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PolitikAfrika

Maduros Sturz: Fällt Trump als Nächstes in Afrika ein?

7. Januar 2026

Die Bilder von Maduros Festnahme durch die USA sorgen in Afrika für Empörung. Es gibt scharfe Kritik am militärischen Alleingang, Warnungen vor einem Bruch des Völkerrechts und Forderungen nach Diplomatie statt Gewalt.

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Nigeria Lagos 2025 | Zeitungsverkäufer mit Schlagzeilen zu Donald Trumps Nigeria-Kommentaren
Zeitungsverkäufer mit Schlagzeilen zu Donald Trumps Nigeria-KommentarenBild: Sunday Alamba/AP Photo/picture alliance

Mit deutlichen Worten hat die Afrikanische Union auf die Entführung von Venezuelas Präsidenten Maduro reagiert. Sie äußerte "große Sorge" und forderte die Achtung von Souveränität, territorialer Integrität und den Grundprinzipien des Völkerrechts. Zugleich sprach sich die AU klar gegen externe militärische Interventionen aus und rief zu einer friedlichen Lösung durch Dialog auf.

"Es ist erschreckend, dass ein Staat, der sich auf das Völkerrecht beruft, so handelt", sagt Macharia Munene, Professor für Internationale Beziehungen in Nairobi. Venezuela zeige, was geschehe, wenn kleinere Länder sich US-Vorgaben widersetzen: Starke Staaten könnten ihre Souveränität verteidigen, schwache nicht.

Ankunft von Nicolás Maduro per Hubschrauber in Manhattan zur Gerichtsanhörung
Die Gefangennahme von Nicolás Maduro hat in Afrika für Kritik gesorgtBild: Kyle Mazza/Consolidated News Photos/picture alliance

Gerade Afrika mit seinen vielen fragilen Staaten sei besonders verwundbar, so Munene. "Viele dieser Länder blicken auf internationale Akteure wie die Vereinten Nationen als Schutzmacht." Bleibe ein entschlossenes Handeln der internationalen Gemeinschaft jedoch aus, sei dies ein deutliches Signal: Am Ende könnte jeder Staat verwundbar sein.

Südafrika: "Gefährliche Eskalation"

"Nur wenige afrikanische Regierungen haben das Vorgehen der USA offen kritisiert, sagt Remi Dodd, Analyst für Subsahara-Afrika beim Risikoanalyse-Unternehmen RANE. Länder wie Nigeria, Äthiopien und Kenia hätten sich bewusst zurückgehalten - aus Sorge vor möglichen US-Vergeltungsmaßnahmen oder in der Hoffnung, durch Schweigen politische oder wirtschaftliche Vorteile aus Washington zu ziehen.

Scharf fiel jedoch die Reaktion aus Südafrika aus. Das Außenministerium verurteilte die US-Militäraktion umgehend als klaren Verstoß gegen die UN-Charta: "Eine solche unrechtmäßige, einseitige Gewaltanwendung untergräbt die Stabilität der internationalen Ordnung und den Grundsatz der Gleichheit unter den Nationen". Schon kurz nach den Ereignissen vom vergangenen Samstag forderte Pretoria eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats zur US-Intervention in Venezuela.

Weiße Südafrikaner wollen gar nicht in die USA auswandern

Auch zivilgesellschaftliche Stimmen meldeten sich zu Wort: Die South African Communist Party sprach von "imperialer Aggression" und einem "Akt internationaler Piraterie".

Geht es um die Bodenschätze?

Ghanas Außenministerium wertete Äußerungen von Präsident Trump, die USA sollten Venezuela "führen" und dortige Ölressourcen nutzen, als Rückfall in koloniale und imperialistische Denkmuster. Über die politische Zukunft des Landes könne allein das venezolanische Volk entscheiden.

Geopolitiker Munene warnt, dass die USA auch die Bodenschätze Afrikas im Visier haben könnten. Als Beispiel für US-Interessen auf dem Kontinent nennt er eine 2025 geschlossene Vereinbarung zwischen der Demokratischen Republik Kongo und den USA: Demnach sollen amerikanische Unternehmen Zugang zu kritischen Rohstoffen aus dem Kongo erhalten - im Austausch für Sicherheitsunterstützung durch die USA. "Afrika ist reich an wichtigen Rohstoffen, die einige Länder begehren und ihren Rivalen vorenthalten wollen", so Munene. "Doch den Preis dafür zahlen am Ende oft die afrikanischen Länder selbst."

ECOWAS pocht auf Souveränität

Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) appellierte, die Unabhängigkeit Venezuelas zu respektieren. Man unterstütze die Bekämpfung von Verbrechen, doch dürfe dies nicht auf Kosten des Völkerrechts geschehen. Auch die Junta-regierten ehemaligen ECOWAS-Staaten Burkina Faso und Mali sowie Liberia und Namibia verurteilten den US-Militäreinsatz als Angriff auf einen souveränen Staat.

Frauen graben in schlammigen Gruben der Kobalt-Kupfer-Mine in der Demokratische Republik Kongo
Die Demokratische Republik Kongo ist reich an Bodenschätzen - und so auch der Rest des KontinentsBild: Michel Lunanga/Getty Images

Traurig sei, so Munene, dass Länder, "die sich normalerweise für Souveränität und die Achtung des Völkerrechts einsetzen, Trumps Vorgehen bei der Invasion eines anderen Landes offenbar unterstützen. Der Kontrast ist gravierend: Als Russland 2022 in die Ukraine einmarschierte, gab es weit verbreitete Kritik. Jetzt herrscht Schweigen, nur die schwächeren Länder verurteilen es. Das ist nicht akzeptabel."

Warnung vor internationalem Rechtsbruch

Somaliland, das international bisher nur von Israel als autonomer Staat anerkannt wird, begrüßte die US-Aktion als "Schritt zur Wiederherstellung von Rechtsstaatlichkeit" und erklärte sich solidarisch mit Maßnahmen zur Sicherung demokratischer Legitimität.

Der angolanische Politologe José Gomes warnt jedoch vor falschen Hoffnungen. "Die USA senden eine deutliche Botschaft, dass sie das Sagen haben und sich nicht an das Gesetz halten werden." Diktatoren würden nicht wegen schlechter Regierungsführung gestürzt, sondern nur dann, wenn sie Washingtons Interessen gefährdeten - ein Signal, das autoritäre Führer in Afrika eher beruhigen dürfte.

"Wer ist der Nächste?"

Größer als alles andere sei nun die Angst vor Trumps Bereitschaft zu schnellen Militärschlägen, sagt Munene. Die Sorge: Die USA könnten jederzeit jeden treffen, ohne dass sich schwächere Staaten schützen können. "Die Frage ist: Wer ist der Nächste?"

Anwohner begutachten Schäden nach US Luftangriff auf IS im Auftrag Nigerias
US-Streitkräfte hatten auf Wunsch der nigerianischen Regierung einen Angriff gegen militante Kämpfer des IS in Nigeria gestartetBild: Abdullahi Dare Akogun/REUTERS

Unter Trump haben die USA ihre Luftangriffe in Afrika ausgeweitet - offiziell im Rahmen des "Kriegs gegen den Terror". Einsätze in Nigeria und Somalia, etwa gegen IS-nahe Gruppen und Al-Shabaab, führten laut Menschenrechtsorganisationen zu zivilen Opfern und werfen Fragen nach der Einhaltung des Völkerrechts auf. Auch der NATO-geführte Libyen-Einsatz 2011 gilt in Afrika bis heute als Mahnung: Er brachte zwar den Sturz des Regimes, hinterließ jedoch anhaltende Instabilität.

Doch Risikoanalyst Dodd beruhigt: "Was Afrika betrifft, unterscheidet sich die Lage deutlich von der in Lateinamerika". In der nationalen Sicherheitsstrategie der Trump-Regierung werde zwar eine klare US-Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre formuliert, zugleich aber vor einer tieferen Verstrickung in Afrika gewarnt. Ein Szenario wie in Venezuela sei unwahrscheinlich - ein US-Eingreifen würde eher von Sicherheitsinteressen als von demokratischen Defiziten abhängen und setze eine deutlich höhere Schwelle voraus.

Christiane Teixeira hat zum Artikel beigetragen.

Silja Fröhlich
Silja Fröhlich Redakteurin, Reporterin und Moderatorin