Iran-Krieg: Suche nach Alternativen zur Straße von Hormus
5. Mai 2026
Vor vier Jahrzehnten zeigte sich, wie verwundbar der globale Ölmarkt an der Straße von Hormus war: Während des Iran-Irak-Kriegs von 1980 bis 1988 griffen beide Seiten wiederholt Öltanker in der Meerenge an und verwandelten eine der weltweit wichtigsten Rohöl-Versorgungsadern in ein Schlachtfeld.
Saudi-Arabien reagierte darauf mit dem Bau der Ost-West-Pipeline quer durch die riesige Wüstenhalbinsel bis zum Hafen von Yanbu am Roten Meer. Jahre später folgten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) diesem Beispiel mit der Habshan-Fudschaira-Pipeline, die vom Emirat Abu Dhabi bis zum Golf von Oman geht.
Seit Ende Februar, mit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran, zeigt sich erneut, wie abhängig die Welt von der Straße von Hormus ist. Teheran machte seine langjährige Drohung wahr, im Falle eines Angriffs die Meerenge zu sperren. So strandeten Hunderte von Öl- und Gastankern, rund ein Fünftel der weltweiten Energieversorgung wurde lahmgelegt.
Die Frage ist nun, wie das von Hormus ausgehende Risiko minimiert werden kann, damit die enge Wasserstraße nie wieder auf dieselbe Weise als Waffe eingesetzt wird. Denn derzeit ist der Energiemarkt darauf angewiesen, dass andere Ölproduzenten ihre Fördermengen kurzfristig erhöhen. Weltmächte wie China, Indien und die Europäische Union sowie Umweltverbände drängen zudem auf verstärkte Investitionen in erneuerbare Energien.
Alternative Routen
Unterdessen planen die Staatschefs der arabischen Golfstaaten, einen größeren Teil ihres Öls an der Meerenge vorbeizuleiten und die Exporte so langfristig zu sichern.
Im April berichtete die Financial Times (FT), Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Länder zögen den Bau neuer Öl-Pipelines in Betracht, die parallel zu bestehenden Leitungen verlaufen sollen, sowie den Ausbau von Exportterminals an alternativen Küstenabschnitten.
Landon Derentz, Senior Director des Global Energy Center beim Think Tank Atlantic Council, forderte die Trump-Regierung auf, die neuen Projekte mit US-Mitteln zu unterstützen.
"Anstatt Schiffe durch die Engstelle zu zwingen, sollten die Vereinigten Staaten und ihre Partner rasch Umgehungswege schaffen”, schrieb er kürzlich in einem Bericht. "Saudi-Arabien hat bereits bewiesen, dass eine Umgehungsinfrastruktur den Engpass teilweise entlasten kann. Dieses Modell sollte nun drastisch ausgeweitet werden.”
Die bestehende 1.200 Kilometer lange saudische Pipeline läuft bereits mit einer maximalen Kapazität von 7 Millionen Barrel pro Tag (bpd), gegenüber 5 Millionen vor dem Krieg, während die VAE weitere 1,8 Millionen bpd zu ihrem Hafen in Fudschaira leiten.
Kapazität der Pipelines "verdoppeln”
Diese Maßnahmen geben den globalen Ölmärkten zwar einen Puffer, doch die Herausforderungen sind groß, sagt Robin Mills, CEO von Qamar Energy, einem führenden Beratungsunternehmen aus Dubai, das sich auf Energiestrategie und Geopolitik im Nahen Osten spezialisiert hat.
"Vor dem Krieg flossen täglich etwa 15 Millionen Barrel Rohöl durch die Meerenge”, so Mills zur DW. "Man müsste die [derzeitige Pipelinekapazität] verdoppeln, um alle ursprünglichen Rohöl-Exporte auszuliefern.”
Die FT zitierte Beamte und Energieexperten mit der Aussage, dass neue Pipelines zwar teuer, zeitaufwendig und manchmal politisch komplex seien, aber möglicherweise der einzige Weg für die Golfstaaten, ihre Anfälligkeit für Störungen zu verringern.
Mills sagte, viele dieser Umgehungsprojekte seien schon seit Jahren in Planung. Doch diejenigen, an denen mehrere Länder beteiligt sind, seien aufgrund von Entfernungen, Kosten und regionalen Rivalitäten ins Stocken geraten.
Für manche gibt es keine Alternative zu Hormus
"Die Arbeit an den neuen Routen über Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate könnten umgehen beginnen, der Bau würde jedoch einige Jahre dauern”, sagte Mills.
Kuwait, Bahrain und Katar stünden dagegen vor einem großen geografischen Problem, so Mills, da sie über keine alternativen Küstenstrecken verfügten und fast ihre gesamten Rohstoffexporte über den Hormus-Kanal transportiert würden.
"Sie müssten höchstwahrscheinlich durch Saudi-Arabien oder den Irak gehen, was lange Pipelines und komplizierte politische Verhandlungen bedeutet, die mindestens drei bis vier Jahre dauern würden – wahrscheinlich sogar länger.”
Auch internationale Organisationen drängen auf umfassende regionale Lösungen. Die Internationale Energieagentur (IEA) fordert eine große neue Pipeline vom Irak zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan.
IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol erklärte im April gegenüber der türkischen Zeitung Hürriyet, dass das "äußerst attraktive” Projekt die Energiesicherheit stärken würde, "insbesondere aus europäischer Sicht”, und dass "die Finanzierungsfrage gelöst werden kann”.
Irak treibt Ausbau westlicher Pipelines voran
Die bestehende Exportpipeline des Irak von der nördlichen Region Kirkuk in die Türkei wurde in den 1970er Jahren gebaut und im vergangenen September nach zweieinhalbjähriger Stilllegung wieder in Betrieb genommen. Sie fördert nun bis zu 250.000 Barrel pro Tag.
Die Hormus-Krise hat auch anderen westlichen Routen neuen Schwung verliehen. Anfang April hat die irakische Regierung den rund vier Milliarden Euro teuren Pipeline-Abschnitt Basra-Haditha, der vom Süden in Richtung der syrischen Grenze verläuft, in die Ausschreibungsphase gebracht.
Diese 685 Kilometer lange Leitung gilt als entscheidender erster Abschnitt, der später bis zum jordanischen Rotmeerhafen Akaba oder möglicherweise bis nach Syrien oder in die Türkei verlängert werden könnte. Bei Genehmigung hätte sie die Kapazität, schrittweise bis zu drei Millionen Barrel pro Tag zu transportieren.
Der Irak erwägt darüber hinaus eine separate Pipeline zum omanischen Hafen Duqm am Golf von Oman, erste Gespräche wurden im September angekündigt.
Landwege gewinnen an Bedeutung
Neben Pipelines wollen die Golfstaaten auch ihre Schienen- und Straßennetze ausbauen, um den Export von anderen Gütern als Öl oder Gas zu erleichtern.
Im Rahmen des Vorzeigeprojekts "GCC-Eisenbahn” (GCC = Gulf Cooperation Council, dt. Golf Kooperationsrat) soll bis 2030 ein 2.100 Kilometer langes Schienennetz alle sechs GCC-Staaten verbinden.
Das von Etihad Rail betriebene Schienennetz der Vereinigten Arabischen Emirate hat während des Krieges seine Güterverkehrsdienste ausgebaut, um Container von den gefährdeten Häfen am Golf zu sichereren Häfen im Osten umzuleiten. Auch Saudi-Arabien hat die Kapazitäten seines Schienennetzes erhöht und neue Güterverkehrsstrecken für gestrandete Fracht eingerichtet.
Diese Alternativen können zwar nicht die riesigen Frachtmengen aufnehmen, die normalerweise von Tankern geliefert werden, entlasten aber die Lieferketten. Experten glauben, dass sie unverzichtbar sind, um die Golfstaaten abzusichern, wenn die Meerenge wieder einmal für Kriegszwecke instrumentalisiert wird.
Die Golfstaaten verfügen über die finanziellen Ressourcen, diese Projekte zu verwirklichen. Jetzt müssen sie auch den politischen Willen aufbringen, um die verbleibenden Hürden zu nehmen. Gelingt das, könnte die aktuelle Krise den Anfang vom Ende der Abhängigkeit von der Straße von Hormus markieren.
Der Bericht wurde aus dem Englischen adaptiert.