Iran und Hisbollah: Israel kämpft an zwei Fronten
Veröffentlicht 3. März 2026Zuletzt aktualisiert 3. März 2026
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geht nicht von einem langjährigen Konflikt aus. Der Krieg werde "schnell und entscheidend" sein, sagte er dem US-Sender Fox News. Zwar könne er einige Zeit andauern, es handele sich jedoch nicht um einen endlosen Krieg wie frühere Konflikte in der Region. Das israelische Militär bereitet sich eigenen Angaben zufolge auf einen Einsatz von mehreren Wochen vor.
Israelische Angriffe auf Teheran und Beirut
Die israelische Luftwaffe flog nach Militärangaben zeitgleiche Angriffe auf Ziele im Iran und im Libanon. Man habe "gezielte Angriffe auf militärische Ziele des iranischen Terrorregimes und der Terrororganisation Hisbollah begonnen", erklärten die Streitkräfte.
In der Nacht sei der Sitz des iranischen Staatsrundfunks Irib im Norden Teherans "angegriffen und zerstört" worden, nachdem das Militär zur Evakuierung des Gebiets aufgerufen hatte.
Bei einem weiteren Angriff ist nach Berichten iranischer Medien der Sitz des Gremiums getroffen worden, das einen Nachfolger für den getöteten obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei bestimmen soll. "Amerikanisch-zionistische Verbrecher" hätten das Gebäude des Expertenrats in der südlich von Teheran gelegenen Stadt Ghom angegriffen, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. Lokale Medien veröffentlichten Aufnahmen des schwer beschädigten Gebäudes.
In Teheran berichteten Anwohner von heftigen Explosionen. In der östlichen Pendlerstadt Pardis schlugen laut iranischen Medien rund ein Dutzend Raketen ein. "Die Fenster haben gezittert und das Geräusch von Kampfjets war am Himmel zu hören", sagte der 34-jährige Journalist Mohammed.
"Ich habe versucht, meine Frau zu beruhigen, obwohl ich selbst geschockt war." Es seien die bislang schwersten Bombardierungen gewesen. "Aber ich habe das Gefühl, dass noch schwierigere solcher Nächte kommen und ich mich irgendwie darauf vorbereiten muss."
Aus Beirut meldeten Augenzeugen eine große Rauchwolke über der libanesischen Hauptstadt. Ziel der Angriffe waren nach israelischen Angaben Stellungen der mit dem Iran verbündeten Hisbollah.
Verstärkte Truppen im Südlibanon
Parallel dazu verstärkt Israel seine Präsenz im Südlibanon. Militärsprecher Nadav Schoschani erklärte jedoch: "Ich möchte betonen, dass es sich hierbei nicht um ein Manöver, eine Bodenoffensive oder Ähnliches handelt. Es ist eine taktische Maßnahme, um Angriffe der Hisbollah zu verhindern."
Es bestehe die reale Möglichkeit, dass die Miliz ihre Einsätze ausweite. Wie viele Soldaten Israel im Nachbarland in der Nähe zur israelischen Grenze positioniert hat, wollte der Sprecher nicht sagen.
Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Ministerpräsident Netanjahu und er hätten die Streitkräfte angewiesen, "weitere strategische Stellungen im Libanon unter Kontrolle zu bringen". Die zusätzlichen Positionen dienten als Aussichtspunkte, um israelische Grenzgemeinden vor möglichen Angriffen zu schützen. Bereits seit einem Waffenstillstand mit der Hisbollah im November 2024 ist die Armee an fünf strategischen Punkten im Südlibanon präsent.
Ein Einsatz israelischer Bodentruppen im Iran gilt nach Angaben des Militärs hingegen als unwahrscheinlich.
Iranische Gegenangriffe in der Golfregion
Der Iran reagiert weiter mit Angriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Die iranischen Revolutionsgarden meldeten, das Hauptquartier eines US-Luftwaffenstützpunkts in Bahrain mit Drohnen und Raketen zerstört zu haben. Zudem trafen Drohnen die US-Botschaft im saudi-arabischen Riad und lösten einen Brand aus.
Der Iran bestreitet hingegen jegliche Beteiligung an einem Angriff auf den Oman. Zuvor hatte das Sultanat mitgeteilt, zwei Drohnen abgefangen zu haben. Eine dritte sei in der Nähe des Hafens von Salalah abgestürzt, ohne größeren Schaden anzurichten.
In Kuwait wurden bei iranischen Vergeltungsschlägen sechs US-Soldaten getötet. Darüber hinaus schoss die kuwaitische Luftabwehr versehentlich drei US-Kampfjets ab. Die sechs Besatzungsmitglieder konnten sich retten.
Die USA zogen unterdessen den Großteil ihres Botschaftspersonals aus sechs Staaten im Nahen Osten ab. Betroffen seien "nicht für Notfälle zuständige Mitarbeiter der US-Regierung" in Bahrain, dem Irak, Jordanien, Katar, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten, erklärte das US-Außenministerium. Die Ausreise der Betroffenen sei per Änderung der Sicherheitshinweise beschlossen worden.
Berlin bestellt iranischen Botschafter ein
Das Auswärtige Amt hat angesichts der iranischen Angriffe auf Israel und weitere Staaten der Region den iranischen Botschafter in Berlin einbestellt. Das iranische Regime sei unmissverständlich aufgefordert worden, seine rücksichtslosen Attacken unverzüglich einzustellen, teilte das Ministerium auf der Plattform X mit.
Die Bundesregierung verurteile die "willkürlichen und unverhältnismäßigen Raketen- und Drohnenangriffe" scharf, insbesondere auch Angriffe auf zivile Ziele. Diese gefährdeten Verbündete Deutschlands sowie dort stationiertes Militärpersonal und deutsche Staatsangehörige in der Region. Die Einbestellung eines Botschafters gilt als deutliches diplomatisches Signal und Ausdruck erheblicher Verstimmung.
Der iranische Botschafter Madschid Nili erklärte nach Angaben der iranischen Vertretung in Berlin, die israelisch-amerikanischen Angriffe verstießen gegen das Völkerrecht. Er berief sich dabei auf Artikel 51 der UN-Charta, der das Recht auf Selbstverteidigung festschreibt. Die Maßnahmen Irans erfolgten im Rahmen dieses legitimen Selbstverteidigungsrechts, wurde Nili zitiert.
Iran warnt Europäer vor Kriegsbeteiligung
Teheran hat europäische Staaten eindringlich davor gewarnt, sich am US-israelischen Krieg gegen den Iran zu beteiligen. Jede entsprechende Handlung werde als "Komplizenschaft mit den Aggressoren" und als "Kriegshandlung" gewertet, erklärte der iranische Außenamtssprecher Esmail Bakaei offenbar als Reaktion auf eine vorangegangene Erklärung europäischer Regierungen.
Frankreich, Deutschland und Großbritannien hatten am Sonntagabend angekündigt, bei Bedarf "Defensivmaßnahmen" gegen den Iran zu ergreifen.
Die Staats- und Regierungschefs der sogenannten E3 zeigten sich in ihrer gemeinsamen Erklärung "entsetzt über die wahllosen und unverhältnismäßigen Raketenangriffe des Iran auf Länder in der Region". Teheran müsse "seine rücksichtslosen Angriffe unverzüglich einstellen".
Zudem hieß es, die iranischen Attacken gefährdeten auch Militärangehörige sowie Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien in der Region. "Wir werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Interessen und die unserer Verbündeten zu verteidigen", erklärten die drei Staaten. Falls erforderlich, könnten dazu auch "verhältnismäßige militärische Defensivmaßnahmen gehören, um die Fähigkeit des Iran, Raketen und Drohnen abzufeuern, an der Quelle zu zerstören".
USA schließen weitere Schritte nicht aus
US-Präsident Donald Trump, der zunächst von einer Kriegsdauer von vier bis fünf Wochen ausgegangen war, rechtfertigte das militärische Vorgehen als notwendig, um das iranische Atom- und Raketenprogramm zu stoppen. Satellitenbilder deuten darauf hin, dass erstmals eine iranische Atomanlage getroffen wurde. Die Internationale Atomenergie-Organisation bestätigte neue Schäden an Eingangsgebäuden der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Natans.
US-Außenminister Marco Rubio warnte, die härtesten Schläge des US-Militärs stünden noch bevor. Anders als Israel schloss er den Einsatz von Bodentruppen nicht kategorisch aus. "Der Präsident wird nichts ausschließen", sagte Rubio Reportern.
Der Krieg hatte am Samstag mit Angriffen der USA und Israels auf Teheran begonnen, bei denen das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, getötet wurde. Ein Nachfolger soll iranischen Angaben zufolge in Kürze bestimmt werden.
pgr/fab/sth (rtr, dpa, afp)
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