Grönland-Streit: Dänemark setzt auf Kooperation mit USA
28. Januar 2026
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen will nach eigenen Angaben alles tun, um sich im Grönland-Konflikt mit den USA zu einigen. Allerdings werde Dänemark keine Gebiete abtreten. In der ARD-Sendung "Maischberger" sagte Frederiksen auf die Frage, ob grönländisches Territorium für die Vereinigten Staaten denkbar sei, laut Übersetzung: "Nein. Das kann man sich nicht vorstellen." Über eine stärkere Sicherung der Arktis im Rahmen der NATO indes könne man reden.
US-Präsident Donald Trump hat mehrfach mit der Annexion der zu Dänemark gehörenden Insel gedroht. Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos hatte er nach einem Gespräch mit NATO-Chef Mark Rutte überraschend erklärt, es gebe nun einen Rahmen für eine Vereinbarung über Grönlands Zukunft. Gleichzeitig nahm er angedrohte Strafzölle gegen europäische Alliierte, darunter Deutschland, zurück, die sich hinter Dänemark gestellt hatten.
"Europa muss zusammenstehen"
Das wertet Frederiksen als Erfolg im Kampf gegen die US-Bedrohung. "Wenn Europa zusammensteht und sich selbst verteidigt, mit einer Stimme spricht, dann funktioniert es", sagte sie. "Wir haben jetzt eine diplomatische Spur mit den Amerikanern und müssen sehen, ob wir eine Vereinbarung treffen können."
Zum Inhalt der Gespräche mit den USA wollte sich Frederiksen nicht äußern. Wie lange die Verhandlungen andauerten, könne man "nie wissen". "Parallel zu den Gesprächen, die wir jetzt mit den Amerikanern führen, müssen wir Europäer uns aber klarmachen, dass die alte Welt weg ist", sagte die Regierungschefin. "Ich glaube nicht, dass sie zurückkommt. Für uns Europäer ist es deshalb am allerwichtigsten, auf die Aufrüstung zu setzen."
Außenbeauftragte Kallas: "Europa muss sich neuen Realitäten anpassen"
Unterdessen hat angesichts der angespannten Beziehungen zu den USA die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas die Europäer dazu aufgerufen, ihre Verteidigungsbemühungen zu verstärken. Die "grundlegende Neuorientierung" der US-Außenpolitik habe die transatlantischen Beziehungen "in ihren Grundfesten erschüttert", sagte Kallas bei der jährlichen Konferenz der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) in Brüssel. Europa müsse sich "den neuen Realitäten anpassen", forderte sie.
Brüssel wolle nach wie vor "starke transatlantische Beziehungen", sagte Kallas. Europa sei jedoch nicht länger Washingtons "bevorzugter Schwerpunkt", argumentierte sie. Diese Veränderung sei bereits seit einiger Zeit im Gange und "strukturell, nicht vorübergehend". Europa könne sein Überleben nicht länger "auslagern". Die NATO müsse "europäischer werden, um ihre Stärke aufrechtzuerhalten".
Die dänische Ministerpräsidentin ist inzwischen nach Paris weitergereist. Dort wurde sie gemeinsam mit dem grönländischen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Élisée-Palast empfangen.
Nielsen: "Bevölkerung Grönlands verängstigt"
Auch Nielsen bekräftigte in Paris die "roten Linien". Zwar hoffe er auf eine Einigung in den anstehenden Gesprächen mit den USA und Dänemark, es gebe jedoch Grenzen, die nicht überschritten werden dürften. "Wir stehen unter Druck, unter ernstem Druck", fügte er bei einem gemeinsamen Auftritt mit der dänischen Ministerpräsidentin Frederiksen hinzu. Die Bevölkerung sei verängstigt. Zugleich räumte Nielsen ein, dass angesichts eines aggressiveren Verhaltens Russlands mehr für die Überwachung und Sicherheit der Region getan werden müsse.
as/se (dpa, afp, rtr)
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