2025 deutlich weniger flüchtende Menschen in EU gelangt
15. Januar 2026
Um 26 Prozent ist im vergangenen Jahr die Zahl der registrierten irregulären Grenzübertritte in die Europäische Union im Vergleich zu 2024 zurückgegangen. Die europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex) mit Sitz in Polens Hauptstadt Warschau berichtet von knapp 178.000 Versuchen. Das ist der niedrigste Wert seit 2021. Die meisten Menschen, die Frontex bei ihren irregulären Grenzübertritten erfasste, waren Bürger aus Afghanistan, Ägypten und Bangladesch, wie aus dem jetzt vorgestellten Frontex-Bericht hervorgeht.
Lage an EU-Außengrenzen weiter ungewiss
Frontex warnte zugleich, die Lage an den Außengrenzen der EU bleibe ungewiss. "Der Trend geht in die richtige Richtung, aber die Risiken verschwinden nicht", sagte Frontex-Direktor Hans Leijtens. Der Migrationsdruck könne sich rasch verändern - beeinflusst durch Konflikte, politische Instabilität und Schleusernetzwerke. Zugleich lobte er die enge Kooperation seiner Behörde auch mit Regierungen und Partnern in Staaten außerhalb der EU. Diese habe gute Ergebnisse gebracht.
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner bewertete den deutlichen Rückgang als "Ergebnis stärkerer Außengrenzen und wirksamer internationaler Partnerschaften." Die Migrationsdiplomatie der EU wirke, so der österreichische Politiker. "Die Zahlen bedeuten, dass weniger Menschen geschleust werden, weniger Menschen Missbrauch erleiden und weniger Leben in Gefahr geraten."
Deutlich zurückgegangen sind 2025 laut Frontex die Zahlen auf der westafrikanischen Route (minus 63 Prozent), auf der Westbalkanroute (minus 42 Prozent) und an den östlichen Landgrenzen der EU zu Belarus ( minus 37 Prozent). Dass erheblich weniger Menschen versuchten, auf der Westbalkanroute in die EU zu gelangen, führt die Grenzschutzbehörde auf verbesserte Sicherheitsmaßnahmen und die Kooperation mit Bosnien-Herzegowina zurück.
Mittelmeerraum nach wie vor Hauptflüchtlingsroute
Die meistgenutzte Migrationsroute in die EU bleibt der zentrale Mittelmeerraum, auf den 2025 ein knappes Drittel aller irregulären Grenzübertritte entfielen. Häufig wurde auf dieser Route der Weg von nordafrikanischen Libyen nach Italien gewählt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gab es hier kaum eine Veränderung: 66.328 Versuche, über das Mittelmeer in die EU zu kommen, verzeichnete Frontex im vergangenen Jahr.
Überfahrten nach Kreta verdreifachen sich
Ein differenziertes Bild ergibt sich bei der Route über das östliche Mittelmeer. Während hier die Zahl der irregulären Grenzübertritte insgesamt um 27 Prozent zurückging, registrierte die Grenzschutzbehörde dreimal so viele Versuche wie 2024, vom Osten Libyens zur griechischen Insel Kreta in die EU zu gelangen. Dies zeige, wie schnell sich der Migrationsdruck und bevorzugte Routen wandeln könnten, heißt es in dem Bericht.
Auch über die westliche Mittelmeerroute - etwa von Algerien in Nordafrika nach Spanien - nahmen die irregulären Überfahrten im vergangenen Jahr zu. Frontex erfasste nach eigenen Angaben 14 Prozent mehr als 2024.
Libyen blieb laut Frontex 2025 für viele Herkunftsgruppen das wichtigste Abgangsland und damit ein zentraler Ausgangspunkt der Migration über das Mittelmeer. Die Überfahrt ist nach wie vor mit hohen Risiken verbunden. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration kamen im vorigen Jahr mindestens 1878 Menschen im Mittelmeer ums Leben.
se/pg (dpa, epd, afp, frontex.europa.eu)