Philippinen: Schnell wieder Strom
Hunderttausende Taifunopfer müssen derzeit ohne Strom auskommen. Denn nicht nur Häuser und Plantagen, auch das Stromnetz hat der Wirbelsturm verwüstet. Doch die Menschen machen sich bereits an den Wiederaufbau.

Noch stehen sie schief
Zerstörte Häuser, Obdachlosigkeit - das sind die sichtbarsten Folgen des Taifuns Haiyan. Von vielen Gebäuden stehen nur noch die Grundmauern und die meisten Menschen haben nur ein provisorisches Dach über dem Kopf. Aber auch eine andere Folge ist gravierend: Viele müssen ohne Strom auskommen. Der Sturm hat die meisten Masten umgeblasen, das Netz ist wortwörtlich zusammengebrochen.
Geldverdienen mit Generatoren
Wer Vorräte kühlen möchte, nachts Licht braucht oder einfach nur sein Handy aufladen will, der ist im Katastrophengebiet deshalb zur Zeit auf Generatoren angewiesen. Sie wandeln Treibstoff wie Diesel in elektrische Energie um. In diesen Ruinen lebt eine Familie - mit einem Generator, der den Sturm überlebt hat, kann sie ihren Lebensunterhalt aufbessern.
Kein Saft mehr
Denn durch die Leitungen fließt kein Strom mehr - zum Beispiel im Norden der Insel Cebu, wo nur noch die Hälfte aller Strommasten steht. Besonders schwer getroffen hat der Sturm die Region Danbantayaan, den nördlichsten Zipfel der Insel. Hier hat der Taifun gerade einmal 17 Masten stehen lassen - von einstmals fast 2000.
Stromversorger
Die Strommasten möglichst schnell wieder aufzurichten, ist Aufgabe von Gannymede Tiu. Er ist Geschäftsführer des Stromkonzerns Cebeco II, der rund 120.000 Haushalte im Norden Cebus mit Elektrizität versorgt. Auch in seinem eigenen Haus hat Tiu derzeit keinen Strom aus der Steckdose. Wie viele andere muss er einen Generator einsetzen.
Enger Zeitplan
Bereits einen Tag nach dem Taifun, den die Philippiner nicht Haiyan, sondern Yolanda nennen, haben sich die Chefs der Firma Cebeco zusammengesetzt. Ihr Plan: Bis Weihnachten soll der Strom wieder fließen. Allerdings: Um Elektrizität zu erzeugen, wird vor allem Kohle verbrannt. Das beschleunigt den weltweiten Klimawandel. Und der wiederum kann das das Entstehen von Taifunen begünstigen.
Solarenergie
Statt Kohle tut's hier die Sonne: Fast 900 Arbeiter sollen alle Strommasten und Verteilerstationen wieder einsatzfähig machen. Erst einmal muss das Unternehmen jedoch die dafür nötigen Unterlagen trocknen. Denn der Taifun ist auch über die Firmenzentrale nahe Bogo City hinweggefegt. Die Mauern stehen zwar noch, aber kistenweise Akten müssen in der Sonne getrocknet werden.
Auf drei!
Gleichzeitig werden bereits die ersten neuen Masten aufgestellt. Dieses Team hat innerhalb eines Tages bereits 18 Masten neu verankert. Mast Nummer 19 ziehen sie gerade an einem Seil über eine Winde nach oben. Sie arbeiten an der Leitung, die schon bald wieder die Städte Bogo City und San Remigio mit Strom versorgen soll.
Einsatz in schwindelnder Höhe
Wenn die Masten stehen, muss noch viel getan werden, bevor wieder Strom durch die Leitungen fließen kann. Der nächste Schritt: Leiterseile und Isolatoren werden angebracht. Dafür sind Arbeiter auf die Masten geklettert. Ihr Job ist nicht ungefährlich, betonen sie - aber auf ihnen ruhen die Erwartungen all ihrer Nachbarn. Die wollen möglichst bald wieder Strom haben.
Arbeit bis in den Abend
Bartolome Pedroza ist Teamleiter beim Wiederaufbau der Leitung nach Bogo City. Von sechs Uhr morgens bis 22 Uhr abends haben er und seine Männer am Stromnetz gearbeitet, erzählt er. Sie konnten leider nicht alle Masten reparieren. Oft ist es einfacher, eine neue Leitung aufzubauen, als eine bestehende zu retten.
Ein langer Weg
Noch gibt es im Katastrophengebiet mehr liegende als stehende Masten. Sehnsüchtig erwarten die Menschen hier nicht nur Strom, sondern auch fließend Wasser, Baumaterial und ausreichend Nahrung.