Waffenruhe mit Ukraine - Militärparade in Moskau
Veröffentlicht 9. Mai 2026Zuletzt aktualisiert 9. Mai 2026
Auf dem Roten Platz in Moskau hat - im Schutz einer von den USA vermittelten Waffenruhe - das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs stattgefunden. Die traditionelle Militärparade zum "Tag des Siegs" der damaligen Sowjetunion über Nazi-Deutschland war in diesem Jahr aus Sorge vor möglichen Angriffen aus der Ukraine deutlich kleiner als sonst geplant worden. Auf die Vorführung von Panzern, Geschützen und Raketen in Russlands Hauptstadt wurde erstmals seit fast 20 Jahren verzichtet.
Staatschef Wladimir Putin - geschützt durch zahlreiche Sicherheitskräfte - verglich in seiner Rede den Kampf der russischen Armee gegen die Ukraine mit dem damaligen Sieg über Deutschlands NS-Diktatur. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte sind rund um den Roten Platz positioniert. Das mobile Internet ist abgeschaltet.
US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag in Washington mitgeteilt, die Präsidenten Russlands und der Ukraine, Putin und Wolodymyr Selenskyj hätten seiner Bitte um eine dreitägige Waffenruhe bis einschließlich Montag zugestimmt. Beide Seiten wollten auch jeweils 1000 Kriegsgefangene austauschen, schrieb Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social.
Trump hofft auf allmähliches Ende des Ukraine-Kriegs
Er verknüpfte seine überraschende Ankündigung mit der Botschaft: "Hoffentlich ist dies der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart ausgetragenen Kriegs." Die Gespräche über ein Ende des Kriegs - "des größten seit dem Zweiten Weltkrieg" - gingen weiter.
Russland hatte im Februar 2022 mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine begonnen. Die Verhandlungen unter federführender Vermittlung der USA liegen seit März auf Eis. Trump konzentriert sich derzeit auf den Konflikt mit Iran.
Für die Feierlichkeiten in Russland galt bereits seit Freitag eine von Putin einseitig ausgerufene Waffenruhe. Allerdings hielten sich die russischen Streitkräfte nicht daran. Es gab wieder so heftige Angriffe auf die Ukraine, dass Selenskyj nach eigenen Worten zunächst keinen Anlass sah, die Waffen schweigen zu lassen. Beide Kriegsparteien überzogen sich gegenseitig mit Drohnenangriffen.
Selenskyj stimmt wegen Austausch von Kriegsgefangenen zu
Der ukrainische Präsident ging vor allem wegen des Gefangenenaustauschs auf Trumps Vorschlag ein. "Der Rote Platz ist für uns weniger wichtig als das Leben der ukrainischen Gefangenen, die nach Hause zurückkehren können", betonte er.
Ein Vertreter des Präsidialamts in Kyjiw erklärte mit Blick auf den vorübergehenden Angriffsverzicht, man habe "die Abwesenheit von Drohnen in Moskau gegen 1000 Kriegsgefangene eingetauscht". Die Ukraine werde sich während der dreitägigen Waffenruhe "spiegelbildlich" verhalten.
Washington verhandelte in zwei Richtungen
Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS, die Vereinbarung sei infolge der jüngsten russischen Telefonkontakte mit der US-Führung zustande gekommen. "Die US-Vertreter hatten ihrerseits Kontakt nach Kyjiw."
Russland erinnert immer am 9. Mai an die Bezwingung Hitler-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg. Die in den vergangenen Jahren stets pompösen Feiern dienen aber auch der Selbstdarstellung und Festigung von Putins Führung.
Gäste aus dem Ausland gibt es in diesem Jahr nicht viele. Aus dem verbündeten Nachbarland Belarus traf Staatschef Alexander Lukaschenko ein. Ferner reisten die Präsidenten von Kasachstan und Usbekistan, Kassym-Schomart Tokajew und Schawkat Mirsijojew, an.
Aus der EU kam der slowakische Regierungschef Fico
Einziger Gast aus der Europäischen Union ist der slowakische Ministerpräsident Robert Fico. Er legte am Freitag einen Kranz am Grabmal des Unbekannten Soldaten an der Kremlmauer nieder. An der Militärparade wollte er nicht teilnehmen. Ficos Besuch in Moskau wird sowohl in seiner Heimat als auch in der EU kritisiert.
Fico begründete seine Reise laut der slowakischen Nachrichtenagentur TASR damit, dass ein Dialog mit der russischen Führung nötig sei. Der Regierungschef bezeichnete sich selbst wegen seiner Position als das "schwarze Schaf" der EU.
se/AR (dpa, afp, rtr, ap)