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ReiseEuropa

Iran-Krieg: Was der Kerosin-Mangel für Flugreisende bedeutet

6. Mai 2026

Die Treibstoff-Versorgung der Luftfahrtbranche könnte zum Problem werden. Passagiere müssen demnächst nicht nur mit steigenden Preisen rechnen.

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Deutschland Düsseldorf 2026 | Kerosin-Tankwagen auf dem Flughafen
Noch gibt es genügend Kerosinvorräte, wie hier am Flughafen Düsseldorf. Aber wie lange noch?Bild: Jochen Tack/picture alliance

Sollten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten, werden Flugreisen in den nächsten Wochen und Monaten zur Nervenprobe für die Passagiere. Geht nämlich als Folge des Iran-Krieges und der andauernden Blockade der Straße von Hormus tatsächlich das Kerosin zur Neige, sind erhebliche Behinderungen des Flugverkehrs zu erwarten. Darauf wiesen zuletzt der internationale Luftfahrtverband IATA und die Internationale Energie-Agentur (IEA) eindringlich hin.

Airlines geben gestiegene Kosten an die Passagiere weiter

Folgen hat der Mangel für Flugpassagiere bereits jetzt: Wegen der drastisch gestiegenen Kerosin-Preise geben zahlreiche Airlines weltweit die hohen Kosten zumindest teilweise an ihre Kunden weiter. Dass die Passagierrechte dabei zu kurz kommen können, zeigt das Beispiel der spanischen Fluggesellschaft Volotea. Deren Kunden müssen seit einigen Wochen damit rechnen, dass sieben Tage vor Reiseantritt ein Nachschlag in Höhe von bis zu 14 Euro fällig wird – je nachdem, wie sich die Kerosin-Preise entwickeln. Volotea hatte eine entsprechende Klausel in die Vertragsbedingungen aufgenommen.

Die spanische Verbraucherschutzorganisation Facua hält diese für unzulässig, wirft der Airline nun mangelnde Transparenz bei der Preisgestaltung vor und hat offiziell Beschwerde eingereicht. "Wenn das nicht schnell unterbunden wird, droht die Gefahr, dass auch andere Airlines solche Regelwidrigkeiten begehen", sagt der Facua-Vorsitzende Rubén Sánchez.

Flughafen Palma de Mallorca | Volotea Airbus A320 auf dem Rollfeld
Einen nachträglichen Kerosin-Zuschlag kassiert die spanische Airline Volotea bei steigenden Treibstoffpreisen von ihren Kunden – und steht deshalb in der KritikBild: Markus Mainka/picture alliance

Teurere Ticketpreise aber sind nicht das einzige Problem, mit dem sich Reisende nun verstärkt konfrontiert sehen. Es drohen vor allem massive Flugstreichungen, sollte die Kerosin-Versorgung tatsächlich ins Stocken geraten, wie es in Teilen Asiens bereits der Fall ist. Auch in Europa zeichnet sich ein solches Szenario ab, warnt der Luftfahrtverband IATA – ausgerechnet zu Beginn der sommerlichen Urlaubssaison.

Angesichts drohender Engpässe haben zahlreiche Fluggesellschaften weltweit ihr Angebot bereits vorbeugend ausgedünnt. Zuletzt strich die deutsche Lufthansa kurzerhand 20.000 in den nächsten Monaten geplante Flüge. Was aber bedeutet das für betroffene Passagiere?

In der EU regelt die Fluggastrechteverordnung die Ansprüche

Zumindest in der EU ist die Lage eindeutig. Dort regelt die Fluggastrechteverordnung, womit die Kunden der Airlines rechnen können. "Bei Annullierungen haben Passagiere grundsätzlich Anspruch auf Ausgleichszahlungen in Höhe von 250 bis 600 Euro – abhängig von der Flugstrecke", heißt es bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Zusätzlich bestehe ein Anspruch auf Verpflegung, Hotelunterbringung und Ersatzbeförderung.

Die Verordnung gilt für alle Flüge, die von einem in der EU gelegenen Flughafen starten, unabhängig davon, wo die ausführende Fluggesellschaft ihren Sitz hat. Für Flüge aus einem Drittstaat in die EU gilt sie nur, sofern diese von einer Fluggesellschaft mit Sitz in der EU durchgeführt werden.

Tafel mit annullierten Flügen am Flughafen Köln/Bonn
Bei annullierten Flügen greift in der EU die FluggastrechteverordnungBild: Christoph Hardt/Panama Pictures/picture alliance

Keine Entschädigung gibt es allerdings, wenn die Airline ihre Passagiere mindestens zwei Wochen vor Reiseantritt über die Stornierung informiert hat. "Daher ist derzeit davon auszugehen, dass Airlines versuchen werden, möglichst rechtzeitig Flüge abzusagen, um eine Entschädigungspflicht gegenüber den Reisenden zu vermeiden", sagt André Duderstaedt, Referent Team Mobilität und Ressourcenschutz beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Auf diese Weise würden die Fluggesellschaften auch die Frage umgehen, ob der sich abzeichnende Kerosin-Mangel ein sogenannter "außergewöhnlicher Umstand" ist.

Ist ein Kerosin-Engpass ein "außergewöhnlicher Umstand"?

Ein solcher befreit die Fluggesellschaften nämlich von der in der EU-Verordnung vorgesehenen Entschädigungspflicht. Als "außergewöhnlicher Umstand" gelten etwa Streiks von Fluglotsen oder Naturkatastrophen. Ob auch ein etwaiger Kerosin-Engpass vor Gericht Bestand hätte, ist ungewiss. "Maßgeblich ist, ob die Fluggesellschaft alles unternommen hat, um den Flug durchführen zu können", erklärt Kamila Kempfert, Leiterin der Verbraucherzentrale in Görlitz. Ob ein Entschädigungsanspruch besteht, hänge vom konkreten Einzelfall ab. Reisende sollten die Stornierungsmitteilung daher genau prüfen.

Fluggäste warten beim Einchecken am Flughafen
Bei kurzfristigen Stornierungen haben Passagiere Ansprüche auf Versorgungsleistungen – zumindest in der EUBild: Micha Korb/pressefoto_korb/picture alliance

Anders sieht es mit den Passagierrechten außerhalb der EU aus, etwa in den USA. Dort gibt es keine einheitliche Vorschrift, was die Entschädigungsleistungen bei annullierten Flügen angeht. "Jede Fluggesellschaft hat ihre eigenen Regeln für Leistungen im Fall von Verspätungen oder Annullierungen", heißt es beim US-Verkehrsministerium. Ob die Airlines in solchen Fällen beispielsweise für Versorgung und Unterbringung während langer Wartezeiten aufkommen, basiert ausschließlich auf Freiwilligkeit. Einen Anspruch haben Passagiere bei gestrichenen Flügen nur auf umgehende Erstattung des Ticketpreises.

Die USA trifft der Kerosin-Engpass deutlich weniger

Allerdings dürfte der Kerosin-Engpass die USA auch deutlich weniger treffen, als andere Weltregionen, ist dort die Abhängigkeit von Importen doch sehr viel geringer. Einer Studie der Umweltschutzvereinigung Transport & Environment zufolge decken Lieferungen, die üblicherweise durch die Straße von Hormus transportiert werden, etwa 30 Prozent des Kerosin-Bedarfs der EU. Und so verwundere es nicht, dass die durchschnittlichen Treibstoffkosten pro Passagier seit Kriegsbeginn auf innereuropäischen Flügen um 29 Euro, auf Interkontinental-Flügen gar um 88 Euro gestiegen sind. Und das schlägt sich eben in den Ticketpreisen nieder.

Jonas Martiny -  Travel Online-Autor
Jonas Martiny Reporter, Korrespondent