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PolitikKamerun

Kamerun nach der Wahl: Keine Reformen in Sicht

Martina Schwikowski
13. Februar 2026

Der 92-jährige Präsident Paul Biya regiert Kamerun in seiner achten Amtszeit. Nach 100 Tagen im Amt fällt die Bilanz düster aus: Stagnation und mangelnde Reformen enttäuschen die Menschen.

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Kamerun Yaoundé 2025 | Vereidigung | Präsident Paul Biya hält Antrittsrede im Parlament
Präsident Paul Biya - hier bei seiner Antrittsrede im Parlament - erscheint selten in der Öffentlichkeit, nach 100 Tagen im Amt sind keine Reformen eingeleitet wordenBild: Angel Ngwe/AP Photo/picture alliance

Kameruns Präsident Paul Biya ist 100 Tage im Amt. Für die Bevölkerung hat sich allerdings nichts geändert: "Es ist auffällig, dass die Regierung vor allem durch Abwesenheit glänzt", sagt Christian Klatt, Leiter der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Yaoundé, gegenüber der DW.

Biya ist mit 92 Jahren der älteste amtierende Staatschef der Welt. Im Oktober 2025 trat er nach seiner umstrittenen Wiederwahl seine achte Amtszeit an - bereits 1982 war er an die Macht gekommen und regiert seitdem das zentralafrikanische Land. 

Opposition kämpft für Demokratie

Die Opposition lehnt das amtliche Ergebnis - 53,66 Prozent für Paul Biya - weiter ab und spricht von Wahlbetrug. Der populäre Oppositionschef Issa Tchiroma Bakary hatte rund 35 Prozent der Stimmen erhalten und sich dennoch zum Wahlsieger erklärt.

Kamerun Jagoua 2025 | Issa Tchiroma Bakary steht in einem weißen Gewand in einem Auto und winkt seinen Unterstützern aus dem geöffneten Autodach zu
Der populäre Oppositionsführer Issa Tchiroma Bakary - hier bei einer Wahlkampagne im Oktober 2025 - kämpft nach der Wahlniederlage weiter für Reformen in KamerunBild: Desire Danga Essigue/REUTERS

Der 78-jährige Oppositionsführer sagte laut Medienberichten anlässlich der 100 Tage Biyas im Amt, es gehe um mehr als um eine politische Auseinandersetzung: Es sei ein Kampf um die Seele der Nation und um das Recht auf Selbstbestimmung.

Die Opposition in Kamerun wird massiv unterdrückt, insbesondere vor den Präsidentschaftswahlen und auch nach der Bekanntgabe des Ergebnisses kam es zu gewaltsamen Protesten. Dabei sind Demonstranten Berichten zufolge von den Sicherheitskräften niedergeschlagen worden. Es gab mehrere Tote und Hunderte Festnahmen.

Am 10. Februar hielt Präsident Biya seine Ansprache zum 60. "Tag der Jugend". Der nationale Jugendtag ist laut Experte Klatt traditionell ein Moment, in dem Biya sich in der Öffentlichkeit zeigt und eine Rede hält. "Auch in diesem Jahr hat er sich an das Volk gewandt, aber mit wenig konkreten Punkten", so Klatt.

Kamerun Douala 2025 | Demonstranten gestikulieren, hinter hinten graue Rauchschwaden
Kameruner protestierten vor den Präsidentschaftswahlen 2025 gegen die Unterdrückung der Opposition. Sie wollen einen politischen Wandel.Bild: Zohra Bensemra/REUTERS

"Dabei brachte er ins Spiel, dass die angesetzten Wahlen für dieses Jahr auf kommunaler Ebene, aber auch für die Parlamentswahlen, nicht im Frühjahr stattfinden, sondern auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr verschoben werden", betont der Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung. "Sie wurden schon im vergangenen Jahr verschoben, und alle Menschen warten, ob nach dieser Ankündigung nun ein neues Kabinett aufgestellt wird." 

Angekündigte Reformen bleiben aus

Auch mit Blick auf die großen Reformprojekte, die von Biya in seiner Antrittsrede im November 2025 angesprochen worden waren, ist laut Klatt "bisher nicht viel passiert." Biya habe mehr Beteiligung von Frauen in der Politik, Förderung der Jugend, aber auch eine Befriedung des Landes angekündigt. Allerdings ließen alle Versprechen auf sich warten, so Klatt.

Im Wahlkampf hatte der Langzeitherrscher Biya mehr Arbeitsplätze für Jugendliche versprochen. Besonders die Jugend in Kamerun - etwa die Hälfte der 30 Millionen Kameruner ist jünger als 18 Jahre - ist unzufrieden mit der Regierungsführung Biyas und protestierte wegen mangelnder Reformen und Korruption seitens der Regierung. Junge Menschen fordern seit Jahren dringend einen politischen Wandel, damit sie in ihrer Heimat eine Perspektive haben.

Kamerun Jaunde 2025 | Oppositionsanhänger halten die gelb-rot-grüne kamerunische Flagge ausgebreitet vor ihren Körpern
Junge Menschen in Kamerun unterstützen die Opposition und fordern Reformen, damit sie in ihrer Heimat Arbeit finden und eine Perspektive habenBild: AFP/Getty Images

Die Industrie liegt brach, die Inflation ist hoch. Die Misswirtschaft wollte Biya angeblich bekämpfen und die öffentliche Verwaltung modernisieren. Stattdessen stagniert die Wirtschaft und die Menschen sind erneut enttäuscht. 

Die Ungeduld im Land wächst

"In seiner Neujahrsansprache am 31. Dezember hat er eine neue Regierung angekündigt. Das ist bisher noch nicht geschehen", sagt der Ökonom Louis-Marie Kakdeu empört gegenüber der DW. 

"Er hat angekündigt, dass junge Menschen und Frauen eine größere Rolle spielen würden. Bislang ist das für junge Menschen und Frauen eine große Enttäuschung, denn wir sehen weiterhin, dass die Positionen von Senioren besetzt werden oder dass diese von seinem Dekret profitieren."

Für den Experten für politische Kommunikation Jean Moïse Mbog gibt es jedoch eine Erklärung für die Verschiebung der Wahlen. "Ich habe dies aus mehreren Gründen erwartet", sagt Mbog, der noch vor Kurzem als Sprecher für Tchiroma und seine Partei FSNC tätig war.

"Die Krise nach den Wahlen ist noch nicht gelöst, das ist das Erste. Wir dürfen nichts überstürzen. Andererseits ist auch die Haushaltsfrage ein zu berücksichtigender Faktor, und der Haushalt wurde gerade erst aufgestellt. Es bleibt also noch Zeit, ein oder zwei Dinge zu erledigen, bevor wir uns den Kommunalwahlen zuwenden."

Doch die Ungeduld im Land wächst: Die Ergebnisse der ersten 100 Tage Regierungsführung von Präsident Paul Biya sind laut dem Ökonomen Kakdeu in der Tat düster. "Im Januar hat er seinen Finanzminister beauftragt, weltweit fast 1,65 Billionen CFA-Francs aufzutreiben, um den Staat am Laufen zu halten. Das ist beispiellos. Und es zeigt den Zustand eines bankrotten Landes."

Unterdessen steigen die Preise weiter, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, insbesondere unter jungen Menschen, und die Kaufkraft sinkt.

Mitarbeit: Élisabeth Asen in Yaoundé, Kamerun