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Hoffnung auf vereinfachte HIV-Therapie für ältere Patienten

28. Februar 2026

Statt mehrerer Tabletten nur noch eine täglich? Das verspricht ein neues Kombinationspräparat für HIV-Infizierte. Die Studienergebnisse sind vielversprechend, nun muss das Medikament die Genehmigungsprozesse durchlaufen.

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Mehrere Tabletten auf einer Handfläche
Für Menschen, die täglich einen Pillencocktail zu sich nehmen müssen, wäre es eine große Erleichterung, wenn eine einzige Tablette am Tag reichen würdeBild: Åsa Sjöström/Sydsvenskan/TT/IMAGO

Für Menschen, die seit Jahrzehnten mit HIV leben und gezwungen sind, täglich zahlreiche Tabletten einzunehmen, um das Virus in Schach zu halten, könnte es ein Riesenfortschritt sein: eine einmal täglich einzunehmende Tablette, die den Ergebnissen einer neuen klinischen Studie zufolge ebenso gut wirkt.

HIV - das humane Immundefizienz-Virus - galt für Personen, die sich damit infiziert hatten, einst als "Todesurteil". Es schwächt das Immunsystem und setzt Betroffene einem erhöhten Risiko für tödliche Infektionen oder Krebserkrankungen aus. 

Moderne Medikamente haben die Lebensqualität von HIV-Infizierten deutlich verbessert. Sie unterdrücken das Virus und verhindern die Übertragung an andere. Der Erfolg der Therapien hängt jedoch von spezifischen Behandlungsplänen ab, die auf jeden einzelnen Patienten persönlich zugeschnitten werden müssen.

Für Menschen, die schon lange mit HIV leben, kann das zu einem unbefriedigenden und potenziell schwierigen Szenario führen, denn während es für einige jüngere Patienten mit der Einnahme einer Tablette täglich getan sein mag, reicht die Wirkung bei langjährigen Patienten nicht immer aus.

Sie haben durch frühe HIV-Therapien möglicherweise Arzneimittelresistenzen entwickelt, die es notwendig machen, jetzt hoch spezialisierten Behandlungsplänen mit zahlreichen Tabletten zu folgen. 

Weg vom täglichen Pillencocktail

In einer klinischen Studie wird die Gabe einer Tablette mit dem Namen BIC/LEN getestet, die die antiviralen Medikamente Bictegravir und Lenacapavir kombiniert. Die Forschenden hoffen, langjährigen Patienten damit zu einer bequemeren täglichen Routine zu verhelfen. 

"Dies ist ein Medikament für Menschen, bei denen das Virus Resistenzen entwickelt hat und die nicht von den Fortschritten in der HIV-Therapie profitieren konnten", sagt Chloe Orkin, Virologin und Professorin für HIV-Medizin an der Queen Mary University in London, die zu den leitenden Forschenden der Studie zählt.

Für die Studie stellte das Team von Orkin die älteste Probandengruppe zusammen, die je an einer HIV-Medikamentenstudie teilgenommen hat. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 60 Jahren, einige der Teilnehmenden waren jedoch bereits in ihren Achtzigern. Während eines Zeitraums von neun Monaten erhielten sie entweder eine BIC/LEN-Tablette täglich oder behielten ihr komplexes Therapieregime von mehreren Tabletten täglich bei.

Eine Phiole mit Lenacapavir wird von zwei Fingern gehalten
Lenacapavir wurde erst kürzlich zur Behandlung und Prävention von HIV-Infektionen zugelassenBild: Nardus Engelbrecht/AP Photo/picture alliance

Bei beiden Gruppen blieben etwa 96 Prozent der Teilnehmenden virologisch supprimiert, das heißt, das Virus war weiterhin so gut unter Kontrolle, dass es im Blut nicht mehr nachweisbar war. Durch die Einnahme von BIC/LEN verbesserten sich jedoch auch die Cholesterinwerte, wovon insbesondere Patienten profitieren könnten, bei denen mit zunehmendem Alter das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt.

Höhere Lebensqualität für ältere Patienten

Die Fortschritte in der HIV-Medizin haben vielen Menschen geholfen, doch älteren Patienten und jene, die schon lange mit der Infektion leben, konnten häufig nicht von neuen Behandlungsprogrammen profitieren. "Für diese Bevölkerungsgruppe stand die Zeit praktisch still, weil keiner dieser Fortschritte sich auf sie auswirkte", bedauert Orkin.

Das Problem komplexer Behandlungspläne besteht oft darin, dass sie nicht mit der gebotenen Konsequenz befolgt werden. Eine einzige nicht genommene Tablette aber macht wichtige Behandlungserfolge zunichte.

Die Anwender der BIC/LEN-Kombination äußerten sich zufriedener als diejenigen, die dem komplexen Therapieregime folgten. Für die Lebensqualität dieser Patientengruppe könnte dies mit wachsendem Lebensalter einen deutlichen Unterschied machen.

Die Ergebnisse der Studie wurden von HIV-Aktivisten begrüßt, auch wenn das Kombinationspräparat noch die behördlichen Genehmigungsverfahren erfolgreich durchlaufen muss.

"Aus Sicht des Einzelnen wird dadurch die Medikamenteneinnahme vereinfacht", sagt Mitchell Warren, Geschäftsführer von AVAC, einer internationalen Non-Profit-Organisation, die sich für die ethische Entwicklung und den weltweiten Zugang zu AIDS-Impfstoffen und anderen neuen HIV-Präventions-Optionen einsetzt. Warren selbst war nicht an der Studie beteiligt.

"Eine wunderbare Gelegenheit"

"Dies ist eine wunderbare Gelegenheit, es den Leuten einfacher zu machen, ihre Medikamente einzunehmen und virologisch supprimiert zu bleiben. Das ist nicht nur gut für das Leben der Menschen, die mit HIV leben. Die Daten der vergangenen 15 Jahre zeigen uns auch, dass Menschen, die antiretroviral behandelt werden und deren Viruslast unterdrückt ist, das Virus nicht auf andere übertragen."

Zurzeit wird das BIC/LEN-Präparat zwei Folgebewertungen unterzogen. Es soll jedoch zur Zulassung bei den Aufsichtsbehörden, darunter die US-Arzneimittelbehörde FDA und die Europäische Arzneimittelagentur, eingereicht werden.

"Das Medikament wird auch im Vergleich zu einem der Goldstandards in der HIV-Therapie getestet bei Menschen, die keinem komplexen Therapieregime folgen müssen. Auch hier zeigt es eine gute Wirkung, so dass wir von einem allgemeinen Fortschritt in der HIV-Therapie sprechen können", sagt Orkin.

Die Studiendaten wurden kürzlich in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht.

Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.

DW Matthew Agius
Matthew Ward Agius Matthew berichtet über Geschichte, Wissenschaft, Gesundheit, Klima und Umwelt.matt_agius
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