Magma unter der Toskana: Neue Hoffnung für die Energiewende
Veröffentlicht 20. April 2026Zuletzt aktualisiert 21. April 2026
Es brodelt gewaltig: Unter den grünen Hügeln der Toskana in Italien haben Forschende eine riesige Magmakammer entdeckt. Das geothermale Reservoir umfasst rund 6000 Kubikkilometer – etwa das 120-fache des Volumens des Gardasees.
Das Besondere an diesem Fund: An der Oberfläche ist von dem riesigen Magma-Pool nichts zu sehen. Während Reservoire einer solchen Größenordnung anderswo durch Aktivitäten wie Vulkanausbrüche, Kraterbildung oder Geysire auf sich aufmerksam machen, sieht man in der pittoresken italienischen Region rein gar nichts von der heißen Gesteinsschmelze im Untergrund.
Ein Team von Forschenden der Universität Genf in der Schweiz entdeckte die Magmakammer und veröffentlichte seine Ergebnisse im April in dem renommierten Fachblatt Nature. "Wir wissen, dass diese Region, die sich vom Norden in den Süden der Toskana erstreckt, geothermal aktiv ist", sagt Matteo Lupi aus dem Bereich Earth Sciences der Universität Genf, leitender Autor der Studie. "Aber uns war nicht klar, dass dort so ein großes Volumen an Magma liegt, das sich mit Supervulkan-Systemen wie dem unter Yellowstone [einem Nationalpark im Westen der USA, Anm. d. Red.] vergleichen lässt."
Trotz ihrer Größe stellt die Magmakammer keine Gefahr für die Menschen in der Toskana dar. "Irgendwann in der Zukunft wird es hier wahrscheinlich zu einem Ausbruch kommen", sagte Lupi der DW. "Aber wir sprechen von geologischen Zeitmaßstäben. Dann leben dort wahrscheinlich schon gar keine Menschen mehr." Trotzdem ist der Fund von großem wissenschaftlichem Interesse.
Den Lärm der Erde aufzeichnen
Gefunden haben die Forschenden das Reservoir mithilfe einer Technik namens "ambient noise tomography", oder Umweltgeräusch-Tomografie. Sie wird bereits in der Seismologie, die sich mit der Entstehung und Verbreitung von Erdbebenwellen beschäftigt, eingesetzt.
"Wir nutzen dabei Mikrofone, die seismische Geräusche aufzeichnen", sagt Lupi. "Die Erde macht schließlich immer Lärm." Diese Geräusche kommen von menschlichen Aktivitäten, aber auch von natürlichen Vorgängen wie dem Wechsel der Gezeiten oder Wind.
Wenn diese Schallwellen besonders lange von einem Messpunkt zum nächsten brauchen, ist das ein Anzeichen dafür, dass das Gestein unter der Erdoberfläche einen hohen Flüssigkeitsanteil hat – wie das zum Beispiel bei Magma der Fall wäre. Die Forschenden in der Toskana stießen auf solch langsame Schallwellen bei der Auswertung der 60 Sensoren, die sie für die Studie platziert hatten. "Auf einer Tiefe von 8 bis 10 Kilometern waren die Wellen besonders langsam", erzählt Lupi. Dort stieß sein Team dann auf die Magmakammer.
Wertvoller Sprung nach vorn für die Energiewende
Durch die Analyse der Aufnahmen konnten die Forschenden 3D-Aufnahmen der Region unter der Erdoberfläche erstellen. Die Fähigkeit, solche Aufnahmen zu erstellen und mithilfe der Technologie heiße Magmakammern zu entdecken, ist für die Zukunft der Energiewende sehr wertvoll. Denn Erdwärme, oder Geothermie, wird immer wichtiger. Sie gehört zu den erneuerbaren Energien und ist – anders als etwa Solarenergie – wetterunabhängig.
Lupi sagt, dass Unternehmen jetzt schon die von ihm und seinem Team verwendete Tomografie-Technologie nutzen könnten, um festzustellen, wo es sich besonders lohnt, nach Erdwärme zu bohren. Das Verfahren sei schnell und koste nicht einmal viel. "Der einzige Knackpunkt ist, dass konservative Firmen sich auf keine Technologie einlassen wollen, die sie nicht verstehen", sagt der Forscher. "In Asien gibt es schon viele Firmen, die mit der Methode arbeiten. In der Schweiz ist das Umfeld konservativer, da wird sie noch nicht viel genutzt."
Seltene Erden auch durch Tomografie auffindbar
Umweltgeräusch-Tomografie kann auch dabei helfen, Ablagerungen von Lithium oder Seltenen Erden zu finden. Diese Rohstoffe sind in der heutigen Zeit von hohem Wert, weil sie zum Beispiel in E-Auto-Batterien oder Computerchips verbaut werden. Aktuell ist die Welt für Seltene Erden noch hauptsächlich von China abhängig, wo bisher die meisten Vorkommen des Rohstoffs entdeckt wurden.