Transparency International: Korruption nimmt weltweit zu
10. Februar 2026
Deutschland liegt im globalen Ranking zur Korruptionswahrnehmung 2025 auf Platz zehn von 182 erfassten Staaten und Gebieten. Im Vergleich zum Jahr davor ging es um fünf Ränge aufwärts. Auf den ersten Blick sei diese Verbesserung begrüßenswert, erklärt die Nichtregierungsorganisation Transparency International bei der Vorstellung ihres Jahresberichts. Dieser Befund sei jedoch kein Grund, sich zurückzulehnen. Denn der Aufstieg ergebe sich in erster Linie aus dem Abstieg anderer Länder wie Australien, Irland und Uruguay, teilt die Organisation in Berlin mit.
Der Vergleich über einen Zeitraum von zehn Jahren zeige zudem, dass die Bundesrepublik in der Korruptionsbekämpfung zurückfalle: Hier ging es in der Transparency-Punktewertung von 81 Punkten 2016 auf 77 im Jahr 2025 runter. Die Skala reicht von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption).
Deutschland vermutlich weiter im Abwärtstrend
"Für Deutschland muss sogar ein weiterer Abwärtstrend befürchtet werden", sagte die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Alexandra Herzog. "Unter dem Schlagwort vom 'Bürokratieabbau' werden hier teilweise zentrale Kontrollmechanismen gegen Korruption abgebaut."
In Anbetracht der in den vergangenen Jahren beschlossenen Sondervermögen wäre ein Mehr an Transparenz (und Rechenschaft) notwendig, um Korruption, Günstlings- und Misswirtschaft wirksam zu beschränken, Wettbewerb zu ermöglichen und Schutzmechanismen zu stärken, so Herzog weiter.
Dänemark: 89 Punkte
Dänemark behauptet von allen Ländern mit 89 Punkten zum achten Mal in Folge im weltweiten Ranking den Spitzenplatz. Es folgen Finnland, Singapur, Neuseeland, Norwegen, Schweden, die Schweiz, Luxemburg, Niederlande - und dann Deutschland.
Die USA fallen auf die bisher niedrigste Punktzahl (64 Punkte, Rang 29). Großbritannien liegt nach Korruptionsskandalen nur noch auf Rang 20. Ungarn erreicht mit 40 Punkten (Platz 84) den niedrigsten Wert in der Europäischen Union. Auf dem letzten Platz mit jeweils neun Punkten liegen die beiden afrikanischen Staaten Südsudan und Somalia.
Insgesamt zieht Transparency International ein negatives Fazit: "Korruption nimmt weltweit zu", bilanziert die Organisation. So habe es vor zehn Jahren noch zwölf Länder mit mehr als 80 Punkten gegeben, heute seien es nur noch fünf. Der globale Durchschnitt habe mit 42 Punkten nun den tiefsten Wert seit über zehn Jahren erreicht.
Auch "gefestigte Demokratien" in Gefahr
"Besonders beunruhigend ist, dass von diesem negativen Trend auch gefestigte Demokratien, also Länder mit eigentlich robusten Antikorruptionsstrukturen betroffen sind", erklärte Herzog. "In Ländern, in denen Rechtsextreme und populistische Parteien an die Macht gekommen sind, werden Schutzmechanismen gegen Korruption meist massiv abgebaut."
Dort, wo der Rechtsstaat geschwächt, die Freiheit der Medien und der Zivilgesellschaft beschnitten würden, breite sich Korruption aufgrund fehlender Kontrollinstanzen rasch aus. Das zeige sich besonders deutlich in Ungarn, sagte Herzog.
Der Index von Transparency International ist der weltweit bekannteste Korruptionsindikator. Er bewertet den Grad der in Politik und Verwaltung wahrgenommenen Korruption. Der Index beruht auf der Einschätzung von Expertinnen und Experten sowie Führungskräften.
se/pgr (afp, epd, dpa, kna, transparency.de )