Proteste in Mexiko-Stadt eskalieren vor WM-Start
5. Juni 2026
Seit Tagen blockieren radikalisierte Lehrer der Gewerkschaft CNTE Hauptstraßen in und um Mexiko-Stadt. Zudem haben sie im historischen Zentrum der Hauptstadt ein Zeltlager errichtet.
Bereits vor einigen Tagen stürmten Demonstranten ein Regierungsgebäude. Dabei setzten sie Laternenmasten als Rammböcke ein, um sich gewaltsam Zutritt zur Zentrale des Bildungsministeriums zu verschaffen. Zudem riss eine CNTE-Gruppe riesige Plastikstatuen von Spielern mit Hilfe von Seilen um, zog ihnen die Trikots aus und verbrannte diese.
"Ohne eine Lösung wird der Ball nicht rollen"
Die Gewerkschaft droht mit Massendemonstrationen bei der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft im legendären Aztekenstadion und dem Eröffnungsspiel gegen Südafrika am 11. Juni, falls die Regierung ihre Forderungen nicht erfüllt. Die Lehrer verlangen deutliche Gehaltserhöhungen und neuen Verhandlungen über das Rentensystem. "Wenn es keine Lösung gibt, wird der Ball nicht rollen", warnen sie.
Die Regierung hat sich mit der CNTE auf eine Gehaltserhöhung von neun Prozent geeinigt - ein Wert, der weit unter der von den protestierenden Lehrern geforderten Steigerung von 100 Prozent liegt. Das monatliche Brutto-Einstiegsgehalt eines Lehrers an einer öffentlichen Schule in Mexiko entspricht umgerechnet 833 Euro.
Auch Angehörige von rund 130.000 in Mexiko vermissten Menschen, darunter der 43 seit 2014 vermissten Studenten des Lehrerseminars von Ayotzinapa, sowie Bauern und Kraftfahrer planen Proteste und Straßenblockaden. Sie wollen die durch die WM geschaffene internationale Aufmerksamkeit nutzen, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen.
Präsidentin Sheinbaum bietet Dialog an
"Es gibt viel Provokationen", sagte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum auf einer Pressekonferenz. Die Demonstranten wollten, "dass wir handeln und die Proteste niederschlagen". Zugleich bot sie den Protestierenden einen Dialog an.
Im Mitgastgeberland Mexiko werden insgesamt 13 der 104 Spiele der gemeinsam mit den USA und Kanada organisierten Fußball-WM ausgetragen. Rund um die Stadien in Mexiko-Stadt, Monterrey (Guadalupe) und Guadalajara (Zapopan) sind Demonstrationen geplant.
Bereits im Februar ließen gewalttätige Auseinandersetzungen nach der Festnahme und Tötung des Anführers eines Drogenkartells Bedenken über die Sicherheit während der WM in Mexiko aufkommen. Rund 70 Menschen kamen damals ums Leben.
gri/se (dpa, sid)
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