Höchste Windkraftanlage der Welt im Bau
Im Osten Deutschlands entsteht ein Windturm der Superlative: mit über 300 Metern doppelt so hoch wie üblich - und mit doppeltem Stromertrag. Was macht Windanlagen in der Zukunft besonders ertragreich?

Mehr Windkraft durch doppelte Höhe
In der Lausitz im Osten Deutschlands wird die welthöchste Windkraftanlage gebaut. In einem Jahr soll der Gitterturm fertig sein. Mit 300 Metern wird er doppelt so hoch wie die bisher üblichen Windtürme aus Stahlrohr. Danach werden die Rotorblätter montiert. In dieser Höhe gibt es besonders viel Wind. Darum kann die Turbine voraussichtlich doppelt so viel Strom erzeugen wie auf halber Höhe.
Höher als der Eifelturm
Das Fundament muss besonders stabil sein. Denn nach der Fertigstellung dieser Windanlage werden die Spitzen der Rotorblätter eine Höhe von 365 Meter erreichen - höher als der Eifelturm in Paris (330 m). Beim Bau und Betrieb des Pilotprojektes sollen Erfahrungen für eine mögliche Serienproduktion gesammelt werden. Die Forschungslange wird vom Staat gefördert.
Stahltürme bis zu 180 Meter
Bisher werden Windkraftgeneratoren meist auf Stahltürmen montiert. Diese Anlage in Norddeutschland bei Wilhelmshaven hat eine Leistung von 6000 Kilowatt und kann damit rund 7000 Haushalte mit Strom versorgen. Neue Offshore-Windtürme im Meer sind in Deutschland rund 130 Meter hoch. Onshore-Anlagen an der Küste sind 140 Meter hoch und an windschwachen Orten zwischen 160 und 180 Meter hoch.
Windflügel der Superlative
Windkraftanlagen werden immer höher und ihre Flügel immer länger. Vor 25 Jahren waren die Rotorblätter von Windturbinen maximal 35 Meter lang. Dieses Rotorblatt in einem Werk in Dänemark ist 115 Meter lang, in China werden bis 150 Meter lange gebaut. Lange Flügel können besonders viel Wind einfangen. So können moderne Anlagen zwanzig bis dreißig mal mehr Strom erzeugen als vor 25 Jahren.
Leistungsrekord: Größte Windturbine in China
China ist bei der Windenergie weltweit führend. 2024 waren dort Anlagen mit 561 Gigawatt Leistung installiert, in den USA sind es 155 GW, Deutschland 73 GW, Indien 48 GW und Brasilien 34 GW. Hier in Fuzhou wurde 2024 die bisher größte Windturbine der Welt eingeweiht. Sie steht auf einem 185 Meter Turm im Meer und hat eine Leistung von 26.000 kW. In Europa haben die Größten etwa 16.000 kW.
Leistungsstärkste Anlagen stehen im Meer
Die leistungsstärksten Windkraftanlagen stehen im Meer. Dort weht der Wind stetig und stärker als an Land. Der Transport großer Generatoren und langer Windflügel mit Schiffen ist gut möglich, doch Installation und Wartung sind aufwendig. In der deutschen Nordsee bei Borkum ist das Wasser nur rund 20 Meter tief, die Anlagen stehen direkt auf dem Grund. Anderswo ist die Installation aufwendiger.
Erster schwimmender Windpark in Schottland
Schwimmende Windanlagen können überall installiert werden, auch bei grösseren Tiefen. Dieser Windturm wurde vor der schottischen Küste errichtet. Die Anlage ist mit Ankern am Meereresgrund befestigt. Sie ist Teil des ersten schwimmenden Windparks der Welt. Seit 2017 wird hier Strom produziert. Solche Anlagen haben ein großes Potential für die Zukunft der Stromversorgung weltweit.
Windstrom an Land ist günstiger
Windstrom von Anlagen an Land ist meist deutlich günstiger als vom Meer. Denn zum einen sind Installation und Wartung einfacher, zum anderen können die Windparks näher an Städten stehen. Das spart teure Stromleitungen. Dieser Wind- und Solarpark bei Köln lohnt sich besonders. Er steht am Rand eines Tagebaus und alter Kohlekraftwerke, und nutzt die schon bestehenden Stromleitungen.
Günstiger Strom: Wind schlägt Kohle, Gas und Atom
Durch höhere Türme, längere Flügel und Serienproduktionen haben sich die Kosten für die Erzeugung von Windstrom in den letzten 15 Jahren halbiert. Heute kostet Onshore Windstrom in Europa 4 bis 9 Eurocent pro kWh, bei der Offshore Produktion sind es 6-10 Cent. Strom aus neuen Erdgas-, Kohle- und Atomkraftwerken kostet doppelt oder drei Mal so viel.
Viel Wind auf den Bergspitzen
Gut lässt sich Windstrom auch auf Bergen gewinnen wie hier im Tianhu-Nationalpark (China). Über den Gipfeln weht fast überall viel Wind, darum müssen dort Windtürme nicht besonders hoch gebaut werden. Das spart Kosten. Allerdings ist der Transport von Turbinen und Flügeln in abgeschiedene Regionen ebenfalls eine logistische Herausforderung.
Wind als Energie der Zukunft
Bisher sind Windanlagen meist aus solidem Stahl, Gittertürme brauchen bei ähnlicher Stabilität weniger Material. Das senkt das Gewicht, und die Türme können höher werden. Das ist günstig, denn der Wind weht in größeren Höhen sehr verlässlich. Effiziente Windkraftanlagen könnten in Kombination mit Solarkraft, Batterien und anderen Erneuerbaren den globalen Energiebedarf in Zukunft komplett decken.