1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

US-Turntrainerin wegen Missbrauchs gesperrt

30. April 2020

Der Turnverband USA Gymnastics zieht Ex-Olympiatrainerin Maggie Haney für acht Jahre aus dem Verkehr. Der Fall dokumentiert einmal mehr, wie zögerlich der Verband mit Missbrauchsvorwürfen umgeht.

https://p.dw.com/p/3bcAB
Turntrainerin Maggie Haney
Bild: picture-alliance/ZUMAPRESS/A. Sanderson

Maggie Haney darf nicht länger junge Turnerinnen schikanieren. Der amerikanische Turnverband USA Gymnasics (USAG) sperrte die Trainerin "wegen verbalen und emotionalen Missbrauchs" ihrer Schützlinge für acht Jahre. Bei einer vorherigen Anhörung hatten betroffene Turnerinnen und Eltern über das Verhalten Haneys in einem Verein in Monmouth Junction im US-Bundesstaat New Jersey berichtet. Die Trainerin soll unter anderem verlangt haben, dass verletzte junge Turnerinnen ihre Gipsverbände ablegen, um trainieren zu können. Haney wurde auch vorgeworfen, Kinder angeschrien zu haben, weil sie von deren Leistungen enttäuscht war. Ein Mädchen habe eine Panikattacke erlitten und am ganzen Körper gezittert, hieß es. Haney soll darauf mit einem Scherz über das Tourette-Syndrom reagiert haben.

Dreieinhalb Jahre bis zur Anhörung

Zur Trainingsgruppe der 42-Jährigen gehörten auch Laurie Hernandez, Team-Olympiasiegerin von Rio de Janeiro 2016 und Riley McCusker, die bei der Leichtathletik-WM 2018 in Katar mit der US-Riege Mannschafts-Gold gewonnen hatte. Hernandez hatte sich nach den Spielen in Rio von Haney getrennt und bereits im Herbst 2016 einen USAG-Funktionär auf die fragwürdigen Methoden ihrer ehemaligen Trainerin hingewiesen. Erst drei Jahre später, im Herbst 2019, leitete der Verband Untersuchungen gegen Haney ein. Bis zur ersten Anhörung verging ein weiteres halbes Jahr.

"Wie lange hat es gedauert, bis ihr den Berichten über den Missbrauch von Trainerin Maggie Haney nachgegangen seid? 3,5 Jahre, sagt ihr??", twitterte die frühere Turnerin Rachael Denhollander Anfang April. "Vertrauen Sie der USAG, dass sie Ihnen hilft, Missbrauch zu erkennen und zu bekämpfen", hieß es in einem Tweet des Verbands, den Denhollander als "besten Aprilscherz", den sie "in diesem Jahr gefunden" habe bezeichnete.

Immer noch schleppende Aufklärung des Skandals

Denhollander hatte 2016 als erste Turnerin gegen Larry Nassar, den früheren Mannschafts-Arzt der US-Turnierinnen, ausgesagt und damit den bis dato größten Missbrauchs-Skandal im US-Sport losgetreten. Nassar wurde später nachgewiesen, dass er über Jahrzehnte hinweg insgesamt mehr als 250 Mädchen und Frauen sexuell missbraucht hatte. Zu seinen Opfern gehörten mit Turn-Superstar Simone Biles, Alexandra Rose "Aly" Raisman, Gabby Douglas, Jordyn Wieber und McKayla Maroney auch fünf Olympiasiegerinnen. In drei Verfahren wurde Nassar schuldig gesprochen und 2018 zu einer Strafe von bis zu 175 Jahren Haft verurteilt. 

Auch unter der neuen USAG-Präsidentin Li Li Leung, die den Verband seit März 2019 leitet, verläuft die Aufarbeitung des Skandals schleppend. Im Januar sorgte das USAG-Angebot einer Entschädigungzahlung über insgesamt 215 Millionen US Dollar für Empörung bei vielen Missbrauchs-Opfern Nassars.

Sie forderten stattdessen, dass der Skandal von unabhängiger Seite untersucht werden und der Verband alle Dokumente und Daten offenlegen solle. "Wollen sie nicht auch wissen, wie das alles geschehen konnte und wer dafür verantwortlich war, damit es nie mehr wieder passieren kann?", fragte Fünffach-Olympiagoldmedaillen-Gewinnerin Simone Biles auf Twitter. Aly Raisman, Team-Olympiasiegerin von 2016, pflichtete ihr bei: "Das ist eine massive Vertuschung."

DW Kommentarbild Stefan Nestler
Stefan Nestler Redakteur und Reporter