Iran-Krieg: Bevölkerung weiter im Informationsvakuum
27. März 2026
Am Donnerstagabend stand Teheran unter einer heftigen Angriffswelle. Bewohner berichten von Kampfjets, die sehr niedrig über die Stadt flogen, und von gewaltigen Explosionen. Das israelische Militär erklärte am frühen Freitagmorgen, dass es eine Angriffswelle "im Herzen Teherans" durchgeführt habe. Dabei sei "gezielt Infrastruktur des iranischen Regimes" angegriffen worden.
Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump sein Ultimatum, Irans Energieanlagen wegen der Blockade der Straße von Hormus zu zerstören, noch einmal verschoben. Die USA haben tausende Soldaten in den Nahen Osten verlegt. Eine Bodenoffensive gegen den Iran ist nicht ausgeschlossen.
Der Iran erklärte dagegen, am Donnerstag Ziele in Israel sowie US-Stützpunkte in mehreren Golfstaaten mit Raketen und Drohnen angegriffen zu haben. Im staatlichen Fernsehen heißt es, das Land stehe kurz davor, seine Gegner zu besiegen und den Krieg zu beenden.
"Wir schauen kein staatliches Fernsehen mehr, und ich kenne kaum jemanden, der das noch tut“ oder "Sie senden nur für sich selbst und ihre Anhänger“, schreiben Stadtbewohner, die noch in Chatgruppen erreichbar sind.
Die staatliche Rundfunkanstalt Islamic Republic of Iran Broadcasting hat ihre Deutungshoheit über die öffentliche Meinung im Iran längst verloren. Laut einer Umfrage der Iranian Students Polling Agency in Teheran informierten sich schon vor dem zwölftägigen Krieg im Juni 2025 nur noch 12,5 Prozent der Menschen über IRIB-Nachrichten. Im Jahr 2017 waren es noch 51 Prozent.
Trotz einer Budgeterhöhung um rund 50 Prozent im März 2025 gelingt es dem staatlichen Rundfunk offenbar nicht, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.
Nutzung von Starlink wird verfolgt
Viele Iraner informieren sich über persischsprachige Sender im Ausland, über Angebote wie die Deutsche Welle oder über soziale Netzwerke, besonders Instagram mit etwa 24 Millionen Nutzern. Obwohl diese Plattformen offiziell verboten sind, nutzen viele Menschen VPN-Dienste, um darauf zuzugreifen. Ein VPN baut einen verschlüsselten Daten-Tunnel von einem Endgerät zu einem entfernten VPN-Server auf. Von diesem Endpunkt tritt man dann in das öffentliche Internet ein.
Seit Beginn des Krieges am 28. Februar haben die Behörden das Internet wieder abgeschaltet. VPN-Dienste funktionieren oft nur noch in Verbindung mit Satelliteninternet wie Starlink. Solche VPN-Zugänge werden teilweise zu sehr hohen Preisen verkauft, oft bis zum Zehnfachen des normalen Preises. Die Nutzung von Starlink kann aber teilweise nachverfolgt werden. Laut dem Geheimdienstministerium wurden in verschiedenen Regionen des Landes Hunderte Starlink-Systeme gefunden und beschlagnahmt.
Der Internetexperte Keyvan Samadi erklärte gegenüber der DW, wie das technisch funktioniert. Starlink-Geräte senden Signale aus, um sich mit Satelliten zu verbinden. Diese Signale können mit spezieller Technik erfasst werden. Sicherheitskräfte können danach mit Funkgeräten den ungefähren Standort dieser Signale bestimmen. Medien berichten, dass seit Beginn des Krieges in mehreren Städten Hunderte Menschen deshalb festgenommen wurden.
"Schlimmste psychische Belastung: Unwissenheit"
Wie viele dieser Systeme noch im Iran genutzt werden, ist schwer zu sagen. Einige Kontakte aus dem Land berichten jedoch, dass VPN-Dienste weiterhin verfügbar sind, oft über Freunde oder Bekannte, allerdings zu sehr hohen Preisen. Obwohl viele Menschen wegen des anhaltenden Krieges und geschlossener Geschäfte finanzielle Probleme haben, geben viele Geld für VPNs aus, um weiterhin Zugang zu Informationen zu haben.
Die Internetsperren beschreiben sie übereinstimmend als eine der schlimmsten psychischen Belastungen in diesen Tagen: Kein Kontakt zu Familie und Verwandten, die sich aufgrund des Krieges zum Teil außerhalb der Großstädte verteilt haben, und die Ungewissheit darüber, was im eigenen Umfeld geschieht, sei kaum zu ertragen.
Israel und die USA hatten am 28. Februar mit Luftangriffen auf den Iran begonnen. Teheran reagiert seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region. Die Zahl der zivilen Opfer sowie das Ausmaß der Zerstörung steigen von Tag zu Tag, und ein Ende des Krieges ist weiterhin nicht absehbar.
Mitarbeit: Danyal Babayani