Joachim Watzke beim Neujahrsempfang des DFB in Frankfurt am Main
Keine Boykott-Debatte - DFL-Ligapräsident Hans-Joachim Watzke (l.) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf (r.) sind einer Meinung Bild: Florian Wiegand/dpa/picture alliance

Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), hält Diskussionen über einen WM-Boykott aktuell für unangebracht.

"Ich glaube, das ist gar keine große Debatte, weil wir sind - glaube ich - sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten", sagte Neuendorf beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt am Main.

Kritik an DFB-Vize Göttlich

Zugleich kritisierte Neuendorf den Vorstoß von DFB-Vizepräsident Oke Göttlich. Der Klubchef des Bundesligisten FC St. Pauli hatte mit Verweis auf die Politik von US-Präsident Donald Trump einen Boykott der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko ins Spiel gebracht.

"Der Kollege ist noch nicht so lange dabei", sagte Neuendorf. "In der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen zunächst mal in den Gremien besprechen und uns dann dazu eine Meinung bilden. Er ist jetzt leider vorgeprescht mit dem Thema." 

DFB-Vizepräsident Oke Göttlich bei einem Spiel seines Klubs FC St. Pauli
DFB-Vizepräsident Oke Göttlich eckte mit seinen Äußerungen in der DFB-Spitze anBild: Niklas Heiden/IMAGO

Beim Neujahrsempfang erneuerte Göttlich seinen Vorstoß. "Ich bin vielleicht anderer Meinung als viele meiner Kollegen", sagte er der ARD-Sportschau. "Ich bin aber auch ein Demokrat, der verstehen kann, wenn es am Ende dazu führt, dass mehrheitlich beschlossen wird, dass ein Boykott vielleicht auch nicht das richtige Zeichen des deutschen Fußballs ist." 

Bayern-Chef Dreesen: "Auf Fußballspielen konzentrieren"

DFL-Ligapräsident Hans-Joachim Watzke äußerte sich ähnlich wie Neuendorf. "Ich glaube nicht, dass momentan die Zeit reif ist, über so etwas zu diskutieren", sagte Watzke. Er halte das Thema für "jetzt völlig fehl am Platze". Er habe nur "eine Einzelmeinung irgendwo gelesen".

Dem pflichtete auch Jan-Christian Dreesen, Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München bei. Die Meinung des DFB sei eindeutig. Man habe "in der Vergangenheit noch nie eine WM gesehen, die boykottiert worden wäre".

Dreesen erinnerte an die WM 2018 in Russland, die vier Jahre nach der russischen Annexion der Krim stattgefunden habe. Damals habe die deutsche Nationalmannschaft teilgenommen, und er wisse nicht, warum man nicht auch in diesem Jahr am Turnier teilnehmen solle. Der Sport müsse sich auf das Fußballspielen konzentrieren, die Geopolitik werde woanders gemacht. 

Kimmich: "Nehme nicht mehr an politscher Diskussion teil"

Rund um den Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Donald Trumps Besitzansprüchen auf Grönland hatte es Stimmen aus der Politik gegeben, dass man eine WM-Teilnahme überprüfen müsse. Spieler und Verantwortliche aus der Bundesliga äußerten sich in den vergangenen Tagen sehr zurückhaltend.

deutsche Fußball-Nationalspieler halten sich beim Mannschaftsfoto  vor dem WM-Spiel gegen Japan in Katar den Mund zu
Die deutschen Fußball-Nationalspieler machten sich mit ihrem "Mund-zu"-Protest in Katar nicht nur FreundeBild: Javier Garcia/Shutterstock/IMAGO

"Ich nehme nicht mehr teil an der politischen Diskussion", sagte etwa Joshua Kimmich, der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, und verwies aus die Lehre aus der WM 2022 in Katar. "Das haben wir ja gemerkt, dass es nicht zielführend ist, wenn wir Spieler uns da zu sehr politisch äußern."

Manuel Neuer, Kapitän der deutschen Mannschaft, wollte bei der WM in Katar eigentlich die sogenannte "One‑Love"-Binde tragen, die für Menschenrechte und Toleranz wirbt, was die FIFA aber untersagte. Die Spieler hielten sich deshalb beim Mannschaftsfoto aus Protest symbolisch den Mund zu und ernteten dafür einerseits Lob für das Zeichen gegen Einschränkung der Meinungsfreiheit aber auch viel Kritik, weil viele den Protest für zu schwach oder völlig unpassend fanden.

DW Kommentarbild Stefan Nestler
Stefan Nestler Redakteur und Reporter
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