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PolitikGuinea

Vom Staatsstreich zur Wahlurne: Guinea wählt

Nikolas Fischer | Nafissa Amadou | Abdoulaye Sadio Diallo aus Guinea
27. Dezember 2025

Nach dem Putsch 2021 und einer umstrittenen Verfassungsreform wird in Guinea gewählt. Klarer Favorit: Juntachef Doumbouya. Kritiker bemängeln einen ungleichen Wahlkampf, wichtige Oppositionsparteien wurden suspendiert.

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Guineas Präsident Mamady Doumbouya geht auf einem roten Teppich an aufgereihten Fahnen entlang
Noch ist er offiziell "Übergangspräsident" Guineas: Mamady Doumbouya - hier bei einer Auslandsreise 2024 in ChinaBild: Li He/Xinhua/picture alliance

Seit mehr als vier Jahren ist General Mamady Doumbouya bereits "Übergangspräsident" Guineas. Er führte die Putschisten an, die am 5. September 2021 den damaligen Staatspräsidenten Alpha Condé festgenommen hatten. Ursprünglich hatte Doumbouya versprochen, die Führung wieder an Zivilisten zurückzugeben - doch er überlegte es sich anders und kandidiert nun doch bei den Wahlen am 28. Dezember.

Die Wählerinnen und Wähler können zwischen neun Kandidaten wählen - doch Doumbouyas Konkurrenten sind der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, da die wichtigsten Oppositionspolitiker von der Wahl ausgeschlossen wurden.

Hauptkonkurrenten Doumbouyas nicht zugelassen

Die im September verabschiedete neue Verfassung erlaubt dem zukünftigen Präsidenten eine Amtszeit von sieben Jahren. Zudem wird darin festgeschrieben, dass Präsidentschaftskandidaten ihren Hauptwohnsitz im Land haben müssen. Damit wurde die Kandidatur von zwei oppositionellen Schwergewichten unmöglich gemacht, die beide im Exil leben: Ex-Premierminister Sidya Touré, Vorsitzender der "Union des Forces Républicaines" (UFR), und Ex-Premierminister Cellou Dalein Diallo, Vorsitzender der "Union des forces démocratiques de Guinée" (UFDG).

Cellou Dalein Diallo im Porträt
Cellou Dalein Diallo 2020 in Guineas Hauptstadt ConakryBild: Sadak Souici/Zumapress/picture alliance

Ohnehin hatten die guineischen Behörden Ende August die gesamte UFDG und weitere Parteien suspendiert - zunächst für 90 Tage, doch die Frist wurde für die UFDG nun verlängert: In einer Stellungnahme knapp zwei Wochen vor der Wahl erklärte das guineische Ministerium für territoriale Verwaltung und Dezentralisierung, die von der Partei eingereichten Unterlagen wiesen "erhebliche Mängel" auf. Die UFDG habe nun sechs Monate Zeit, um "ihre politische Organisation vollständig mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen in Einklang zu bringen", heißt es. Ansonsten verliere die Partei ihren rechtlichen Status.

Das Ministerium kritisiert unter anderem, dass die UFDG seit 2015 keinen Parteitag mehr abgehalten hat. Groteskerweise hatten die Behörden der UFDG allerdings genau das Anfang dieses Jahres untersagt.

Menschen stehen vor einem Wahlbüro zum Verfassungsreferendum
Gemäß der neuen Verfassung, für die im September abgestimmt wurde, muss der Wohnsitz der Kandidaten im Land liegen, was einige Oppositionspolitiker ausschließtBild: Abdoulaye Sadio Diallo/DW

Menschenrechtsorganisationen sprechen von "Klima des Terrors"

Die von Doumbouya geführte Militärregierung hat seit 2022 alle Demonstrationen verboten und mehrere Oppositionsführer verhaftet, strafrechtlich verfolgt oder ins Exil getrieben. Gleichzeitig haben Berichte über Verschleppungen und Entführungen politischer Gegner in den letzten Jahren zugenommen. 

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht von einem "Klima des Terrors". Zusammen mit 24 weiteren guineischen und internationalen Menschenrechtsorganisationen fordern sie "die Behörden auf, ihre internationalen Menschenrechtsverpflichtungen einzuhalten, zu denen sie sich im April 2025 vor dem UN-Menschenrechtsrat verpflichtet haben".

Präsidentschafts-Kandidaten: 9 aus 66

Laut Wahldirektion hatten ursprünglich 66 Personen ihre Präsidentschaftskandidatur beim Obersten Gerichtshof eingereicht. Doch die allermeisten Kandidaten wurden nicht zugelassen. 

Makalé Camara, ehemalige Außenministerin und einzige Frau unter den neun Kandidaten, setzt auf Bürgernähe: "Meine Strategie besteht darin, mich unter die Menschen zu mischen, vor allem unter die Frauen. Überall, wo ich junge Menschen finden kann. Man muss auf Tuchfühlung gehen, man muss von Tür zu Tür gehen", so die Vorsitzende der "Front pour l'alliance nationale" (FAN).

Nicht zugelassen wurde Ibrahima Touré von der Partei PRUN, der in Deutschland und Guinea lebt und dem das Thema Bildung besonders wichtig ist: "Das Bildungssystem ist eine Katastrophe. Die Klassenräume sind marode und komplett kaputt. Wer kein Geld hat, kann seine Kinder nicht in die Schule schicken." Touré kritisiert die Justiz als korrupt. "Leute werden entführt und man hat keine Möglichkeit, eine Klage einzureichen. Wenn sie eingereicht wird, wird sie nicht ernst genommen, weil die Regierung einfach die Hand drauf hat."

Zusammen mit mehreren anderen Parteien unterstützt Touré jetzt Faya Millimouno. Der Vorsitzende des "Bloc libéral" (BL) gehört zu den insgesamt neun zugelassenen Kandidaten auf dem Wahlzettel. Anfangs sei Doumbouya jubelnd begrüßt worden, sagt Millimouno zur DW. Doch die Realität sei heute eine andere. "Es wurden sehr große Versprechungen gemacht. Wir wissen, was wir heute unter [Doumbouyas, Anm. d. Red.] Regierung erleben. Tatsächlich ist dieses Team gekommen, um die Guineer zu täuschen." Er prangert eine "Strategie des Terrors" an, die darauf abziele, abweichende Stimmen zu unterdrücken. Millimouno ruft das Volk auf, mit der Stimmabgabe "mutig" zu handeln.

Lob für General Doumbouya

Ganz anders klingt das in General Doumbouyas Lager. Sportminister Keamou Bogola Haba etwa sieht eine makellose Bilanz: "Vier Jahre mit positiven Ergebnissen in Bezug auf Sicherheit, Wirtschaft und Führung - und damit auch in Bezug auf Stabilität."

Mamadi Doumbouya am Rednerpult
Mamadi Doumbouya spricht 2023 vor der UN VollversammlungBild: BRENDAN MCDERMID/REUTERS

Wie blicken die Guineer auf die anstehende Wahl? Alassane Diallo, ein Anhänger Doumbouyas in Deutschland, sieht dem 28. Dezember optimistisch entgegen: "Es ist ein Datum, das die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung in unserem Land besiegeln wird. Ich bin überzeugt, dass Doumbouya der richtige Mann für diese Aufgabe ist. Er ist derjenige, der in der Lage ist, die Guineer zusammenzubringen, sie über alle ihre Unterschiede hinweg zu vereinen und an die Arbeit zu bringen."

In der Stadt Kankan, die auch die politische Hochburg des geputschten Ex-Präsidenten Alpha Condé war, befindet sich das Wahlkampfhauptquartier des Generals. "In Kankan gibt es beispielsweise ein Projekt zum Bau einer 15 km langen zweispurigen Straße. Das verdanken wir der Ankunft des Präsidenten", betont sich Aktivist Lamine Touta Kaba.

Der junge Soumah präsentiert sich eher neutral. "Für uns zählt nur die Gegenwart. Alpha [Condé, Anm. d. Red.] hat viel für das Land getan, aber er war von den falschen Leuten umgeben. Ich hasse Präsident Doumbouya nicht, aber die Menschen müssen sich daran erinnern, dass wir aufwachen müssen und uns von niemandem manipulieren lassen dürfen."

Nicht jede Person möchte, dass die DW ihre Meinung mit Klarnamen veröffentlicht. So auch eine junge Frau, die sich enttäuscht gibt, dass der General sein Versprechen gebrochen hat, nicht für das Präsidentenamt zu kandidieren. "Ein Kandidat muss sein Wort halten, denn ein Mann wird durch sein Wort definiert."

Nikolas Fischer, Redakteur
Nikolas Fischer Reporter und Redakteur
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