Indien: Neues Leben für eine alte Mine
Tourismus statt Kohleförderung: In Zentralindien ist ein ehemaliges Bergwerk zu einem See geworden. Die Umwandlung soll nachhaltige Perspektiven für Einheimische schaffen.

Ende einer Ära
Am Rande des Sees von Bishrampur ist die Vergangenheit noch sichtbar: Bis vor wenigen Jahren wurde hier Kohle gefördert, insgesamt fast 40 Millionen Tonnen seit 1961. Nachdem das Kohlevorkommen erschöpft und der Abbau eingestellt war, füllten sich die zehn Minenschächte allmählich mit Wasser. 2018 begann die Umgestaltung des Areals in ein kleines Touristenzentrum - den Kenapara Eco Park.
Nachhaltige Perspektiven
So entstand unter anderem das schwimmende Restaurant von Savita Gupta, das hier im Hintergrund zu sehen ist. Bishrampur gilt als Vorzeigemodell bei der Umwandlung ehemaliger Minen in Indien, von denen es viele gibt - Indien ist nach China der zweitgrößte Kohleproduzent der Welt. Ziel ist es, nachhaltige Lebensgrundlagen für die Ortsansässigen zu schaffen, hauptsächlich durch Tourismus.
Buntes Bishrampur
Er blickt auf ein langes Leben in Bishrampur zurück: Einst verkaufte Pannelal Rajak sein Land an das Kohlebergwerk, heute arbeitet der 78-Jährige als Wachmann im Kenapara Eco Park. Verwaltet wird das 1472 Hektar große Areal in Zentralindien von einer Frauengruppe und einer Fischereigenossenschaft.
Empowerment im Eco Park
Für die Frauen, die im neu entstandenen Tourismusgewerbe um und auf dem See arbeiten, bedeutet die Beschäftigung auch Empowerment. "Im Dorf sind die meisten Frauen Hausfrauen. Unsere Bewegungsfreiheit war stark eingeschränkt", sagte Bootsführerin Anjani Singh der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Arbeit hier und die Begegnungen mit Beamten und anderen Menschen haben uns Selbstvertrauen gegeben."
"Ich hoffe, meine Tochter lernt aus meinem Leben"
Das bestätigt auch Savita Gupta, deren neunjährige Tochter Bhumi hier gerade die Fenster im schwimmenden Restaurant ihrer Mutter öffnet. Die Arbeit im Restaurant hätten sie von einer Hausfrau zur Unternehmerin gemacht, erklärt Gupta gegenüber Reuters. "Ich hoffe, meine Tochter lernt aus meinem Leben und denkt darüber nach, eine unabhängige Frau zu werden."
Arbeit für Anwohner
Unweit des Sees werden weitere Projekte in Bishrampur realisiert: Ein 40 Hektar großer Solarpark bietet mehreren Anwohnern Arbeit, sie verdienen rund 15.000 Rupien (140 Euro) im Monat. Beschäftigung brachte auch ein Aufforstungsprojekt, bei dem mehrere hundert Hektar ehemaliges Bergbaugelände mit Mango- und Sheeshambäumen bepflanzt wurden.
Millionen für die Mine
Bitte recht freundlich: Ein Tourist posiert für ein Foto im Kenapara Eco Park, der an Wochenenden bis zu 150 Besucherinnen und Besucher anzieht. Finanziell unterstützt wird das Projekt von South Eastern Coalfields Ltd (SECL), einer Tochtergesellschaft des weltweit größten Kohleförderers Coal India Ltd.. 43 Millionen Rupien (etwa 403.000 Euro) hat SECL in die Umgestaltung der Mine investiert.
Mieses Marketing?
Doch es gibt noch Luft nach oben: Hier geht ein SECL-Mitarbeiter Ende 2025 über das ehemalige Minengelände. Es sei die erste Inspektion seit fünf Jahren gewesen, berichten die Frauen vom Eco Park. Sie befürchten, dass die SECL nicht genug tut, um das Gelände und seine Attraktionen bekannter zu machen. Eine abendliche Lichtshow am See etwa sei aufgrund defekter Beleuchtung seit Monaten ausgesetzt.