Libanon: Zuflucht in Zelten, Schulen und Stadien
Mit der Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der radikalislamischen Hisbollah verwandeln sich Schulen und Sportstadien in Beirut in Notunterkünfte. Viele Familien mussten Hals über Kopf ihr Zuhause verlassen.

Zivilisten auf der Flucht
Wieder einmal sind sie auf der Flucht: Israelische Luftangriffe auf die südlichen Vororte Beiruts sowie den Südlibanon haben tausende Libanesinnen und Libanesen vertrieben. Laut Angaben der Vereinten Nationen sind innerhalb eines einzigen Tages knapp 100.000 Menschen im Libanon vor den Kriegsfolgen geflohen. Viele von ihnen lagern nun auf Straßen, in Zelten oder in Notunterkünften.
Humanitäre Hilfe in Beirut
In einer Schule verteilt das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, Matratzen und Hilfsgüter an vertriebene Familien. "Das Leben vieler Menschen wurde völlig auf den Kopf gestellt", sagte Karolina Lindholm Billing, UNHCR-Vertreterin im Libanon. Billing beobachtet, dass die Fluchtbewegung schneller voranschreitet als während des Konflikts im Jahr 2024.
Aktion gegen Ungewissheit
Freiwillige Helfer organisieren Aktivitäten für Kinder und Familien, die in provisorischen Zeltlagern an der Uferpromenade von Beirut unterkommen. Innerhalb der ersten Woche des Konflikts meldeten libanesische Behörden bereits mehr als 670.000 Vertriebene. Einige Familien flohen mitten in der Nacht vor Luftschlägen auf die Straßen der Metropole am östlichen Mittelmeer.
Schutzraum im Sportstadion
Im Camille-Chamoun-Sportstadion wurden Dutzende Zelte für Familien aufgestellt. Laut Ibrahim Zeidan, dem Bürgermeister von Beirut, können in der Notunterkunft im Stadion mehr als 3.000 Menschen beherbergt werden. Mehrere Familien berichteten, dass sie bereits zwei bis drei Nächte auf der Straße oder unter Brücken verbracht hätten, bevor für sie eine geeignete Unterkunft zur Verfügung stand.
Mitten im Nahostkonflikt
Der Libanon wurde in den Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA hineingezogen, als die vom Iran unterstützte Terrororganisation Hisbollah Israel angriff - eine Reaktion auf die Tötung von Ali Chamenei, dem religiösen Anführer im Iran. Seitdem bombardiert Israel Ziele im gesamten Libanon. Laut libanesischen Behörden wurden dabei bereits Hunderte Menschen getötet und mehr als 1.300 verletzt.
Alltag im Ausnahmezustand
Statt sportliche Wettkämpfe zu verfolgen, trocknen geflüchtete Familien ihre Wäsche auf den Rängen des Stadions. Knapp 120.000 Vertriebene suchen Schutz in Sammelunterkünften der libanesischen Regierung, andere kommen bei Freunden oder Verwandten unter. "Viele wurden schon zum zweiten Mal nach 2024 vertrieben und mussten erneut fast ohne jegliche Habseligkeiten fliehen", erklärt Lindholm Billing.
Fragile Sicherheit
Im Stadion hat auch die im Rollstuhl sitzende Fatima Nazha eine Zuflucht gefunden. Im Libanon leben auch zahlreiche syrische Geflüchtete - viele von ihnen machten sich auf zur syrischen Grenze, um den gegenseitigen Angriffen zu entkommen. Libanons Präsident Joseph Aoun warf der Hisbollah staatszersetzendes Verhalten vor und erklärte Beiruts Bereitschaft zu direkten Verhandlungen mit Israel.