Japans "Muskelmädchen" brechen mit traditionellen Schönheitsidealen
In der Fitnessbar "Muscle Girls" in Tokio stellen muskulöse Performerinnen mit Bühnenshows, Protein-Drinks und kraftvollen Auftritten Japans Schönheitsnormen auf den Kopf. Täglich locken sie damit Hunderte Gäste an.

Barservice mal anders
Dröhnende Musik, flackernde Neonlichter und schrille Vibes sind in Tokio nichts Besonderes. Frauen mit Muskeln hingegen schon. In der Fitnessbar "Muscle Girls" werden sie sichtbar. Die Bar-Mitarbeiterinnen stehen in knappen Sport-Outfits hinter der u-förmigen Theke, drücken Grapefruits mit der Hand vor den Augen der Gäste aus und lassen ihre Muskeln spielen. Zur Freude der jubelnden Gäste.
Mit den Schönheitsidealen brechen
Mit ihrem Kontrast zu den traditionellen Schönheitsidealen Japans zieht die Bar durchschnittlich rund 100 Gäste pro Tag an. "Die meisten Menschen in Japan finden Frauen mit kleinen Brüsten, einem schlanken Rücken und dünnen Beinen attraktiv", sagt Hitomi Harigae, die Geschäftsführerin der Bar, in der ausschließlich Frauen arbeiten. "Die Kundschaft, die hierherkommt, ist anders."
Starke Show
Für 6.000 Yen (umgerechnet 40 US-Dollar) erhalten Gäste hier 80 Minuten lang ein Proteingetränk und "All you can drink", während auf der Bühne muskulöse Mitarbeiterinnen eine Show darbieten und ihre Kolleginnen in Leopardenmuster-Bikinis lächelnd Klimmzüge und Pole-Dance vorführen. Die Gäste können zudem für Extras bezahlen, etwa dafür, ins Gesicht geschlagen oder hochgehoben zu werden.
Bodybuilding wird populärer
In den vergangenen Jahren hat der weibliche Bodybuilding-Sport in Japan an Popularität gewonnen und es finden Wettbewerbe in vielen Städten statt. Doch außerhalb dieser Kreise herrschen nach wie vor die alten Konventionen, sagt Hitomi Harigae."Wenn ich mit Freundinnen aus meiner Schulzeit spreche, merke ich immer noch deutlich, dass sie an diesen Vorstellungen festhalten - sie wollen dünn sein."
Sichtbares Selbstbewusstsein
Allerdings könnten sich diese teilweise aus Geschlechterstereotypen ableitenden Ansichten verändern - wenn auch langsam. Eine Umfrage des Thinktanks Dentsu Soken aus dem Jahr 2023 zeigte, dass 38,2 Prozent der Befragten der Aussage "Männer sollten männlich und Frauen sollten weiblich sein" zustimmten. Im Jahr 2021 waren es mit 43,7 Prozent noch deutlich mehr.
Schluss mit Mangelernährung
Unter den Industrieländern hat Japan den höchsten Anteil untergewichtiger erwachsener Frauen - fast fünfmal so viel wie in den USA oder Deutschland. Fachleute warnen, dass die Gleichsetzung von Dünnsein und Schönheit zu Mangelernährung und Gesundheitsproblemen führen kann. Die etwa 30 Frauen der Gruppe "Muscle Girls" trotzen dieser Norm und präsentieren stolz ihre trainierten Körper.