News kompakt: Minderheitsregierung soll Niederlande führen
28. Januar 2026
Knapp drei Monate nach der Parlamentswahl haben sich in den Niederlanden drei Parteien auf die Bildung einer Minderheitsregierung verständigt. Das neue Bündnis soll vom Vorsitzenden der pro-europäischen Partei D66, Rob Jetten, angeführt werden, wie die Parteichefs am Dienstagabend mitteilten. Der 38-Jährige wäre damit jüngster Regierungschef in der Geschichte des Landes. Der Koalition gehören neben der D66 die konservativen Christdemokraten und die rechtsliberale VVD an.
Eine offizielle Vorstellung des Koalitionsvertrags wird für Freitag erwartet. Die neue Regierung würde im Unterhaus lediglich über 66 der 150 Sitze verfügen. "Wir werden es als Drei-Parteien-Koalition machen, aber wir wollen auch mit anderen Parteien im Parlament zusammenarbeiten", erklärte Jetten. Die D66 hatte die Wahl am 29. Oktober mit einem knappen Vorsprung von weniger als 30.000 Stimmen vor der PVV des Rechtspopulisten Geert Wilders gewonnen.
Bundestag erinnert an Opfer der NS-Diktatur
Der Deutsche Bundestag beginnt seine Sitzungswoche an diesem Mittwoch mit einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus. Zentrale Rednerin ist die Holocaust-Überlebende Tova Friedman aus den USA. Die 87-Jährige war als Kind in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im damals besetzen Polen verschleppt worden. Sie betreibt mit ihrem Enkel einen TikTok-Kanal, um die Erinnerung an die Judenverfolgung wachzuhalten. Die Gedenkstunde im Bundestag in Berlin findet alljährlich rund um den 27. Januar statt, den Jahrestag der Befreiung der Gefangenen von Auschwitz durch sowjetische Soldaten.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief zu Zivilcourage gegen Antisemitismus auf. "Jetzt ist Haltung und Handeln gefragt", sagte Steinmeier am Dienstag im Ersten Deutschen Fernsehen. Wenn Antisemitismus auf Straßen, aber auch im privaten Umfeld laut werde, sollte dem widersprochen werden. An die Jüdinnen und Juden hierzulande gerichtet betonte Steinmeier: "Ihr seid ein Teil von uns. Dieses Land Deutschland ist nur ganz bei sich, wenn sich Jüdinnen und Juden in unserem Land sicher fühlen können."
Ukraine meldet viele Tote durch russische Angriffe
Russland hat die Ukraine abermals massiv aus der Luft angegriffen. Bei einer Drohnenattacke auf einen Zug in Charkiw seien mindestens fünf Menschen getötet worden, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Onlinedienst Telegram mit. Laut Selenskyj befanden sich etwa 200 Passagiere in dem Zug.
Russland griff nach Behörden-Angaben zudem die Region Odessa mit etwa fünfzig Drohnen an. In der gleichnamigen Stadt seien drei Tote aus Trümmern geborgen worden. Außerdem gebe es 30 Verletzte. Im Osten der Ukraine traf eine russische Gleitbombe die Stadt Slowjansk. Die Staatsanwaltschaft der Region Donezk gab den Tod eines Ehepaars bekannt.
Krisen in Afrika werden von Medien kaum thematisiert
In der Zentralafrikanischen Republik spielt sich die am wenigsten beachtete Krise der Welt ab. Wie die Hilfsorganisation CARE auf Basis ihres jüngsten Krisenreports in Bonn mitteilte, erschienen im vergangenen Jahr weltweit lediglich etwa 1500 Artikel zur Situation in dem Binnenstaat. Die Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik leide unter Gewalt und Vertreibung, berichtet CARE. Rund 1,1 der fünfeinhalb Millionen Bürger lebten als Binnenflüchtlinge im eigenen Land oder seien in Nachbarstaaten geflohen. 2,4 Millionen Menschen sind demnach auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Den zweiten Platz auf der Liste der medial am wenigsten beachteten Krisen belegt Namibia, wo sich 1,3 Millionen Menschen nicht ausreichend ernähren können. Acht der zehn Krisen, die vergangenes Jahr kaum Schlagzeilen machten, liegen in Afrika. "Aufmerksamkeit ist eine Frage der Menschenwürde und des Überlebens", sagte der Generalsekretär von CARE Deutschland, Karl-Otto Zentel. "Denn wo Krisen unsichtbar bleiben, fehlt oft auch die finanzielle Unterstützung."
Sachsen-Anhalt bekommt einen neuen Regierungschef
Nach dem Rücktritt des dienstältesten Ministerpräsidenten Deutschlands, Reiner Haseloff, in Sachsen-Anhalt wird in dem Bundesland ein neuer Regierungschef gewählt. Der 71-jährige Haseloff macht Platz für den bisherigen Wirtschaftsminister Sven Schulze. Seine Nominierung muss an diesem Mittwoch vom Parlament in Magdeburg bestätigt werden. Schulze soll die konservative CDU als Spitzenkandidat in die Landtagswahl im September führen. Laut aktuellen Umfragen liegen seine Christdemokraten in der Wählergunst deutlich hinter der Partei Alternative für Deutschland (AfD). Deren Landesverband wird vom Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextremistisch" eingestuft.
Haseloff war fast 15 Jahre lang Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Zuletzt führte er eine sogenannte "Deutschland-Koalition" aus CDU, Sozialdemokraten (SPD) und liberaler FDP an. Seinen Rücktritt verbindet Haseloff mit der Hoffnung, Schulze könne im Amt des Ministerpräsidenten an Bekanntheit und Profil gewinnen - und die AfD vom Regieren in Sachsen-Anhalt abhalten.
Erdrutsch gefährdet Stadt auf Sizilien
Nach einem Erdrutsch im Süden der Insel Sizilien im Mittelmeer haben mehr als 1500 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Auf einer Länge von vier Kilometern war in der Stadt Niscemi infolge heftiger Regenfälle ein Hang abgerutscht. Häuser gerieten nach Angaben der italienischen Behörden bedrohlich nahe an die Abbruchkante.
Die Situation verschlechtere sich, da weitere Abbrüche registriert worden seien, sagte Bürgermeister Massimiliano Conti örtlichen Medien. Auch der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabio Ciciliano, sprach bei einem Besuch in Niscemi von einer kritischen Lage. Der Erdrutsch sei noch voll aktiv.
se/wa/jj (dpa, afp, kna, epd, rtr)
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