Grönland: Donald Trump bekommt verstärkt Paroli
16. Januar 2026
Es ist die größte Insel der Welt und der Staatschef der größten Supermacht will sie haben - daraus macht Donald Trump weiterhin kein Hehl. Der US-Präsident begründet seinen Anspruch auf das rohstoffreiche Grönland mit der Sicherheit im Nordatlantik, die er durch China und Russland bedroht sieht. Alle Bemühungen den 79-Jährigen davon abzubringen, die Finger nach der zu Dänemark gehörenden Arktis-Insel auszustrecken, haben bislang nicht gefruchtet.
Nun wollen US-Parlamentarier signalisieren, dass sie mit dem Gebaren ihres Präsidenten nicht einverstanden sind. Eine Gruppe von Senatoren und Abgeordneten ist dazu in die dänische Hauptstadt Kopenhagen gereist.
Geleitet wird die elfköpfige überparteiliche Delegation von Senator Chris Coons von den oppositionellen Demokraten. Zwar besteht die Reisegruppe größtenteils aus demokratischen Abgeordneten, aber auch Thom Tillis und Lisa Murkowski, ein Senator und eine Senatorin von Trumps Republikanern, sind dabei.
US-Parlamentarier für Annäherung
Auf der Agenda der US-Parlamentarier steht ein Treffen mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und dem grönländischen Regierungschef Jens-Frederik Nielsen. Vor dem dänischen Parlament und auf bedeutsamen Gebäuden in Kopenhagen wehen grönländische Flaggen.
Laut Coons wollen die Kongressmitglieder mit ihren dänischen Gastgebern über eine "Stärkung der Sicherheit in der Arktis und die Konsolidierung der Handelsbeziehungen" sprechen. "In einer Zeit zunehmender internationaler Instabilität müssen wir uns Verbündeten annähern und sie nicht vergraulen", hatte Coons bereits Anfang der Woche deutlich gemacht.
Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen sagte, die Rhetorik zu einer Übernahme Grönlands untergrabe die NATO und spiele Russland und China in die Hände. "Ich weiß, dass es hier in Dänemark und in Grönland echte, tiefe Besorgnis gibt", so Shaheen. "Aber ich glaube, dass sich vernünftigere Köpfe durchsetzen werden."
Militärische Erkundungsmission von NATO-Staaten
Angesichts der Drohungen des US-Präsidenten haben mehrere NATO-Staaten - also eigentlich Partner der USA - mit einer militärischen Erkundungsmission in Grönland begonnen. Auch Soldaten der deutschen Bundeswehr sind daran beteiligt.
Nach Angaben von Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius war diese Mission schon länger geplant. Dennoch wirkt es jetzt so, als ob sie genau zum richtigen Zeitpunkt kommt: um Solidarität mit Grönland zu zeigen, das bekanntlich auch zum NATO-Territorium gehört.
Es gehe um die Frage, ob die Arktis sicher sei und inwiefern Deutschland mit seinen NATO-Partnern dazu beitragen könne, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Als Möglichkeit nannte er Flüge mit Seefernaufklärern P-8 Poseidon der Deutschen Marine.
"Auch der Einsatz von Fregatten oder anderen Marineeinheiten zur Seeraumüberwachung ist denkbar. Theoretisch auch die Verlegung von Eurofightern", sagte der Sprecher.
Die Erkundungsmission wird von Dänemark angeführt. Unter anderem Norwegen, Schweden, Finnland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande schicken Soldaten.
Von deutscher Seite sind Logistiker und Experten aus unterschiedlichen Bereichen dabei, wie der Ministeriumssprecher sagte. Die 15 Männer und Frauen hatten in Dänemark einen Zwischenstopp für erste Gespräche mit den Partnern eingelegt. Sie sollen nun die Begebenheiten vor Ort prüfen.
Kritik aus Moskau
In Russland zeigt man sich ungehalten angesichts der Worte aus dem Weißen Haus und den militärischen Aktivitäten auf Grönland. Bereits Anfang der Woche hatte es die russische Regierung für inakzeptabel bezeichnet, dass der Westen behaupte, Russland und China bedrohten Grönland. Die Debatte über das Gebiet zeige die Doppelmoral der westlichen Mächte, die eine moralische Überlegenheit für sich beanspruchten, hieß es aus dem Kreml in Moskau.
An diesem Freitag erklärte das russische Präsidialamt, dass die Sicherheitslage rund um Grönland aus Sicht des Völkerrechts "außergewöhnlich" sei. Und es machte zudem deutlich, dass Russland die Insel in der Arktis als dänisches Territorium betrachte.
Falls weder internationaler Protest noch die NATO-Aktivitäten auf Grönland zu einem Umdenken bei Donald Trump führen, hilft vielleicht eine Form der Soft Power: Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Jürgen Hardt, hat einen Boykott der Fußball-WM in den USA ins Spiel gebracht.
Hardt sagte der Zeitung "Bild": "Eine Turnierabsage käme allenfalls als Ultima Ratio in Betracht, um Präsident Trump in der Grönlandfrage zur Vernunft zu bringen." Hardt verwies darauf, dass Trump bereits deutlich gemacht habe, "welch hohen Stellenwert die WM für ihn hat".
AR/haz (rtr, dpa, afp)