Abkühlung: Wie Städte der Hitze trotzen
18. Juni 2026
Städte heizen sich bei Hitze besonders auf. An immer mehr Tagen werden die Wege heiß wie Herdplatten und der Schlaf bei Nachthitze zur Qual.
Dicht bebaute Städte mit viel Asphalt, versiegelten Flächen und wenig Grün bilden Hitzeinseln. Diese können 10 bis 15 Grad Celsius heißer sein als die umliegenden ländlichen Gebiete. Diese zusätzliche Hitze belastet die städtische Infrastruktur und schädigt die Gesundheit. Jährlich sterben laut UN fast eine halbe Million Menschen an den Folgen.
Den durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas verstärkten Klimawandel bringen Wissenschaftler mit häufigeren, intensiveren und früher einsetzenden Hitzewellen in Verbindung. Städte sollen jedoch lebenswert bleiben. Bei den vorbereitenden UN-Klimaverhandlungen in Bonn tauschen sich kommunale Experten über Strategien zur Anpassung und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit derzeit aus. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten.
"Hitze ist ein stiller Killer, aber kein unvermeidbarer", sagt Hans Kluge, Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation für Europa bei der Vorstellung aktualisierter Leitlinien zu Hitzeschutzmaßnahmen in Bonn. "Wir haben die Mittel. Jetzt müssen wir sie nutzen."
"Die Natur der Wärme hat sich verändert"
"Heute ist Hitze nicht mehr nur ein lokales Klimaphänomen. Sie ist zu einer Herausforderung für die Stadt, die öffentliche Gesundheit, die Wirtschaft und die sozio-ökologische Situation geworden", sagt Leonardo Madeira Martins, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt Teresina im Nordosten Brasiliens.
Die dicht besiedelte tropische Stadt mit 870.000 Einwohnern ist für ihre Grünflächen bekannt, sagt Martins. Trotzdem steigt die Temperatur mittlerweile häufig über 40 °C. Dies beeinträchtigt die "städtische Mobilität, die Schlafqualität, die Produktivität und das allgemeine Wohlbefinden", schreibt er in einer E-Mail.
Gastgeber der nächsten UN-Klimakonferenz (COP31) ist Antalya in der Türkei. Ebenfalls wird hier eine Veränderung des Sommerwetters festgestellt.
"Antalya ist eine Mittelmeerstadt, in der die Sommer schon immer heiß waren. Doch die Art der Hitze hat sich verändert", sagt Melike Kireccibasi, Klimaexpertin der Stadtverwaltung. Hitzewellen beginnen früher, dauern länger und es gibt sie häufiger, erklärt sie. Dieser Trend könne sich bis zur Mitte des Jahrhunderts deutlich verstärken, insbesondere im dicht besiedelten Stadtzentrum.
"Dies setzt unsere Bevölkerung – die mittlerweile 2,6 Millionen übersteigt – sowie unser Gesundheitssystem, unsere Energie- und Wasserversorgung und die Millionen von Besuchern, die wir jeden Sommer empfangen, zunehmend unter Druck."
Kinder, ältere und kranke Menschen sind besonders gefährdet
Wohnungen, Arbeitsplätze und andere Gebäude können Menschen während Hitzeperioden zwar schützen, doch auch diese Möglichkeiten haben ihre Grenzen. Wenn extreme Temperaturen bis in die Nacht anhalten, fällt es Bewohnern überhitzter Gebäude schwer, sich abzukühlen. Besonders für gefährdete Gruppen wie Kinder sowie ältere und kranke Menschen ist das riskant.
Laut Kireccibasi sollen die Gebäude in Antalya angepasst werden und die Bewohner unterstützt werden mit der Hitze zu leben. Dazu gehörten Klimaanlagen, aber auch Maßnahmen, um "den Kühlbedarf unserer Gebäude von vornherein zu senken". Eine von der EU geförderte Analyse der Hitzerisiken im Stadtgebiet, die auf Satellitendaten und Klimaprognosen basiert, hat genau jene Bewohner identifiziert, die am stärksten von den steigenden Temperaturen betroffen sind.
Die Strategie der Stadt sieht eine bessere Gebäudegestaltung vor, die für mehr Schatten sorgt, Oberflächen bevorzugt, die Wärme reflektieren oder durch Dachbegrünung die Hitze abhält. Zu den weiteren Lösungen zählen öffentliche Trinkwasserstellen und eine gesteigerte Energieeffizienz. "Auf diese Weise kann Kühlung kostengünstiger, leichter zugänglich und klimafreundlicher werden", sagt Kireccibasi.
Strukturelle Einschränkungen und soziale Ungleichheit verschärfen die Hitzeproblematik in Brasilien zusätzlich. "In einer Stadt mit mittlerem Einkommen wie Teresina haben nicht alle Familien durchgehend Klimaanlagen", erklärt Martins. Dies stelle eine Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar, "insbesondere bei sozial benachteiligten Personen und in Randgebieten, wo viele Häuser schlecht belüftet sind, unzureichende Dächer haben und es nur wenige Bäume gibt."
Ein von den Vereinten Nationen unterstütztes Forschungsprojekt zeigt, wie sich extreme Hitze auf die Gesundheit schwangerer Frauen und ihrer Babys auswirkt – vor allem in benachteiligten Vierteln. Laut Martins halfen die Ergebnisse der Stadt, eine Strategie zu entwickeln, die den Zugang zu Informationen und Ressourcen umfasst, um besser mit Hitze während der Schwangerschaft umgehen zu können.
Teresina setzt sich für den Erhalt und die Erweiterung seiner städtischen Wälder, Feuchtgebiete und Grünzüge ein. Durch die Verdunstung der Pflanzen kühlt die Stadt ab. Auch schattige Parks und verschattete öffentliche Plätze sind Teil dieses Konzepts.
Eine weitere brasilianische Metropole, Fortaleza, hat ein Netzwerk aus zehn Wetterstationen in Betrieb genommen, das Echtzeitdaten zu Temperatur, UV-Index und Luftfeuchtigkeit in denjenigen Gebieten der Küstenstadt liefert, die am stärksten von städtischer Hitze betroffen sind.
"Indem wir diese Informationen der Öffentlichkeit transparent zugänglich machen, wollen wir ein gemeinsames Verständnis für die mit extremer Hitze verbundenen Risiken fördern und die gemeinschaftliche Entwicklung von Lösungen zu deren Bewältigung anregen", erklärt Bürgermeister Evandro Leitao in einer E-Mail.
Bildung für ein Leben trotz Hitze
Bis 2028 sollen in Fortaleza alle öffentlichen Schulen mit Klimaanlagen ausgestattet werden und ein Teil davon mit Solarenergie betrieben werden. Die Stadt möchte außerdem die kahlen Schulhöfe wieder begrünen. "Wir wissen, dass sich hohe Temperaturen unmittelbar auf das Wohlbefinden, die Konzentration und den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler auswirken", erklärt Leitao.
Auch im kenianischen County Kilifi, nordöstlich von Mombasa, spielen Schulen eine zentrale Rolle bei den Kühlungsmaßnahmen. Um der massiven Abholzung entgegenzuwirken, vermitteln staatlich geförderte Arbeitsgruppen an Internaten und Colleges den Schülern und Studierenden wie man Schattenspender pflanzt und pflegt.
"Wenn sie nach Hause zurückkehren, pflanzen sie Bäume auf ihren Grundstücken", sagt Wilfred Kenga Baya, Energiedirektor des Landkreises. "Wir erziehen eine Generation mit Wissen zum Umweltschutz und zur Hitzeminderung."
In den abgelegeneren Gebieten von Kilifi gab es früher keine zuverlässige Stromversorgung und damit keine zuverlässige Möglichkeit der Hitze zu entkommen. Als Reaktion darauf hat der Bezirk die Installation dezentraler Solaranlagen priorisiert, erklärt Baya. Diese lieferten nun zuverlässigen Strom in die lokalen Mikronetze und trügen dazu bei, wichtige Einrichtungen zu kühlen wie Gesundheitszentren, Schulen und Haushalte.
"Die Nutzung erneuerbarer Energien hat in den letzten Jahren wirklich zugenommen", sagt Baya und weist darauf hin, dass die Menschen im gesamten Landkreis mit 1,5 Millionen Einwohnern begonnen haben, solarbetrieben Ventilatoren und Kochgeräte zu nutzen, statt Geräte mit fossilen Brennstoffen zu betreiben.
"Diese Mikronetze gewährleisten, dass lebenswichtige Dienstleistungen ohne Abhängigkeit von anfälligen Fernstromleitungen aufrechterhalten werden können."
Adaptiert von Gero Rueter. Redaktion: Sarah Steffen