Peru: Die Angst fährt mit
Die organisierte Kriminalität in Peru wächst: Schutzgelderpresser fordern hohe Geldsummen, besonders betroffen sind Busunternehmen. Die Brutalität der Banden ist auch zentrales Thema der Präsidentschaftswahlen.

Wer nicht zahlt, riskiert sein Leben
Polizisten bewachen das Terminal des Busunternehmens Santa Catalina in Perus Hauptstadt Lima. Transportunternehmen werden in dem südamerikanischen Land immer häufiger Opfer von Schutzgelderpressern. Laut Polizeiberichten wurden 2025 mindestens 75 Busfahrer ermordet, die meisten davon in Lima.
Erschreckendes Ausmaß
Pittoreske Perspektive: Das Busterminal von Santa Catalina wirkt friedlich, doch der Eindruck täuscht. Die organisierte Kriminalität hat in den letzten Jahren ein erschreckendes Ausmaß angenommen: Seit 2018 haben sich die gemeldeten Morde in Peru von 1000 auf 2600 pro Jahr mehr als verdoppelt, während die Zahl der Erpressungsfälle um mehr als das Achtfache auf 26500 anstieg.
Gefährliche Fahrt
Ein Polizist begleitet diesen Bus auf seiner Fahrt durch Lima. Schutzgelderpresser bedrohen nicht nur Busunternehmen, sondern kleine Unternehmen aller Art, von Friseursalons über Lebensmittelhändler bis hin zu Privatschulen. Die steigende Kriminalität ist auch ein zentrales Thema der peruanischen Präsidentschaftswahlen, die am Sonntag begonnen haben.
Verwegene Versprechen
In den Randbezirken Limas ist die Kriminalität besonders hoch. Im Wahlkampf überboten sich die 35 Kandidatinnen und Kandidaten mit teils absurden Vorschlägen zur Verbrechensbekämpfung: Limas ehemaliger Bürgermeister Rafael "Porky“ López Aliaga, will zum Beispiel im Falle eines Wahlsiegs Gefängniskolonien im Dschungel errichten, umgeben von Giftschlangen.
Wenig Vertrauen
Busfahrer Zacarias Lopez Bujaico steuert einen Bus durch San Juan de Lurigancho, einem der am stärksten von der Kriminalitätswelle betroffenen Stadtteile Limas. In die Versprechen der Präsidentschaftskandidaten hat er wenig Vertrauen: "Sie versprechen viel und halten nichts. Sie spielen mit unseren Gefühlen, und wir werden immer wieder erschossen", so López gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Brutale Banden
Ein Poster erinnert an einen ermordeten Busfahrer; die Fahrer werden zum Teil vor den Augen ihrer Fahrgäste erschossen. Viele Transportunternehmen haben ihre Sicherheitsvorkehrungen angesichts der Bandenkriminalität verstärkt: Die Firma Santa Catalina installierte kürzlich Videoüberwachung in ihren Fahrzeugen, zudem gibt es Notfallknöpfe, die die Fahrer betätigen können.
Die Angst fährt mit
Kein normaler Fahrgast: Dieser Mann ist ein verdeckter Ermittler, der im Falle eines Überfalls eingreifen soll. Auch Polizisten in Uniform oder Zivilkleidung fahren auf den gefährlichsten Streckenabschnitten mit. Busfahrer López fürchtet dennoch jeden Tag, "nicht lebend nach Hause zurückzukehren", wie er AFP sagte. Viele Fahrer haben aus Angst vor den Überfällen gekündigt.
Fehlende Sicherheit
Fahrer wie Fahrgäste bemängeln, dass die Maßnahmen nicht ausreichten und die Politik ihre Versprechen nicht halte. "Es gibt nirgendwo Sicherheit“, sagte die 70-jährige Maruja Castillo gegenüber AFP. "Alle Kandidaten sagen das, was die Leute hören wollen, aber ob sie ihre Versprechen auch einhalten, ist eine andere Frage", so eine andere Passagierin.