1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Fußball-Bundesliga: Warum ist der FC Bayern so überlegen?

20. April 2026

Unangefochten und quasi konkurrenzlos hat Bayern München die deutsche Meisterschaft gewonnen. Was hat zum Erfolg beigetragen, und warum macht es die Konkurrenz den Münchenern nicht schwerer?

https://p.dw.com/p/5CTDw
Joshua Kimmich vom FC Bayern München jubelt energisch und schreit
Wille, Einsatz, Siegermentalität - Joshua Kimmich und seine Mitspieler haben einfach nie genugBild: ActionPictures/IMAGO

1. Welchen Einfluss hat der Trainer?

Der vielleicht wichtigste Wettbewerbsvorteil des FC Bayern München beginnt an der Seitenlinie. Trainer Vincent Kompany hat dem Kader eine klare Ordnung gegeben, ohne ihm die Spielfreude auszutreiben. Zudem hat er seinen Spielern den Anspruch eingeimpft, immer jedes Spiel so hoch wie möglich gewinnen zu wollen - selbst wenn alles bereits entschieden ist.

"Vincent Kompany ist ein Glücksgriff. Er macht das unheimlich gut - nicht nur in der Art und Weise, wie wir spielen, sondern auch darin, wie er den Spielern Spielfreude gibt", lobte Bayern-Präsident Herbert Hainer nach dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft. "Wir haben 22, 23 Spieler, die alle mal spielen wollen. Die rotiert er durch, er gibt allen das Gefühl, dass sie dazugehören. Das macht unheimlich viel aus. Er tut auch dem Verein durch seine ruhige Art und Weise sehr gut."

Kompanys Mannschaft kennt kaum Leistungsschwankungen und bleibt auch nach Rückständen stabil. Bestes Beispiel war das Rückspiel im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid. Dreimal lagen die Münchener hinten, kamen aber jedes Mal zurück und gewannen das Spiel am Ende noch.

2. Welche Transfers haben zum Erfolg beigetragen?

Eigentlich keine großen. Wunschlösungen wie Florian Wirtz, Xavi Simons oder Nick Woltemade waren nicht zu bekommen. Stattdessen kam "nur" Luis Diaz - ein Transfer nicht aus dem obersten Regal, aber ein weiterer Spieler auf Topniveau, der seine Rolle perfekt ausfüllte.

Großen Einfluss auf die Stabilität der Defensive hatte Jonathan Tah, der ablösefrei aus Leverkusen kam und sich schnell zum Abwehrchef entwickelte. Seine Verpflichtung hatte zudem den Nebeneffekt, dass damit ein möglicher Konkurrent geschwächt wurde.

Lennart Karl vom FC Bayern München jubelt nach einem Tor mit ausgebreiteten Armen vor den Fans
Weil der Kader nicht mit teuren Neuzugängen gefüllt wurde, bekam Lennart Karl die Chance, sich zu beweisenBild: ActionPictures/IMAGO

Der Rest des Erfolgs speist sich aus einem seit Jahren gewachsenen Gerüst. Dass externe Impulse eher ausblieben, öffnete Raum für interne Entwicklung. Lennart Karl ist dafür das sichtbarste Beispiel: Das Talent aus der eigenen Jugend bekam viel Vertrauen und Spielzeit, zeigte gute Leistungen und stieg als 17-Jähriger zum Nationalspieler auf.

3. Was macht die Konkurrenz falsch?

Die Konkurrenz ist einfach nicht konstant und gut genug. Borussia Dortmund liegt zwar unangefochten auf dem zweiten Platz, hadert aber immer wieder mit der eigenen Spielweise und der mangelnden Chancenverwertung.

RB Leipzig hat sich durch Neuverpflichtungen wie Brajan Gruda und Yan Diomande zwar verstärkt, ist aber - vor allem in den direkten Duellen mit den Bayern nicht auf Augenhöhe. Gleich das Auftaktspiel der Saison ging mit 0:6 verloren. Im Rückspiel hielten die Leipziger lange mit, gingen am Ende aber dann doch mit 1:5 unter.

Spielszene Borussia Dortmund gegen RB Leipzig
Dortmund hat als Zweiter 15 Punkte Rückstand auf die Bayern, die drittplatzierten Leipziger sogar 20 PunkteBild: Max Maiwald/DeFodi Images/picture alliance

Der VfB Stuttgart spielt eine außergewöhnlich gute Saison und könnte sich zum zweiten Mal nach 2024 für die Champions League qualifizieren. Allerdings hat der VfB nicht die Tiefe im Kader, um dauerhaft ganz oben mithalten zu können.

Bayer 04 Leverkusen - vor zwei Jahren unter Trainer Xabi Alonso noch das Maß aller Dinge in der Bundesliga - arbeitet am Umbruch und bekommt keine Konstanz in seine Leistungen. In der einen Woche trotzen sie dem FC Bayern fast einen Sieg ab, kommen dann aber bei Schlusslicht 1. FC Heidenheim nicht über ein Unentschieden hinaus.

Alle vier Mannschaften besitzen weder die Qualität der Bayern, noch haben sie die Mentalität, unbedingt und immer jedes Spiel möglichst hoch gewinnen zu wollen. Während die Bayern sich offenbar nur wenig anstrengen müssen, um "normale" Spiele gegen "kleinere Gegner" zu gewinnen, gelingt das den anderen öfter nicht.

4. Welche Rekorde hat der FC Bayern schon gebrochen?

Der FC Bayern hat schon viele gute Spielzeiten absolviert - kein Wunder, wenn man bereits 35 deutsche Meisterschaften gesammelt hat. Allerdings sticht in dieser Saison die Torausbeute absolut heraus.

Nach 30 Spielen haben die Bayern 109 Treffer erzielt und ihren eigenen Bundesliga-Torrekord aus dem Jahr 1972 (101 Tore) gebrochen. Sollten sie die restlichen vier Bundesliga-Spiele gewinnen, könnten sie mit 91 Punkten auch den Punkterekord aus der Saison 2012/2013 noch einstellen.

Einziges Manko: Da sich die Münchener im Januar eine Niederlage gegen den FC Augsburg leisteten, können sie nicht ungeschlagen Meister werden. Das hat bislang nur Bayer Leverkusen im Jahr 2024 geschafft.

5. Was können sie noch erreichen?

In der Bundesliga hat der FC Bayern München keinen ebenbürtigen Gegner. Dass mal eine andere Mannschaft Deutscher Meister wird, passiert nur in Ausnahmefällen. 13 der 14 letzten Meistertitel gingen nach München.

Spielszene FC Bayern München gegen Real Madrid mit Michael Olise
Nach dem Erfolg gegen Real Madrid möchte der FC Bayern nach sechs Jahren wieder die Champions League gewinnenBild: Ulrik Pedersen/NurPhoto/picture alliance

Daher richtet sich der Blick wie immer auch auf die Champions League, die die Bayern zuletzt 2020 gewonnen haben, als sie unter Trainer Hansi Flick das Triple holten. In diesem Jahr stehen die Chancen, erneut die europäische "Königsklasse" zu gewinnen, nicht schlecht. Nachdem im Viertelfinale "Angstgegner" Real Madrid aus dem Weg geräumt wurde, wartet im Halbfinale Titelverteidiger Paris St. Germain. Gegen PSG musste der FC Bayern bereits in der Vorrunde antreten und gewann mit 2:1.

Außerdem ist der FC Bayern im DFB-Pokal noch dabei. Den "Pott" haben die Münchener seit 2020 nicht mehr gewinnen können und seitdem auch nicht mehr das Finale erreicht. Gegner im Halbfinale ist Bayer Leverkusen.